Stand: 07.02.2019 16:49 Uhr

Tanz im Theater Osnabrück zum Bauhaus-Jubiläum

von Birgit Schütte
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Der Tanzabend "Bauhaus/Bolero" wurde anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Bauhausgründung entwickelt.

Geometrische Gestaltungen für Häuser, Einrichtungen, Gemälde oder Fotos: Am Bauhaus wurde nach neuen Formen gesucht. Auch die Tanzbühne gehörte zum Experimentierfeld. Auch dort wurde mit Farben, Formen und Linien experimentiert. Zum 100-jährigen Jubiläum der Bauhausgründung hat das Tanztheater Osnabrück nun einen dreiteiligen Tanzabend entwickelt. Am kommenden Sonnabend ist Premiere. "Bauhaus/Bolero" lautet der Titel. Ein Besuch bei den Proben.

Rhythmus, Gesetze der Bewegung, geometrische Linien im Raum: "Bauhaus-Künstler wie Oskar Schlemmer oder Tanztheoretiker wie Rudolf von Laban suchten nach neuen Formen im Tanz", erklärt die Tanzdramaturgin Patrizia Stöckemann. Die Pionierin des modernen Tanzes, Mary Wigman, tauschte sich regelmäßig mit Schlemmer und von Laban aus. Sie ließ sich vom Bauhaus inspirieren und entwickelte 1921 eine Choreografie dazu.

Mary Wigmans Choreografie wirkt magisch und archaisch

Aus einem dunklen Raum erscheinen langsam im Licht die Tänzer. Sie stehen in einer Diagonale. Die Musik machen sie selbst. Alle haben Trommeln in den Händen. Ihre langen braunen schwingenden Gewänder erinnern an Sufi-Tänzer. Dann verknotet sich die Menschenschlange in Drehungen, und löst sich wieder auf, wie durch Zauberhand. Die Choreografie von Mary Wigman wirkt magisch und archaisch. Sie wurde nach nur wenigen Quellen wie Fotos, Skizzen aus den Proben und Fragmenten der Musik rekonstruiert. Ein beeindruckender erster Teil, des dreiteiligen Tanzabends.

Edvard Clug bringt modernen Tanz in Bauhausprinzipien

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Gastchoreograf Edvard Clug hat die Choreografie "Handman" entwickelt.

Nach kurzer Umbaupause ist die Bühne wieder leer. Sie bekommt nun auf neue Weise vom Licht einen Rhythmus: Reflexionen wie von Wasser erscheinen auf der hinteren Bühnenwand. Die Tänzer bewegen sich wie Insekten mit zappeligen Beinen und zitternd vibrierenden Armen, dann liegen sie auf dem Boden mit erhobenen Händen und Beinen wie Fallschirmspringer im Gleitflug oder sie staksen abgehackt wie Roboter umher. Der Gastchoreograf Edvard Clug vom slowenischen Nationaltheater in Maribor hat die Choreografie "Handman" entwickelt.

Er verbinde darin die Bauhausprinzipien mit dem modernen Tanz heute, sagt Patricia Stöckemann. "Es gibt sehr klare Formgebunden und es liegt ein starker Fokus auf dem Detail, auf der Klarheit der Bewegung. Es gibt nichts drumherum, sondern nur die pure Bewegung." Dahinter verberge sich keinerlei Bedeutung oder der Ausdruck von Gefühlen, sondern nichts als Technik und Physik.

Choreografie zu Ravels "Bolero" bildet den Schluss

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Zu Ravels "Bolero" tragen die Tänzer in der Choregrafie von Mauro de Candia graue Ganzkörperanzüge.

Für den Schluss des Tanzabends hat der Osnabrücker Tanzchef Mauro de Candia einen Teil aus Ravels "Bolero", der 1928 entstanden ist, choreografiert. "Geometrie, Richtungen sind die Basis für einen Tänzer oder den Tanz", sagt er. "Diese Symmetrie oder diese Schlichtheit das passt natürlich wunderbar in diesen Abend und das war der Anfangspunkt um meine Fassung zu entwickeln."

In seiner Choreografie bilden die Tänzer in grauen Ganzkörperanzügen einen Gruppe Lemminge, die in einem von Leuchtstreifen abgegrenzten viereckigen Feld immer wieder neue Schwärme bilden. Beinahe wie Klone in einer grauen abgezirkelten Zukunftwelt.  

Die drei Teile bilden ein großes Ganzes

Der dreiteilige Abend verspricht eindrucksvoll zu werden: Die Tänzer sind perfekt und die Spanne von den archaisch anmutenden mystisch beseelten Tanz der Mary Wigman, über die mechanischen Körper von Edvard Clug bis zu den seelenlosen Klonen, die sich wie ferngesteuert bewegen, bildet ein großes Ganzes, das einem viel zu denken gibt und über Formexperimente weit hinaus geht. 

Tanz im Theater Osnabrück zum Bauhaus-Jubiläum

Zum 100-jährigen Jubiläum der Bauhausgründung hat das Theater Osnabrück einen dreiteiligen Tanzabend entwickelt. "Bauhaus/Bolero" hat am Sonnabend Premiere. Ein Besuch bei den Proben.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Theater am Domhof
Domhof 10/11
49074  Osnabrück
Telefon:
0541 760000 (Zentrale)
E-Mail:
info@theater-osnabrueck.de
Preis:
26 - 54 Euro
Kartenverkauf:
Karten erhalten Sie an der Theaterkasse:
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag von 10.30 bis 18.30 Uhr
Samstag von 10.30 bis 14 Uhr

Kartenreservierung unter: karten@theater-osnabrueck.de
Online unter: www.theater-osnabrueck.de
Kartentelefon: 0541 7600076
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NDR Kultur | Matinee | 07.02.2019 | 11:20 Uhr

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