Der Kieler Forschungstaucher Florian Huber erklärt etwas vor dem archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein. © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken

Florian Huber - im Einsatz für Meeresschutz und Forschung

Stand: 08.06.2021 09:58 Uhr

Seit 2009 ist der 8. Juni der Welttag der Ozeane, ausgerufen von den Vereinten Nationen. Einer, der viel über den Zustand der Meere weiß, ist der Kieler Unterwasserarchäologe Florian Huber.

Florian Huber sitzt vor einem Strand in Helgoland. © Screenshot
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von Katja Weise

Es ist nicht leicht, sich mit Florian Huber zu verabreden: Die Tauchsaison ist in vollem Gange und er fast immer "unter Wasser". Gerade hat er mit seinem Team vor Fehmarn im Auftrag des WWF tagelang Geisternetze aus dem Meer gezogen, drei Kilometer innerhalb von zehn Tagen. Die Hände tun noch weh, so viel hatte sich gefangen in den herrenlos auf dem Grund treibenden Netzen: "Unabhängig davon, dass es natürlich Plastik ist und Plastik viele hundert Jahre braucht, bis es verrottet, können sich darin Lebewesen verheddern. Diese toten Lebewesen ziehen dann wieder neue Lebewesen an, die sich an dem Kadaver sattfressen wollen, und so ist das ein ewiger Kreislauf."

Seegraswiesen als Anzuchtstube für Jungfische

Fisch isst Huber schon länger nicht mehr, er hat zu viele tote Tiere gesehen in den letzten Jahren. Um für die lebenden bessere Bedingungen zu schaffen, pflanzt er in der Ostsee Seegraswiesen. Das Seegras sei so etwas wie die Aufzuchtstube für Jungfische, sagt er. "Es schützt die Küste vor weiterer Erosion, es produziert Sauerstoff, es absorbiert CO2. Es ist extrem wichtig. Es gibt jetzt ein Pilotprojekt vom Geomar Helmholtz-Zentrum in Kiel. Wir sind als Forschungstaucher beauftragt, die Feldarbeiten unter Wasser durchzuführen."

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Und so werden unter Wasser tatsächlich Felder abgesteckt. Mit dem Finger bohren die Forscher zehn Zentimeter tiefe Löcher in den Sand, in die sie die kleinen Setzlinge stecken. Eine ungewohnte Aufgabe, doch nach getaner Arbeit legt sich Huber auch gerne mal in eine Seegraswiese und schaut, wer sich dort gerade tummelt.

Florian Huber taucht nach Schiffwracks in Nord- und Ostsee

Bekannt ist der Unterwasserarchäologe vor allem als Experte für Schiffswracks in Nord- und Ostsee. Rund drei Millionen gibt es davon schätzungsweise weltweit. "Wenn ich da runter komme, dann habe ich sofort tausend Fragen im Kopf. Ich will natürlich wissen, was es geladen hat, wo es herkommt, warum es so geendet ist. Diese Geschichten mit nach oben zu bringen, ist spannend, denn nicht jeder kann da runter tauchen. Und Schiffe sind einfach was ganz Besonderes."

Öl und Giftstoffe der Wracks sind eine Bedrohung fürs Meer

Der Fund liegt auf einer blauen Decke.  Foto: Lukas Knauer
In der Geltinger Bucht fanden Huber und sein Team im Herbst diese "Enigma"-Chiffriermaschine. Sie diente im Zweiten Weltkrieg zur Verschlüsselung von Funksprüchen.

Teilweise sind sie allerdings auch tickende Zeitbomben. In den Tanks ist oft noch Öl und nicht nur das. "Die Tanks und die Schiffe rosten so etwa 0,1 Millimeter pro Jahr. Man kann sich ausrechnen, wie dick diese Bordwände waren", erklärt Huber. "Irgendwann werden die unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen, und dann wird nicht nur Öl in die Umwelt fließen, sondern unter Umständen auch extreme Giftstoffe von Bomben oder von Waffen, die mit allerlei Gift gefüllt sind."

Neues "Was ist Was"-Buch über Ozeane

Zwischen 1,3 und 1.6 Millionen Tonnen Munitionsreste lagern allein auf dem Grund von Nord- und Ostsee. Trotzdem will Huber nicht nur warnen, sondern vor allem für die Ozeane begeistern. Zusammen mit einem befreundeten Kollegen hat er gerade in der "Was ist Was"-Reihe ein Buch über Ozeane herausgebracht: "Die Kiddies, die jetzt groß werden, müssen früh genug wissen, dass es da Probleme gibt, mit denen sie auch in einigen Jahren konfrontiert werden. Aber man darf eben auch nicht immer nur den Zeigefinger heben und sagen, es ist alles schlecht. Man muss auch das Gute hervorheben."

Am 14. Juni ist Florian Huber um 13 Uhr zu Gast bei NDR Kultur à la carte. In dem Gespräch wird es auch um die "Enigma", die berühmte Chiffriermaschine, die er im vergangenen Herbst aus der Geltinger Buch geborgen hat, gehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 08.06.2021 | 07:40 Uhr