Stand: 23.12.2019 12:00 Uhr  - NDR Kultur

Silber-Mobiliar der Welfen auf dem Prüfstand

von Janek Wiechers

Das Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig hat vorübergehend kostbare Silbermöbel der Welfen in Obhut genommen. Das 15-teilige Ensemble befindet sich sonst auf Schloss Marienburg bei Hannover. Das Museum prüft derzeit den Zustand des Silber-Mobiliars, weil es im kommenden Jahr in einer Sonderausstellung gezeigt werden soll.

Wer zum wertvollen Silber möchte, muss ganz nach unten, ins hochgesicherte Magazin im Kellergeschoss des Herzog Anton Ulrich-Museums. Erst geht es mit dem Fahrstuhl hinunter, dann durch mehrere elektronisch verriegelte schwere Türen. Die letzte öffnet sich erst dann, wenn sie aus der Sicherheitszentrale einige Stockwerke höher freigegeben wird.

Silbermöbel der Welfen sollen ausgestellt werden

Martina Minning, Kunsthistorikerin aus der Abteilung für angewandte Kunst des Herzog Anton Ulrich-Museums schließt die graue Stahltür auf. Dahinter surrt ein Klimagerät. Und dann erscheint im schummrigen Licht das Silber. Der gesamte Kellerraum ist mit schimmernden Objekten angefüllt. Auf Stahlregalen lagern silberne Löwenköpfe und mit Ornamenten besetzte Teile von Spiegeln. Auf mit schwarzem Tuch bespannten Tischen lagern weitere reich verzierte Objekte, daneben silbrig glänzende Kerzenständer und Stühle.

"Das Herzog Anton Ulrich-Museum kann sich über einen ganz außergewöhnlichen Schatz der Welfen freuen", sagt Marina Minnig. "Wir haben 15 Stücke erhalten als Dauerleihgaben aus dem Besitz von Ernst August, Erbprinz von Hannover. Seit Kurzem befinden sie sich hier im Haus im gut gesicherten Depot. Aber wir planen im nächsten Jahr - wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte - sie auch der Öffentlichkeit zu präsentieren."

Erste Teile des Silber-Mobiliars wurde 1725 angefertigt

In den vergangenen Jahrzehnten stand das 15-teilige Silberensemble auf Schloss Marienburg in Pattensen zwischen Hildesheim und Hannover. Welfenkönig Georg V. von Hannover ließ das Schloss im 19. Jahrhundert als Sommerresidenz erbauen. Das Silberzimmer sei aber noch viel älter, fast 300 Jahre alt, erklärt die Kunsthistorikerin Martina Minning. Die ersten Teile des Ensembles ließ Prinz Maximilian Wilhelm von Hannover bereits 1725 anfertigen. "Er lebte damals als kaiserlicher General in Wien und pflegte dort einen ausgesprochen luxuriösen Lebensstil. Er gab zwei Triaden von Silber-Möbeln in Auftrag. Triade bedeutet: ein monumentaler Spiegel, der über drei Meter groß ist, darunter ein Tisch, flankiert von sogenannten Guéridons. Das sind Beistell-, Ablage- oder Kerzentische", erläutert Martina Minning. "Allerdings konnte er sich nicht lange seines Besitzes erfreuen. 1726 starb er."

Silber-Zimmer ist weit gereist

Silberne Möbelstücke stehen im Schloss Marienburg. © dpa-Bildfunk Foto: Caroline Seidel
Wenn die Marienburg in Pattensen saniert ist, sollen die Silbermöbel dorthin zurückkehren.

So erwarb Herzog August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel die Möbel und ließ sie um fünf prächtige mit Samt bezogene Silber-Stühle ergänzen. Doch auch er starb schon bald darauf. Bis 1731 stand das Silber-Ensemble in einer Welfenresidenz in Braunschweig und ging von dort mehrfach in neue Besitzerhände und an verschiedene Orte gebracht. "Von Braunschweig aus gingen die Möbel nach Hannover, dann, in der napoleonischen Zeit, wurden sie nach England, nach Windsor gebracht. Im 19. Jahrhundert kamen sie wieder zurück nach Hannover. Dann gingen sie noch mal nach Österreich zurück, anschließend wieder nach England und die letzten Jahrzehnte standen sie in Blankenburg und auf der Marienburg", erzählt Martina Minning.

Gefertigt in Augsburg

Solche komplett erhaltene Silber-Zimmer gibt es heute nur noch ganz wenige auf der Welt. Die mit Silberblechen beschlagenen Holzmöbel und teilweise massiven Silberfiguren der Spiegelrahmen gelten kulturhistorisch und kunsthandwerklich als besonders bedeutend. Gefertigt wurde das Ensemble in Augsburg, das im 18.Jahrhundert das Zentrum der Gold- und Silberschmiedekunst war. Die Spiegel-Einfassungen stammen aus der Werkstatt des damals weltberühmten Silberschmieds Philip Hegenauer.

Ausstellungstermin steht noch nicht genau fest

Im kommenden Jahr will das Herzog Anton Ulrich-Museum das Silber-Mobiliar in einer eigenen Ausstellung zeigen. Möglicherweise wird es bis dahin frisch aufgearbeitet. Fachleute wollen die Silberstücke jetzt begutachten "Wir müssen noch mal einen Fachrestaurator konsultieren. Er muss entscheiden, ob wir die Stücke nur reinigen müssen. Es ist sicherlich auch eine finanzielle Frage", sagt Martina Minning. "Auf jeden Fall wollen wir sie der Öffentlichkeit zeigen und natürlich auch die wechselvolle Geschichte verständlich machen."

Weitere Informationen
Ernst August Erbprinz von Hannover, Christoph Plett, Dr. Thomas Richter und Björn Thümler (CDU) stehen bei der Übergabe mehrerer Silbermöbel zusammen. © HAUM Braunschweig Foto: V. Herwig

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 27.12.2019 | 06:40 Uhr