Schloss und Gutsanlage Broock bei Alt Tellin in Mecklenburg-Vorpommern © Schloss Broock GmbH & Co. KG

Norddeutsche Denkmäler laden zum Entdecken ein

Stand: 12.09.2021 20:28 Uhr

Nachdem der "Tag des offenen Denkmals" im vergangenen Jahr fast ausschließlich digital stattfand, gab es am Sonntag auch vor Ort wieder Veranstaltungen und Führungen.

In diesem Jahr stand der Tag unter dem Motto "Sein & Schein - in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege". Fast 4.000 historische Bauwerke und Veranstaltungen ließen sich bundesweit entdecken. Auch im Norden öffneten am 11. und 12. September zahlreiche Denkmäler ihre Pforten für Besucherinnen und Besucher - kostenfrei. Wegen der Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie baten die meisten Veranstalter um eine vorherige Anmeldung. Ein paar ausgewählte Highlights aus dem Programm:

Niedersachsen: Alte Höfe und Industriestätten

In Niedersachsen laden Bauernhöfe, ehemalige Fabriken, Kirchen und Schlösser zu Rundgängen und Vorträgen ein. Dabei lassen sich Denkmäler entdecken, die man im Alltag oft gar nicht wahrnimmt oder die nicht öffentlich zugänglich sind. Unter dem Titel "Von Aufschieblingen und Feierabendziegeln" lädt das Gasthaus "Deutscher Kaiser" in Herzberg am Harz auf eine Reise durch fast 400 Jahre Handwerk ein. Der Fachwerkbau wurde im 17. Jahrhundert errichtet. Bei einem Rundgang werden die Bauphasen des Haupt- und des Nebengebäudes beleuchtet. Alte Bautechniken und Materialien wie Hochbrandgips und Lehm und der moderne Umgang mit dem Denkmal werden dabei greifbar gemacht.

Erdschicht in der Tongrube Willershausen © Fossillagerstätte-Natürliches Geotop-Naturdenkmal
In der Tongrube Willershausen bei Northeim lassen sich drei Millionen Jahre alte Fossilien von Tieren und Pflanzen entdecken.

Noch etwas weiter zurück kann man in der Tongrube Willershausen bei Northeim blicken. Fossilien von über 350 Tier- und Pflanzenarten erlauben faszinierende Einblicke in die Zeit vor circa drei Millionen Jahren. Die Fossilien sind zum Teil in einzigartiger Qualität erhalten. Mehrere Führungen finden am Wochenende durch die sonst verschlossene Tongrube statt.

Familien und Kinder am Tag des offenen Denkmals in Niedersachsen

Insgesamt sind in Niedersachsen mehr als 270 Veranstaltungen geplant.

Schleswig-Holstein: Historische Bauwerke im Mittelpunkt

Die Howaldtsche Metallgießerei ist das älteste erhaltene Gebäude der Kieler Werftgeschichte. In der Metallgießerei wurden von 1884 bis 1980 Ausstattungsteile aus Bronze, Messing, Kupfer und Blei für die Schiffe der Howaldtswerke gegossen. Die Werkhalle des historischen Gebäudes mit den Gussöfen, Werkbänken und Werkzeugen ist original erhalten. Mit Bogenfenstern und Backsteinmustern erscheint sie für ein Industriegebäude ungewöhnlich schön. Mehrere Führungen geben Einblicke in die Ideen des Architekten Heinrich Moldenschardt und die Funktion und Nutzung des Gebäudes.

Das Buddenbrookhaus in Lübeck ist Handlungsort von Thomas Manns Roman "Buddenbrooks" und Stammsitz der Familie Mann. Derzeit wird es umfassend erneuert und wohl erst 2023 wieder eröffnet. Die aufwendig verzierte Fassade aus dem Jahr 1758 lohnt aber dennoch einen Besuch. In zwei Führungen werden die Geschichten rund um die zahlreichen Elemente der Fassade erläutert.

Familien und Kinder am Tag des offenen Denkmals in SH

Insgesamt sind in Schleswig-Holstein mehr als 110 Veranstaltungen geplant.

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Vier Männer des „Förderverein Feuertechnisches Denkmal Dollerup e. V." tragen eine historische Tragkraftspritze vom Anhänger. © NDR

Tag des offenen Denkmals in Schleswig-Holstein

Mehr als 80 historische Bauwerke haben am Sonntag ihre Türen für Besucher geöffnet. Der Eintritt war kostenlos. mehr

Mecklenburg-Vorpommern: Schlösser öffnen ihre Tore

Mit rund 130 Angeboten locken Gutsanlagen, Museen, Schlösser, Gärten, Klöster und Kunstsammlungen in Mecklenburg-Vorpommern zum Tag des offenen Denkmals. Zu besichtigen ist unter anderem das Gut Broock in Alt Tellin. Das spätbarocke Herrenhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert und hat einen fast vollständig erhaltenen Wirtschaftshof sowie Marstall und Reithalle. Bemerkenswert ist auch der ursprünglich im französischen Stil angelegte Park, der nach Plänen von Peter Joseph Lenné in einen englischen Landschaftsgarten umgewandelt wurde. Nach jahrzehntelangem Leerstand soll aus Broock nun ein überregionales Kultur- und Tagungszentrum werden. Auf dem Gut gibt es neben Führungen verschiedene Ausstellungen sowie ein Café.

Luftbild eines Klosters von Manfred Sander aus Einhusen © NDR Foto: Manfred Sander aus Einhusen
Die Klosteranlage Rühn finden am 12. September stündlich Führungen statt. In der "Winterkirche" zeigt der Klosterverein eine Ausstellung über die Geschichte des Klosters.

In der Adventszeit findet hier ein beliebter Weihnachtsmarkt statt. Nun öffnet der Klosterverein das Gelände des Klosters Rühn, um über den Stand der Sanierung und Wiederbelebung zu informieren. Eine Ausstellung in der sogenannten "Winterkirche" der Nonnen lädt zum Schauen ein. Kennen Sie schon die Sage von der "Weissen Nonne"? Die mehr als 300-jährigen Linde lädt unter ihrem Blätterdach zum Verweilen ein.

Familien und Kinder am Tag des offenen Denkmals in MV

Insgesamt sind in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 130 Veranstaltungen geplant.

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Die Orangerie als Teil des Schlossgartens in Neustrelitz. Er ist nach umfangreicher Sanierung fast fertig. © picture alliance/dpa Foto: Bernd Wüstneck

Tag des offenen Denkmals in MV: 136 historische Bauten zugänglich

Viele Einrichtungen sind normalerweise gar nicht oder nur begrenzt betretbar. Am Sonntag öffnen sie ihre Türen. mehr

Hamburg: Schiffe, Kräne und Architektur

Unter dem Motto "100 Jahre Denkmalschutzgesetz für Hamburg" können Industriedenkmäler, Schiffe, Wohngebiete oder Bunker vor Ort mit Führungen entdeckt oder digital erkundet werden. Zu diesen erhaltenswerten Denkmälern gehört die Fritz-Schumacher-Siedlung im Stadtteil Langenhorn. Dies war der erste städtische Wohnungsbau in Hamburg. Die von der Gartenstadtbewegung beeinflusste Kleinhaussiedlung entstand in den Jahren 1919 bis 1921 nach Plänen des Architekten und Stadtplaners Fritz Schumacher. Hier fanden Kriegsheimkehrer und Familien günstigen Wohnraum mit der Möglichkeit zur Selbstversorgung. Führungen gibt es jeweils am Samstag und Sonntag.

Die Rollwippdrehkrane begründeten Ende der 1930er-Jahre den Ruf Hamburgs als "schneller Hafen". 1938 waren über 1.000 dieser Rollwippdrehkrane im staatlichen Kaibetrieb. Ihr Vorteil: Mehrere Kräne konnten direkt nebeneinander arbeiten und parallel ein Schiff be- oder entladen. Außerdem konnten die Güter direkt am Portal abgesetzt werden. Die Führung zeigt Rollwippdrehgkrane der Firma Kampnagel von 1939. Sie gehören zu den letzten Exemplaren dieser Ära und sollen 2021 mit Spenden- und Bezirksgeldern restauriert werden. Führungen finden am Samstag und Sonntag nach Bedarf statt.

Familien und Kinder beim Tag des offenen Denkmals in Hamburg

Insgesamt sind in Hamburg mehr als 230 Veranstaltungen geplant.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz organisiert Tag des offenen Denkmals

Seit 1993 ermöglicht es der "Tag des offenen Denkmals", der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert wird, historische Bauten, archäologische Stätten und Parks intensiver kennenzulernen. Viele der teilnehmenden Denkmäler sind für gewöhnlich nicht zugänglich. In diesem Jahr findet die Eröffnung des bundesweiten Festtags in der Lutherstadt Wittenberg statt. Mit dem Motto "Sein & Schein - in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege" möchte die Stiftung Denkmalschutz Mythen und Legenden sowie Handwerkskünste in den Fokus rücken, die das menschliche Auge hinters Licht führen - ob illusionistische Malerei des Barock, Nachahmungen der Natur, Materialimitate oder die Wiedererrichtung von Bauwerken, die aus früheren Zeiten zu stammen scheinen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Echo am Morgen | 12.09.2021 | 14:20 Uhr