Der Tanzchef des Osnabrücker Theaters, Mauro de Candia, blickt hinter einem Vorhang hervor. © Picture Alliance Foto: Friso Gentsch

Tanzstück "Kunstraub" am Theater Osnabrück

Stand: 12.10.2020 13:39 Uhr

Premiere am Theater Osnabrück: Der Osnabrücker Tanzchef Mauro de Candia hat in seinem neuesten Stück die Geschichte rund um einen "Kunstraub" inszeniert.

von Birgit Schütte

Abstand halten! Nicht berühren! Und bloß nicht zu nah herankommen! Diese Regeln gibt es nicht erst seit Corona: Im Museum gelten sie schon lange. Kostbaren Gemälden darf man nicht zu nahekommen. Das Tempo wird gedrosselt. Der Osnabrücker Tanzchef Mauro de Candia spielt in seiner neuen Inszenierung mit diesen Regeln. Als jemand unbemerkt einem Bild zu nahekommt, geht der Alarm los - die Kunst verschwindet. Ein mysteriöses Geschehen zwischen Betrachter und Kunst?

Die Osnabrücker Dance Company und Corona

Unser normales Leben ist zurzeit gestört, unangenehm gestört. Durch neue Verhaltensregeln und Verbote. Das war der Ausgangspunkt für den Leiter der Osnabrücker Dance Company Mauro de Candia: "Es ist eine absurde oder bizarre Zeit, in der wir leben. Mit unserer Arbeit haben wir versucht, darüber zu reflektieren, was wir uns zerstört haben. Und es spiegelt eine Absurdität, die, wie ich finde, sehr zusammenpasst mit dem Moment, in dem wir uns befinden."

Ungewöhnliches Tanzstück

Blick auf das Theater Osnabrück. © Picture Alliance Foto: Helmut Meyer zur Capellen
Ort des "Kunstraubs": das Theater Osnabrück.

Mit den Klängen des Musikers Misagh Azimi hat Mauro de Candia ein ungewöhnliches Tanzstück entwickelt. Auf der Bühne: Die Szenerie eines Museumsraums mit drei großen Gemälden. Ein Mann sitzt auf einer breiten Bank und liest, ein anderer bewegt sich um ein Stehpult herum, eine adrett gekleidete Frau windet sich auf roten Stöckelschuhen durch den Raum und eine schwarz gekleidete Gestalt in Kapuzenpulli und Jogginghose geht lässig an der Wand entlang, bleibt aber beinahe auf der Stelle.

Alle Bewegungen sind auf Zeitlupe gestellt, extreme Zeitlupe. Die Tänzer scheinen zu gleiten. Jeder ist für sich. Ein Mann versucht sich der Frau zu nähern, aber er kommt nicht vom Fleck. Sein Ruf ist … lautlos. Dann bricht einer nach dem anderen zusammen. Wie Fische, die versuchen Luft zu schnappen, liegen sie auf dem Boden. Die Musik geht an die Nerven, ist schwer auszuhalten.

Der Raub der Schuhplattler

Cut: Nun wird eines der Bilder gestohlen - ein Bild mit drei Schuhplattlern in Lederhosen und Filzhüten. Videoaufnahmen zeigen, wie eine maskierte Gestalt das Bild aus dem Theater bringt. Und siehe da, die Schuhplattler werden im Film lebendig. Die surreale Geschichte wirkt erstmal witzig. Als sich die Videoleinwand wieder hebt, stehen die Schuhplattler auf der Bühne: In geblümten Kniebundhosen und grünen Hüten, gefakter Alpenlook.

Sie tanzen jeder für sich mit einem Barhocker. Über ihnen hängen Plastikschafe. Man kann allerlei assoziieren: Ist das eine Herde von Klonen - dumm wie Schafe? Alles wirkt so unecht. Soll es nerven? Soll es monoton sein? Keinerlei Abwechslung geben? Ist das eine Warnung vor einer Zukunft ohne jede Lebendigkeit?

Man kann sich viel zusammenreimen aus den Zutaten des Stücks. Aber wirklich packen oder hineinziehen in diese neue, schreckliche Welt kann einen der zweite Teil des Tanzabends nicht.

Weitere Informationen
Ulrich Mokrusch, zukünftiger Intendant am Theater Osnabrück © Theater Osnabrück/Uwe Lewandoswki Foto: Uwe Lewandowski

Ulrich Mokrusch übernimmt am Theater Osnabrück

Seit 2010 leitet Ulrich Mokrusch mit großem Erfolg das Stadttheater Bremerhaven. 2021 wechselt der Regisseur nach Osnabrück. Dort ist er als Theatermacher und Geschäftsführer gefordert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 12.10.2020 | 06:20 Uhr