Stand: 05.09.2019 09:51 Uhr  - NDR Kultur

Literaturfest startet mit Raoul Schrott

Zum 14. Mal wird das Literaturfest Niedersachsen veranstaltet. Über zwei Wochen lang dreht sich mit Autorinnen und Autoren an unterschiedlichen Orten alles um den "Mut" - denn so lautet das diesjährige Motto. Die Intendantin Susanne Mamzed gibt einen Vorgeschmack auf das anstehende Programm.

Das Thema "Mut" lädt zum Philosophieren ein. Was verbinden Sie persönlich mit Mut?

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Intendantin Susanne Mamzed reist für das Literaturfest kreuz und quer durch Niedersachsen.

Susanne Mamzed: Mut taucht überall ein bisschen auf. Ich habe mich im letzten Jahr viel damit beschäftigt und habe überlegt, wann ich mutig war. Im Moment bin ich zum Beispiel am Ermutigen meiner Kinder. Mut ist, wenn man gegen den Strom schwimmt, wenn man sich gegen Konventionen wendet, etwas anders macht, als es die Norm ist. Mut zeigt sich auch in anderen Facetten: Dass man zum Beispiel für Abenteuer Mut braucht. Da geht es auch darum, über die Grenzen hinüberzugehen.

Das macht vielleicht der Schriftsteller Raoul Schrott: Am Donnerstagabend wird das Literaturfest in Hannover eröffnen. Sein Buch hat den schönen poetischen Titel: "Eine Geschichte des Windes oder von dem deutschen Kanonier, der erstmals die Welt umrundete und dann ein zweites und ein drittes Mal". Wie passt das Buch von Raoul Schrott zu Ihrem Motto?

Buchtipp

"Eine Geschichte des Windes": Roman von Raoul Schrott

"Eine Geschichte des Windes" von Raoul Schrott erzählt von Hannes, der unter anderem mit Magellan die Welt umsegelt. Ein glänzender Roman - vor allem an den verborgenen Rändern. mehr

Mamzed: In Raoul Schrotts Buch geht es um die Magellansche Weltumseglung, die vor 500 Jahren gestartet ist. Wenn das mal kein Mut ist! Magellan dachte noch, die Welt sei eine Scheibe - und da einfach weiterzusegeln und sich das zu trauen, das finde ich großartig. Das ist das Sinnbild des Mutes, und daher finde ich, dass dieses Buch wunderbar in das Festival hineinpasst.

Auch Feridun Zaimoglu wird dabei sein, mit seinem Buch "Die Geschichte der Frau". Und Karen Duve wird aus "Fräulein Nettes kurzer Sommer" lesen. Da zeigt sich schon: Ihnen geht es auch um mutige Frauen. Auf wen und was dürfen wir uns noch einstellen?

Ferdinand Magellan © picture alliance / Mary Evans Picture Library

Die Zeitzeichen über Magellans Weltumsegelung

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Am 10. August 1519 bricht die Flotte von Fernando Magellan zur Weltumsegelung auf. Obwohl die Mission in einer Katastrophe endete, gilt sie heute als bahnbrechend.

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Mamzed: Zu unserem Programm gehören auch Textcollagen. Wir lassen Abende speziell für das Festival gestalten. Da wird es einen Abend mit der Überschrift "Stimmen des Widerstandes" geben, wo es um Protestbewegungen geht, wo man mutig aufgestanden ist, um sich gegen etwas zu wenden oder für etwas zu kämpfen. Wir sind in Aurich und im Wendland zu Gast, der "Protestregion" von Niedersachsen. Genauso in Konau, an der Grenze Niedersachsens, was auch die deutsch-deutsche Grenze gewesen ist. Da geht es um die Oppositionellen der DDR, und wir zeigen, wie Literaten zu DDR-Zeiten gearbeitet haben. Wir stellen Texte vor, die im Untergrund geschrieben wurden und die nicht veröffentlicht werden konnten. Wir werden auch im Weserstadion Bremen sein, wo darüber diskutiert werden soll, dass man im Einzelnen etwas tun und mutig sein kann.

Ist das diesjährige Literaturfest politischer, als sonst?

Mamzed: Vielleicht ein bisschen. Das hat sich irgendwie durch das Programm ergeben, weil man beim Mut politisch sein kann. Es sind auch Titel auf dem Markt, die gut ins Programm passen. Da sollte man aktuell sein.

Das klingt nach vielfältigen Möglichkeiten, sich mit Mut zu beschäftigen. Schwebt Ihnen auch vor, dass durch die Auseinandersetzung nicht nur der Begriff abgeklärt und präzisiert wird, sondern, dass auch Neues entstehen kann, neue Grenzen von Mut ausgelotet werden?

Mamzed: Ich finde es gut, wenn man durch ein Programm den Blick weitet und man dadurch auch die Leute ermutigen kann, mutiger zu sein und nicht immer alles hinzunehmen. Es wäre schön, wenn ein Literaturfest es schafft, den Blick ein bisschen zu weiten und sich da ein bisschen freier zu machen.

Das Interview führte Claudia Christophersen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 04.09.2019 | 19:00 Uhr

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