Stand: 20.04.2020 17:53 Uhr  - NDR Kultur

Studium in Corona-Zeiten: Digitales Semester startet

Corona forciert den Fortschritt: Wenn dieser Tage im Norden das Sommersemester losgeht, fahren die Studierenden vor allem erst einmal ihre Rechner hoch und lassen sich das Wissen virtuell vermitteln. Aber sind wir schon soweit? Kann das funktionieren? Konkrete Einblicke hat der Präsident der Leibniz Universität Hannover, Volker Epping.

Herr Epping, das digitale Semester im Blick: Vor welchen Herausforderungen stehen Sie als Präsident der Leibniz Universität gerade besonders?

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"Wir haben einen Digitalisierungsschub, der uns auch vor Probleme stellt", stellt Volker Epping fest.

Volker Epping: Ich muss zum einen sicherstellen, dass die digitale Lehre auch stattfinden kann - ich glaube, sie ist momentan alternativlos. Unsere Studierenden warten darauf, dass das Studium weitergeht. Daher müssen wir auf der einen Seite unsere Studierenden auf die digitale Lehre mit all ihren Hürden vorbereiten. Auf der anderen Seite müssen wir auch unsere Dozierenden vorbereiten, dass sie in der Lage sind, online die ensprechende Lehre durchzuführen. In einigen Bereichen ist das schon lange Praxis, aber in vielen noch nicht. Da sind die Kolleginnen und Kollegen im Moment sehr gefordert, sich in diese Möglichkeiten einzuarbeiten und die digitale Lehre so darzustellen, dass die Studierenden in diesem Sommersemester keinen Verlust erleben.

Darüberhinaus müssen wir schauen, dass die Hardware in der Lage ist, die digitalen Angebote auch zu fahren. Hier haben wir auch eine große Unterstützung vonseiten der Verwaltung und der Technik erfahren, die in den letzten Wochen mit voller Kraft dafür gesorgt haben, dass wir hoffentlich keinen Zusammenbruch der entsprechenden Infrastruktur erleben werden.

Haben die Dozentinnen und Dozenten schon Anfragen, Rückmeldungen oder Anregungen an Sie herangetragen?

Epping: Wir haben unsere Lehrenden vor vier Wochen informiert, dass wir in die digitale Lehre gehen und dass sie sich entsprechend vorbereiten sollen. Wir haben dann Unterstützungsangebote aufgegleist, haben Programme identifiziert, mit denen man synchrone und asynchrone Lehre machen kann. Darüberhinaus haben die Fakultäten ihre Kolleginnen und Kollegen entsprechend geschult. Alle haben angepackt nach dem Motto: Das schaffen wir. Das ist ein wunderbarer Geist, der durch die ganze Universität geht. Von daher war das Feedback "Es läuft nicht" oder Ähnliches gar nicht zu hören. Man hat höchstens darüber diskutiert, ob dieses oder jenes Programm besser wäre - aber da hatten wir auch den Datenschutz im Hintergrund, und von daher gab es bezüglich einiger Programme Restriktionen.

Sind denn die rechtlichen Rahmenbedingungen für Online-Unterricht gegeben, oder müsste da nachjustiert werden?

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Epping: Die Datenschutzgrundverordnung ist sehr eng gesrickt und die Herausforderungen sind schon groß. Unser Datenschützer hat uns die Möglichkeiten offeriert, wie wir Datenschutz sicherstellen und gleichzeitig die Online-Lehre gut darstellen können.

Dessen ungeachtet stehen wir gerade vor einer Novelle des Niedersächsischen Hochschulgesetzes, und da versuchen wir aus den Erfordernissen, die sich uns jetzt auftun, Lehren zu ziehen, um sie möglicherweise in die nächste Novelle zu implemetieren.

Wie gravierend ist das Problem der unterschiedlichen Voraussetzungen? Das gilt für Studierende, aber auch für Lehrende. Sie brauchen alle leistungsstarke Rechner, bestimmte Programme, Software und so weiter. Wie kann da die Universität helfen, beziehungsweise wie groß zeigt sich da, ist diese Schere?

Epping: Auf der einen Seite haben wir Kolleginnen und Kollegen, die bisher am Desktop gearbeitet haben, aber oftmals über keine Kamera verfügten. Aber diese konnte man sich in den letzten vier Wochen beschaffen. Die Programme haben wir angeschafft und haben die Hardware aufgerüstet.

Auf der Seite der Studierenden kann man davon ausgehen, dass die Mehrzahl über entsprechende Laptops verfügt. Wir haben darüberhinaus Laptops, die wir verleihen, um auch diejenigen, die über die Ressourcen nicht verfügen, arbeitsfähig zu machen. Aber der Knackpunkt ist an der Ecke, wo es um die Leistungsfähigkeit beziehungsweise um die Internetverbindung geht. Wenn keine Internetverbindung da sein sollte, dann hat man schon eine Schwierigkeit, an onlinebasierten Lehren teilzunehmen.

Wie wird diese erzwungene Umstellung auf digitalen Unterricht die Universitäten langfristig verändern?

Epping: Wir haben einen Digitalisierungsschub, der uns auch vor Probleme stellt. Wir merken, dass wir im Digitalisierungsbereich, gerade in der Lehre, enormen Ressourcenbedarf haben. Da hoffen wir, dass das Land Notprogramme aufzieht, um uns zu unterstützen.

Das niedersächsische Wissenschaftsministerium unterstützt den digitalen Semesterstart mit Fördermitteln von insgesamt 1,25 Millionen Euro. Reicht dieses Geld nicht? Beziehungsweise wofür wird das eingesetzt?

Epping: Dieses Programm ist ein interessanter Angang, aber es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wenn Sie sehen, dass wir an der Leibniz Universität Lizenzen für ein paar Hundertausend Euro kaufen und dass wir unsere Serverstruktur auch in Hundertausender-Schritten verstärken, dann wird sehr deutlich, dass dieses Programm, was nur für die Lehre gedacht ist und wo sich zwei Kollegen unterschiedlicher Hochschulen zusammentun sollen, um entsprechende Dinge zu entwickeln, den Grundbedarf, den wir haben, nicht befriedigt.

Das Gespräch führte Andrea Schwyzer

Volker Epping, Präsident der Leibniz Universität Hannover © Bierwagen/LUH

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NDR Kultur - Journal Gespräch -

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 20.04.2020 | 19:00 Uhr