Stand: 31.07.2020 15:43 Uhr

Sommerliche Musiktage Hitzacker beginnen fast wie geplant

von Marcus Stäbler

Die Sommerlichen Musiktage Hitzacker werden 75 - und niemand darf hin: Gegen diese traurige Vorstellung hat der Intendant Oliver Wille unermüdlich angekämpft. Mit Erfolg. Am Sonnabend beginnt das älteste Kammermusikfestival in Deutschland trotz der Corona-Krise fast wie geplant. Mit besonderen Sicherheitsauflagen und einem tollen Programm, das nach vorne, aber auch in die Vergangenheit schaut.

Blick auf die Altstadt von Hitzacker. © picture alliance/Philipp Schulze/dpa Foto: Philipp Schulze
Auch im Corona-Jahr können die Gäste der Sommerlichen Musiktage den Blick auf die Altstadt von Hitzacker und die Elbe genießen.

"Wir haben ein bisschen eine Situation wie 1946", erklärt Intendant Oliver Wille. "Damals hat auch niemand geglaubt, dass die ersten Sommerlichen Musiktage tatsächlich stattfinden können. Aber der Glaube an die Kultur und an die Wichtigkeit, dass wir zusammen Musik in einem Raum erleben, hat uns wie damals durchhalten lassen."

Sommerliche Musiktage: Grünes Licht dank Verordnung

Seit der Verordnung vom 22. Juni war klar, dass dieser starke Glaube belohnt wird. Weil Wille und sein Team auf Verdacht vorausgeplant und konzipiert haben, können die Sommerlichen Musiktage Hitzacker auch in diesem Jahr stattfinden.

Schwerpunkt auf moderner und zeitgenössischer Musik

Das Festival feiert sein 75-jähriges Bestehen mit einem besonders reichhaltigen Programm. Es umfasst 37 Veranstaltungen in neun Tagen und ein breit gefächertes Repertoire mit einem Schwerpunkt auf der modernen und zeitgenössischen Musik. "Es ist kein Neue-Musik-Festival - aber es muss für mich selbst viel Neue Musik vorkommen", sagt Wille. "Denn wir wollen ja aktuell sein. Wir wollen kulturell relevant sein und Zeichen setzen, auch was Programmkonzepte und Musikvermittlung angeht."

Hörer-Akademien, Filme, moderierte Programme und Gespräche

Deshalb beschränkt sich das Angebot der Sommerlichen Musiktage traditionell nicht auf Konzerte, sondern umfasst auch Hörer-Akademien, Filme, moderierte Programme oder Gespräche - wie am kommenden Freitag, wenn der Komponist Helmut Lachenmann in Hitzacker zu Gast ist.

Oliver Wille, Intendant Sommerliche Musiktage Hitzacker, im Porträt. © picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa Foto: Julian Stratenschulte
Intendant Oliver Wille tritt bei den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker mit dem Kuss Quartett auf.

So vielfältig und spannend wie das Repertoire ist auch die Auswahl der Künstler. In diesem Jahr sind etwa die Geigerinnen Patricia Kopatchinskaja und Isabelle Faust, die Klarinettistinnen Sabine Meyer und Sharon Kam und der Schauspieler Udo Samel zu Gast. Oliver Wille selbst tritt als Geiger mit seinen Kollegen vom Kuss Quartett in Erscheinung und konfrontiert in einem Programm am Sonnabend zeitgenössische Perkussion mit Ausschnitten aus Beethoven-Quartetten.

Anpassungen wegen Corona

Das Beethoven-Perkussion-Programm erklingt wie viele Konzerte in diesem Jahr ohne Pause, damit die Besucher nur einmal rein- und rausgehen müssen. Dafür ist es nur rund eine Stunde lang und wird zweimal hintereinander gespielt, um möglichst viele Hörerinnen und Hörer zu erreichen. Solche Anpassungen waren nötig, um das Festival möglich zu machen.

"Nähe mit Abstand": Bühne in der Mitte

Das umfassende Sicherheitskonzept betrifft auch die Anordnung der Sitze, wie Wille erklärt: "Der Saal fasst höchstens 870 Plätze und wir reduzieren sie auf 150. Dadurch, dass die Bühne in der Mitte ist und alle drumherum sitzen, ist niemand weit weg - und wir können so eine Nähe mit Abstand schaffen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 31.07.2020 | 09:20 Uhr