Stand: 13.12.2018 17:07 Uhr

Staatstheater-Krise erreicht Schweriner Landtag

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Seit Jahren wird in Schwerin um den Erhalt aller Sparten gestritten: Nun begehrt das Ensemble mit Offenen Briefen gegen den Intendanten auf.

Zwei Tage nach einem Krisentreffen zwischen der Leitung des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin und den Gesellschaftern des Hauses haben Abgeordnete aller Parteien im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern am Donnerstag über die Situation am Theater diskutiert. Besonders Vertreter der Linken, die das Thema auf die Tagesordnung hatten setzen lassen, kritisierten den Führungsstil von Intendant Lars Tietje deutlich.

Mitarbeiter sollen anonym befragt werden

Seit Wochen protestieren zahlreiche Mitarbeiter aus allen Sparten mit Offenen Briefen gegen den Führungsstil des Intendanten. Der am Dienstag vereinbarte Fünf-Punkte-Plan der Gesellschafter sieht unter anderem eine anonyme Mitarbeiterbefragung und ein Führungskräftecoaching vor.

Linke: Künstlerisches Gesamtkonzept fehlt

"Es ist völlig unklar, wohin die Reise strukturell geht", monierte die Kulturexpertin der Linken, Eva-Maria Kröger. Es fehle das künstlerische Gesamtkonzept, so Kröger weiter. Das Haus werde nach Ansicht zahlreicher Mitarbeiter nur verwaltet. Wenn deshalb Künstler und Regisseure das Haus verlassen beziehungsweise meiden würden, könnte der Ruf des Theaters dauerhaft beschädigt werden. Dies müsse die Landesregierung als Mehrheitsgesellschafter des Theaters verhindern. Mit den Gesprächen am Dienstag und dem dort vorgeschlagenen Fünf-Punkte-Plan sei das Thema nicht beendet, schloss Kröger.

Ihr Parteikollege Henning Förster wurde noch deutlicher: Wenn eine Fußball-Mannschaft als Gefüge nicht funktioniere, könne man ja auch schlecht das ganze Team entlassen, verglich Förster die Vorgänge am Theater mit dem Profisport. Dann müsse halt der Trainer gehen.

Ministerin Hesse verteidigt Gespräche

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Mehrere Sparten haben in Offenen Briefen an den Schwarzen Brettern des Hauses über die Situation am Theater geklagt.

Die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Birgit Hesse (SPD), räumte ein, dass die Situation am Theater schwierig sei. Allerdings sei man mit dem jetzt aufgestellten Fünf-Punkte-Plan auf dem richtigen Weg. Besonders wichtig sei, dass auch der Betriebsrat in die Gespräche eingebunden werde, so Hesse.

CDU fehlt der Glaube an eine Lösung

Überraschend scharf kritisierte der Koalitionspartner der SPD die Situation. Sebastian Ehlers, der zudem auch Mitglied in der Schweriner Stadtvertretung ist, sagte, es bräuchte langsam eine Art Weihnachtswunder, um die Situation wieder zu normalisieren. Mir fehlt allerdings die Fantasie, wie man das geheilt bekommt, schloss Ehlers.

Den Antrag der Linken, die Regierung müsse sich aktiver einmischen, lehnten die anderen Fraktionen mehrheitlich ab. Ehlers verwies anlässlich der Abstimmung auf die Koalitionsdisziplin und Rücksicht auf den Koalitionspartner SPD. Er hätte gerne weiter in den Ausschüssen über die Situation am Mecklenburgischen Staatstheater diskutiert, betonte der CDU-Mann.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.12.2018 | 18:00 Uhr

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