Stand: 16.01.2020 15:56 Uhr  - NDR Kultur

Können die USA auf eine Präsidentin hoffen?

Seit 2017 wird in Washington jedes Jahr der "Women's March" veranstaltet. Auch in diesem Jahr werden wieder tausende Frauen auf die Straße gehen, um ein Zeichen gegen Machtmissbrauch, für die Rechte der Frauen und für soziale Gerechtigkeit zu setzen. Susan Winnett, Professorin für American Studies an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, hat sich mit der Protestbewegung und den Folgeentwicklungen beschäftigt.

Frau Winnett, am Sonnabend werden in Washington die Frauen wieder auf die Straßen gehen. Überschrieben ist der Protest in diesem Jahr mit "Women Rising" - was verbirgt sich dahinter?

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Bereits zum vierten Mal wird in Washington der "Women's March" veranstaltet.

Susan Winnett: "Women Rising" ist eine Anspielung auf die vielen Frauen, die seit der Amtseinführung von Donald Trump politisch aktiv und politisch selbstbewusst geworden sind. Die Frauen waren immer da, und es geht jetzt darum, ihre Präsenz und ihre Anliegen deutlich zu machen und irgendwie durchzusetzen.

Am 3. November stehen in den USA wieder Präsidentschaftswahlen an. Das wichtigste Anliegen, so heißt es von den "Women's March"-Veranstalterinnen, sei es, Frauen zu mobilisieren. Sie sollen wählen gehen und sich für politische Ämter bewerben. Ist der "Women's March" damit ein politischer Protest?

Winnett: Auf jeden Fall. Erstens sind Frauenrechte und Frauenangelegenheiten immer politisch. Ein Problem in der Geschichte der Frauenrechte ist es immer gewesen, dass man Frauensachen als persönliche Sachen, als Fragen des individuellen Lebens betrachtet hat. Und mit dem Spruch "The personal is the political", das Persönliche ist das Politische", hat man seit Jahrzehnten versucht, deutlich zu machen, dass Frauenangelegenheiten höchst politisch sind. In diesem Sinne sind diese Proteste eindeutig politisch und zielen unter anderem darauf hin, den amtierenden Präsidenten aus dem Amt zu jagen.

In dieser Woche hat die letzte Fernsehdebatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber in den USA vor Beginn der Vorwahlen stattgefunden. Bernie Sanders und Elizabeth Warren haben sich einen ziemlichen Schlagabtausch geleistet. Dabei ging es um die Frage: Kann eine Frau Donald Trump schlagen? Wie ist da Ihre Meinung - kann sie?

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Wird die Senatorin Elizabeth Warren als demokratische Kandidatin gegen US-Präsident Donald Trump antreten?

Winnett: Die erste Frage ist: Kann irgendjemand Donald Trump schlagen? Die große Verzweiflung unter den vielen Menschen, die sich das sehnlichst wünschen, ist, dass es aus irgendwelchen Gründen nicht möglich sein wird - egal, wer der Kandidat oder die Kandidatin ist. Kann eine Frau ihn schlagen? Ich weiß es wirklich nicht. Ein Problem mit ihm ist, dass er so unberechenbar ist, dass man nie weiß, wie er den Gegner oder die Gegnerin darstellen und schlecht machen wird. Ich glaube, die Möglichkeit besteht durchaus. Wenn ihn irgendjemand schlagen kann, dann (kann es) eine der Frauen (sein), weil die anderen Kandidaten nicht besonders zwingend sind.

Im November 2018 hatte es die "Midterm Elections" gegeben. Womöglich haben sich die Proteste von 2017 und 2018 da schon ausgewirkt. Viel mehr Frauen sind 2018 in den Kongress gewählt worden. Offenbar ist auch ein größeres politisches Engagement zu verzeichnen. Was motiviert diese Frauen?

Winnett: Ich glaube, auf lokaler Ebene sind es die eigenen Belange: Selbstbestimmung, das Recht auf Abtreibung, Geburtskontrolle überhaupt. Viele Rechte, die Frauen sich in den letzten Jahrzehnten erworben haben, stehen jetzt auf dem Spiel. Die Frauen haben gemerkt, dass sie sich für diese Rechte persönlich einsetzen müssen, dass sie aktiv werden müssen in ihren Gemeinden, in den Bundesstaaten. Und dass sie die Chance haben, auch auf nationaler Ebene ihre Interessen politisch durchzusetzen. Die Anzahl von Frauen, die 2018 ins Repräsentantenhaus gekommen sind, hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass das Amtsenthebungsverfahren im Repräsentantenhaus gestartet ist.

Was schätzen Sie, wie viele Frauen werden am Sonnabend in Washington auf die Straßen gehen?

Winnett: Es wird erwartet, dass viele kommen. Ich habe gelesen, dass alle Busse, die die Bewegung zur Verfügung gestellt hat, ausverkauft sind. Es gibt Aktionen, die Frauen nach Washington zu transportieren. Es gibt Spendenaufrufe, damit Frauen, die sich das nicht leisten können, mit den Bussen fahren können. Andererseits gibt es heute die Mitteilung, dass das Wetter in Washington höchstwahrscheinlich sehr schlecht sein wird. Man sammelt jetzt Geld, um Ponchos, Decken, Regenschirme und zusätzliche Transportmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, falls das Wetter wirklich so schlecht sein sollte.

Das Gespräch führte Claudia Christophersen

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Eine Frau hält ein Plakat mit der Aufschrift "Dump Trump" © picture alliance/ZUMA Press Foto: Riccardo Savi

Können die USA auf eine Präsidentin hoffen?

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"Women Rising" - so lautet das diesjährige Motto der Protestveranstaltung "Women's March". "Wenn jemand Trump schlagen kann, dann eine Frau", sagt die Professorin für American Studies, Susan Winnett.

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NDR Kultur | Journal | 16.01.2020 | 19:00 Uhr

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