Stand: 01.06.2019 10:06 Uhr

Theater Festival: "Macbeth" aus der Zauberkiste

von Heide Soltau

Das privat finanzierte Hamburger Theaterfestival, das alljährlich sehenswerte Gastspiele aus dem deutschsprachigen Raum in die Hansestadt holt, präsentiert zum ersten Mal eine Eigenproduktion: "Macbeth" nach William Shakespeare, in einer Fassung von John von Düffel, inszeniert von Matthias Hartmann. Am Freitagabend fand die Uraufführung statt in einer Halle auf Kampnagel.

Gute Schauspieler brauchen nicht viel, um ihr Publikum zu verzaubern. Mit Catrin Striebeck und OIiver Masucci standen zwei Hochkaräter auf der Bühne der Kampnagel-Fabrik. Striebeck ist Hamburgerin, gehörte zum Ensemble des Deutschen Schauspielhaues und hat in etlichen "Tatort"-Folgen mitgewirkt. Und Masucci ist gerade mächtig angesagt. Nach vielen Jahren am Burgtheater Wien dreht der Mann mit dem markanten Gesicht und den hellen Augen einen Film nach dem anderen. Berühmt geworden ist er als Adolf Hitler in der Farce "Er ist wieder da". Und durch die Netflix-Serie "Dark" ist er auch im Ausland so bekannt, dass er auf der Straße angesprochen wird.

Regisseur Matthias Hartmann bringt Shakespeares Tragödie in der Fassung von John von Düffel als Zwei-Personen-Stück auf die Bühne. Als Psychodrama eines Ehepaars, das, zwischen Ehrgeiz und Angst pendelnd, mit allen Mitteln an die Macht kommen will und dabei eine brutale Gewaltspirale in Gang setzt.

Zierrat und Hokuspokus

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Lady Macbeth (Catrin Striebeck) in Apricot-Tüll, Lord Macbeth (Oliver Masucci) in Schwarz.

Die Idee, "Macbeth" als Zwei-Personen-Stück aufzuführen, ist durchaus schlüssig. Mit seiner Regie dagegen kann Matthias Hartmann nicht überzeugen. Er hat sich von Volker Hintermeier einen silbrig glänzenden Zauberkasten bauen lassen, der im Hintergrund auf der ansonsten leeren schwarzen Bühne steht. Öffnen sich die Türen, blickt man in eine gleißend helle Welt, aus der die Schauspieler kommen und in der sie wieder verschwinden. Es ist die Welt des Hofs und der Kriege.

Man braucht den Hokuspokus nicht, um dem Kammerspiel von Catrin Striebeck und Oliver Masucci vorn auf der Bühne zu folgen. Auch das lächerliche apricotfarbene Tüllkleid, das Lady Macbeth tragen muss, erfüllt nur dekorative Zwecke. Lord Macbeth jedenfalls spielt in Anzughose und schwarzem T-Shirt. Hartmann peppt den Abend mit unnötigem Schnickschnack auf. So lässt er das Ehepaar Macbeth eine Pressekonferenz geben, um die Öffentlichkeit über den Mord am König zu informieren. Man hört das Blitzlichtgewitter der Fotografen.

Hartmann als Pausenclown

Der Regisseur hätte seinen Schauspielern mehr vertrauen sollen. Die meistern im Notfall auch Pannen besser allein. Als Oliver Masuccis Mikroport ausfiel, gab er der Technik ein Zeichen und spielte ohne weiter - bis Matthias Hartmann auf die Bühne trat und die Vorstellung unterbrach. Umständlich erklärte er dem Publikum das Malheur und überbrückte die technische Pause mit einer Anekdote über den Reißverschluss am Tüllkleid von Lady Macbeth.

Catrin Striebeck verdrehte die Augen. Sie hätte ihren Regisseur wohl gern gebremst, aber der ließ sich seinen Auftritt nicht nehmen und erzählte, dass der Reißverschluss vor der Vorstellung kaputtgegangen sei. Aber ein Schneider in der Nachbarschaft habe ihn in letzter Minute reparieren können.

Ein sehenswertes Paar

Und dann stellte sich heraus, dass die Unterbrechung gar nicht nötig gewesen wäre. Die Zuschauerinnen und Zuschauer hatten Oliver Masucci auch ohne Mikroport gut verstanden. Schauspieler seines Kalibers brauchen derlei technische Hilfsmittel eben nicht. Ihnen genügen Mitspieler ihres Niveaus. Catrin Striebeck und Oliver Masucci waren eindrucksvolles, vielschichtiges Paar. Und der Musiker Karsten Riedel lieferte ihnen dazu live mit Stimme und Klavier einen tollen Soundtrack.

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Theaterfestival: "Macbeth" auf Kampnagel

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Als erste Eigenproduktion des Hamburger Theaterfestivals inszeniert Regisseur Matthias Hartmann die Shakespeare-Tragödie mit Catrin Striebeck als Lady Macbeth. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 01.06.2019 | 06:55 Uhr

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