Stand: 11.09.2020 10:08 Uhr

Tag des offenen Denkmals lädt zum Blick in die Geschichte

von Ole Wackermann

Einmal hinter sonst verschlossene Türen schauen. Darum geht es beim Tag des Offenen Denkmals. Seit Jahren ist das ein wachsendes Event, in das die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Veranstalter in allen Bundesländern viel Herzblut stecken. Am 13. September ist es wieder soweit.

Diskothek und Restaurant in der ehemaligen KDF-Anlage in Prora auf Rügen © NDR Foto: Jochen Lambernd
Diskothek und Restaurant in der ehemaligen KDF-Anlage in Prora auf Rügen

Es ist wie jedes Jahr und doch anders: Der Tag des Offenen Denkmals beginnt mit einem Konzert in einem noch nicht sanierten Denkmal. Zuhörer dürfen auf dem Hofgestüt Bleesern in Wittenberg allerdings nicht dabei sein. Corona macht alles schwieriger, aber die Begeisterung ist bei den Machern ungebrochen.

In sonst verschlossene Räume schauen, das geht auch ganz real, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern im Seebad Prora. Die riesige Ferien-Anlage wurde während der Zeit des Nationalsozialismus errichtet und liegt da wie ein Betonwall am Meer. Besucher können dort am Sonntag den Theatersaal und die Empfangshalle besichtigen. Eine wohl einmalige Gelegenheit, sagt Katja Lucke vom Dokumentationszentrum Prora: "Für uns ist es doch ganz schön, das trotz des eigentlich digital ausgerichteten Tags des Denkmals zeigen zu können. Denn die Sanierung steht an. Das wird in absehbarer Zeit nicht mehr zugänglich sein und deshalb wollen wir es in die Öffentlichkeit bringen."

VIDEO: Ruine mit Meerblick - Prora (59 Min)

Denn noch bietet die Anlage Einblicke in die Geschichte des Nationalsozialismus, wie es sie wohl nirgendwo sonst gibt: "Diese Anlage ist eine der größten architektonischen NS-Hinterlassenschaften und ein klares Propagandainstrument. Und das ist eben heute noch spürbar. Man kann es greifbar machen, wie die NS-Ideologie im Alltag funktioniert hat und funktionieren sollte."

Hamburg lockt mit dem Hafen

In Hamburg gehören das Hafenmuseum und die gerade nach Hause zurückgekehrte Viermastbark Peking zu den Highlights. Das Schiff ist zwar nur von außen zu sehen, aber das Hafenmuseum erwartet einen so großen Andrang, dass es lieber auf andere Denkmäler hinweist - zum Beispiel zwei historische Hafenkräne, die am anderen Elbufer in Altona besichtigt werden können.

Eingeschränkte Möglichkeiten - aber nicht im Netz

Am Strand von Cuxhaven steht die Kugelbake. © NDR
Am Strand von Cuxhaven steht die Kugelbake.

In Cuxhaven steht ein Seezeichen, die Kugelbake im Mittelpunkt, erzählt Jana Kipsieke von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz: "Das ist das Wahrzeichen der Stadt und diente früher als Orientierungspunkt für Seefahrer und ist heute ein beliebtes Fotomotiv." Ein Beitrag zur Kugelbake ist Teil des digitalen Tags des Denkmals auf der Seite der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Fragt man die Referentin nach Angeboten, bei denen Besucher zugelassen sind, wird es schwierig. Denn für alles, was nicht digital stattfindet, möchte die Denkmalstiftung wegen Corona keine Verantwortung übernehmen, überlässt die Organisation und Koordination komplett den Veranstaltern vor Ort.

Hinweise auf solche Angebote sucht man auf der zentralen Internetseite zum Tag des Offenen Denkmals deshalb vergeblich. Stattdessen verweist Jana Kipsieker lieber auf die digitalen Möglichkeiten. Das biete ja schließlich auch Vorteile, meint sie: "Am 13. September werden wir über 1.000 Beiträge veröffentlichen. Das gab es in der ganzen Geschichte des Tags des Offenen Denkmals noch nicht, dass man sich Denkmale vom Sofa aus anschauen kann."

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 11.09.2020 | 07:20 Uhr