Presseausweise liegen übereinander © IMAGO / Future Image

Mehr als nur ein Tag der Pressefreiheit

Stand: 03.05.2021 10:08 Uhr

Die Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht, doch vielerorts gerät sie in Gefahr. Deswegen ruft der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nach dem Tag der Pressefreiheit gleich eine ganze "Woche der Meinungsfreiheit" aus.

von Agnes Bührig

Kritik an der Corona-Politik mit Mitteln der Ironie - die Aktion #allesdichtmachen von Schauspieler*innen ist von der Meinungsfreiheit geschützt. Ulrike Ackermann, die sich in ihrem jüngsten Buch mit der zunehmenden Polarisierung aus dem rechten wie linken politischen Spektrum beschäftigt, hält sie für mutig und zum Teil auch schwarz-humorig.

Der breite, kritische Diskurs über die Pandemie habe ihr in den letzten Monaten gefehlt, sagt die Politikwissenschaftlerin in der Sendereihe NDR Kultur kontrovers, aber: "Was mich besonders schockiert hat, war der unglaubliche Shitstorm, der herein gebrochen war nach dieser Aktion. Und dass dann sogar einige der Schauspieler ihren Clip zurückgezogen haben, das hat mich richtig schockiert und das wirft natürlich ein ziemlich erschreckendes Bild auf das Klima der Meinungsfreiheit hier in unserem Land."

Tag der Pressefreiheit: Für die Meinungsvielfalt engagieren

Und das nicht nur in Deutschland, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis. In China, Russland oder der Türkei würden Menschen verfolgt, inhaftiert, verschleppt, ermordet - nur weil sie ihre Meinung sagten. Skipis fordert: wenn wir die Meinungsfreiheit nicht verlieren wollen, müssen wir uns für sie engagieren. "Hass, Drohung, Hetze schüchtern Menschen ein. Und Einschüchterung führt letztendlich zum Schweigen. Und das ist gerade in einer Demokratie tödlich, weil Schweigen nicht das ist, was das Bild der Demokratie ist. Wir brauchen Meinungsvielfalt, wir brauchen Meinungsbildungsprozesse, in denen dann wirklich das Volk, also eine Demokratie tatsächlich herrscht und zur Geltung kommt."

Bedeutung von Meinungsfreiheit

Mit Online-Diskussionen, Lesungen und Symposien bis zum 10. Mai soll die Meinungsfreiheit gestärkt werden. Dafür haben sich 30 Verbände, Vereine, Einrichtungen und Unternehmen zusammen getan, unter ihnen Institutionen wie Amnesty International, das PEN-Zentrum und das Interkulturelle Zentrum Heidelberg.

Für dessen Leiterin, die Schriftstellerin Jagoda Marinić, ist es wichtig, sich ins Gedächtnis zu rufen, was Meinungsfreiheit bedeutet: "Ist Meinungsfreiheit jetzt so ein trojanisches Pferd, wo ich meinen ganzen Menschenhass rein packe und dann die Demokratie von innen zersetze oder ist Meinungsfreiheit eigentlich der demokratische Diskurs auf der Basis von Spielregeln, die wir eigentlich hatten. Nämlich, dass Fakten zählen, dass Argumente überprüfbar sind, dass sie stehen gelassen werden, dass es nicht immer ein Entweder-Oder gibt, sondern dass ein Pluralismus steht. Aber das alles kann man nur durchführen, wenn man die Würde der Menschen achtet."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 03.05.2021 | 07:20 Uhr