Stand: 05.12.2018 16:16 Uhr

Stiefelstress zum Nikolaus

Der 6. Dezember kommt in seiner Bekanntheit bei der Bevölkerung nur unwesentlich nach Heiligabend: Am Nikolaustag muss schließlich alles passen - sonst bleiben die Stiefel leer.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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In rot-grüner und warmer Kerzenlicht-Atmosphäre fühlt sich nicht nur der Nikolaus wohl ...

Es wäre ja schön gewesen, wenn man des heiligen Bischofs von Myra zu einem anderen Anlass als dem seines Ablebens gedacht hätte. Diesen Todestag hat er damals ganz ungünstig platziert.

Im Winter knubbelt sich eh schon alles so zusammen: erst der November und seine versammelten Trauerdaten, an denen wir dem Nieselmonat einen grabsteinfarbenen Schlussanstrich auftragen, und jetzt der Dezember mit Weihnachten und Silvester, der uns schon moralisch verpflichtet, dem Einzelhandel die fehlenden 20 Prozent seines Jahresumsatzes in die Kasse zu schütten.

Frau vor leeren Nikolausstiefeln. © dpa Bildfunk Foto: Wolfgang Kumm

Saubere Stiefel sind an Nikolaus das Mindeste

NDR Info - Auf ein Wort -

Schuhe und Stiefel erst putzen, dann vor die Haus- oder Wohnungstür stellen: Das Nikolaus-Prozedere ist längst einstudiert. Detlev Gröning bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Zur Entzerrung der Gedenktage hätte man doch genauso gut eines der zahlreichen bischöflichen Sommerwunder heranziehen können; etwa jenes, in dem der grundgute Nikolaus auf seinem Abendspaziergang im Vorübergehen ein paar Goldklumpen durch die Schlafzimmerfenster dreier Jungfrauen warf. Quasi auf den letzten Drücker, bevor der verarmte Vater seine Töchter im Rotlaternenmilieu an die Mauer stellen wollte, damit sie ihre Mitgift zusammen, äh, naja, Sie wissen schon ...

Weil besagte Fenster ja wohl hoffentlich schon vorher offenstanden, dürfen wir annehmen, dass das güldene Bombardement in einer lauen Juli-Nacht stattgefunden hat. Und schon hätten wir heute ganz andere Bescherungsmöglichkeiten: Grillzange, Sonnencreme, Strandlaken; in manchen Familien werden ja schon ganze Fahrräder in die Kinderschuhe gestellt. Da will man sich nicht ausmalen, was bei denen erst unterm Tannenbaum abgeht.

Heute sitzen wir da mit Gutscheinen, Parfüm und Zierrat und Universalpräsenten, um im Falle einer überraschenden Nikolaus-Zuwendung zurückschlagen zu können. Ich empfehle breit angelegte Konfektsortimente, die sich unterhalb von 50 Metern Tesafilm verpacken und bei Nichtabholung an Silvester bei streunenden Rummelpötten entsorgen lassen.

Aber Vorsicht bei der Ablage in abgestelltes Schuhwerk! Nicht jedes dient dem Nikolaus als Geschenkadresse. Dies musste ich erfahren, nachdem ich meinem Flurnachbarn vor seiner Wohnungstür ein Dutzend Mon Chérie in die Winterstiefel geschüttet habe. Ja, konnte man denn ahnen, dass der da morgens einfach so reinsteigt? Nachträglich hätte ich ein Hinweisschild anbringen oder wenigstens die verpackten Teile nehmen müssen. Aber daran sieht man wieder: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

Und das gilt ja nicht nur an Nikolaus, sondern für Geschenke im Allgemeinen: Entweder wird's teuer oder man hat eine geniale Idee. Ich habe keine. Darum wird es wohl wieder auf diese Goldklumpen hinauslaufen. Historisch korrekt, sicher, aber letztlich doch irgendwie fantasielos.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 05.12.2018 | 18:25 Uhr

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