Stand: 12.04.2019 16:20 Uhr

Neue Saison am Thalia mit Isabelle Huppert

von Katja Weise

Das Hamburger Thalia Theater solle internationaler, europäischer werden, sagte Intendant Joachim Lux am Freitag bei der Vorstellung des Spielplans für die kommende Saison 2019/20. Die sieht viele Uraufführungen vor und setzt kaum auf klassische Stückvorlagen.

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Intendant Joachim Lux und Chefdramaturgin Julia Lochte stellen die Höhepunkte der neuen Saison am Thalia Theater vor.

Zwei Mal hat Jette Steckel am Thalia Theater bereits Shakespeare inszeniert: "Romeo und Julia" und den "Sturm". Jetzt werde sie "Hamlet" auf die Bühne bringen, und das sei ein ausdrücklicher Wunsch der Regisseurin gewesen, so Intendant Joachim Lux. Der Ungar Kornél Mundruczó nimmt sich - in Kooperation mit den Salzburger Festspielen - "Liliom" vor, jenes Stück von Ferenc Molnár, das am Thalia Theater einst zu einem legendären Skandal führte. Die Worte Klaus von Dohnanyis jedenfalls gingen in die Theatergeschichte ein: Man könne dieses Stück auch anständig spielen, hatte der ehemalige Hamburger Bürgermeister gesagt.

Schillers Kosmos in einem Stück

Alle anderen Aufführungen basieren auf Roman- oder Filmvorlagen oder sind Projektentwicklungen. Antú Romero Nunes beispielsweise erforscht Schiller. "Er ist einer der wenigen jüngeren Regisseure, die mit Schiller richtig viel anfangen können, die ihn immer wieder belebend auf die Bühne bringen. Vielleicht konnte er sich nicht für ein einzelnes Stück entscheiden, sondern wollte den Kosmos Schillers erfassen: Dafür ist diese Grundidee 'Ode an die Freiheit' das richtige Gefäß", erklärt die Chefdramaturgin Julia Lochte den Ansatz des Schiller-Stücks.

"Neverland" bringt internationales Ensemble auf die Bühne

Außerdem wird Nunes zusammen mit einem internationalen Ensemble "Neverland" nach Motiven aus Peter Pan herausbringen. Bei dieser Produktion spielen Schauspieler des Thalia Theaters zusammen mit Schauspielern aus anderen europäischen Ländern. Sicher ein Wagnis, aber Intendant Lux glaubt an die grenzüberschreitende Zusammenarbeit: "Wir leben in einer immer internationaler werdenden Welt, der europäische Gedanke ist unverzichtbar und auch friedensstiftend. Abgesehen davon ist es sehr interessant, sich mit anderen Kulturen zu beschäftigen."

Solo-Gaststück mit Isabelle Huppert

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Die französische Schauspielerin steht am Thalia Theater als Maria Stuart auf der Bühne.

Interkulturelle Zusammenarbeit äußert sich auch durch internationale Gastspiele. Und hier ist dem Theater ein wahrer Coup gelungen: Es zeigt im Herbst unter anderem die Deutschlandpremiere von Bob Wilsons "Maria said what she said" über Maria Stuart. Das Stück ist ein großes Solo für eine Schauspielerin: Isabelle Huppert. Der Vorverkauf läuft. Zum ersten Mal am Thalia Theater inszenieren wird die Israelin Yael Ronen. Ihre Arbeiten dürften den Besucherinnen und Besuchern der Lessingtage bestens vertraut sein, denn sie war auf dem Festival schon oft zu Gast.

Gaußstraße: Schwerpunkt mit jüdischen Themen

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Jens Harzer ist seit März 2019 Träger des Iffland-Rings, der ihm von Bruno Ganz übertragen wurde.

Auf der kleinen Bühne in der Gaußstraße gibt es außerdem einen Schwerpunkt mit jüdischen Themen. Dort ist unter anderem die Uraufführung von Maxim Billers autobiografischem Roman "Sechs Koffer" zu erleben. Wie Billers Roman stand auch Nino Haratischwilis "Die Katze und der General" im vergangenen Jahr auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Darin blickt die Autorin auf die Tschetschenienkriege. Lux erklärt Haratischwilis Ansatz: "Sie beschäftigt sich mit einer Vergangenheit. Die Frage ist, welche Perspektive ich in der Beschäftigung mit der Vergangenheit habe: Versinke ich in sentimentalen Rekonstruktionen oder ist die Beschäftigung mit der Vergangenheit eine Arbeit an der eigenen Zukunft?" Dieser Frage will sich das Thalia Theater in einer Bühnenversion des Romans stellen.

Denn um die Zukunft solle es vor allem gehen am Thalia Theater - und zwar mit Mut und Zuversicht, so der Intendant. Jette Steckel wird "Die Katze und der General" zur Eröffnung der Spielzeit inszenieren. In welcher Rolle Jens Harzer, dem von Bruno Ganz der Iffland-Ring vermacht wurde, zu sehen sein wird, wurde nicht verraten. Seine nächste große Premiere hat er noch in dieser Spielzeit Anfang Mai in Kleists "Amphitryon".

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 12.04.2019 | 16:20 Uhr