Die Hochschule für Musik und Theater HMT im ehemaligen Katharinenkloster © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck

Semesterstart an der hmt Rostock: "back to normal"

Stand: 24.10.2021 06:00 Uhr

Am 1. Oktober hat an der Hochschule für Musik und Theater Rostock das Wintersemester begonnen. Gerade der künstlerische Bereich war in den vergangenen anderthalb Jahren besonders stark wegen der Abstandsregelungen und möglicher infektiöser Aerosol-Ausstöße beschränkt.

von Anina Pommerenke

Die gespenstische Stille sei nun endlich vom Campus verschwunden, freut sich Martin Rieck. Der Opernsänger ist seit April Prorektor an der hmt. Sei man in den vergangenen anderthalb Jahren nur selten und stets eilig mit Maske durch die einsamen Klosterkreuzgänge der Hochschule gehuscht, so kehre jetzt langsam das normale Leben an den Campus zurück: "Ich würde sagen, es ist weitgehend back to normal."

Herdenimmunität an der Hochschule für Musik und Theater Rostock

Die Hochschule habe großes Glück und profitiere von sehr erfreulichen 2G-Zahlen. Das habe eine umfassende Umfrage unter Studierenden und Lehrpersonen ergeben. So könne man im Hochschulkontext von einer Herdenimmunität sprechen, sagt Rieck. Trotzdem seien natürlich weiterhin Vorsichtsmaßnahmen an der Tagesordnung. In Kursen, in denen man keinen Abstand halten könne oder in Veranstaltungen, die etwa Chorgesang beinhalten, gelte ein 3G-Konzept. Dafür entfalle die Maskenpflicht, was eine bessere Arbeitsatmosphäre ermögliche.

Gerade der künstlerische Unterricht - egal ob Schauspiel, Gesang oder am Holzblasinstrument - dürste förmlich nach Nähe ohne Maske. Dort habe man die Einbußen in den vergangenen drei Semestern besonders zu spüren bekommen, schildert Rieck. Als Opernsänger habe er das mit seinen Studierenden immer wieder erlebt. Seine Gesangsschülerinnen und -schüler am Klavier zu begleiten etwa sei über eine Online-Konferenz wegen der leichten Verzögerung so gut wie unmöglich. Besonders schwer hätten es die Studierenden gehabt, die gerade erst angefangen hätten.

Hybride Lösung: Vorlesungen digital und vor Ort

Bei Seminaren und Vorlesungen fehle der Diskurs: Diskussionen kämen erst gar nicht richtig in Fahrt, wenn man bei Video-Konferenzen immer eine gewisse Melde-Liste einhalten müsse, damit nicht alle durcheinander reden, gibt Rieck zu Bedenken. "Beim künstlerischen Unterricht - da sind wir alle heilfroh, dass der wieder live stattfinden kann!" Bei großen Vorlesungen gelte weiterhin die Maskenpflicht und es gebe neuerdings hybride Lösungen: Die Studierenden können also sowohl vor Ort als auch von zu Hause aus teilnehmen. Dafür habe man auch technisch nachgerüstet.

Besonders hat aber auch das Campus-Leben gefehlt. Es sei nicht zu unterschätzen, wie viele Projektideen mal eben beim Austausch auf dem Gang entstünden. So sei auch teilweise wieder Publikum zu den zahlreichen Veranstaltungen der hmt zugelassen. Hierbei setze man auf 3G, die Platzanordnung im Schachbrettmuster und Online-Streams. Eine Opernproduktion wie Don Giovanni habe im vergangenen Jahr etwa 3.000 Klicks pro Abend erzielt, weitaus mehr Publikum als im Katharinensaal überhaupt Platz finden würden. Ob sich das hybride Konzept weiter so erfolgreich zeigen werde, müsse man im Auge behalten, sagt Rieck. Unter Umständen könnten auch neue Formate entstehen.

Hilfsangebote für Studierende während der gesamten Pandemie

Besonders hilfreich sei es auch gewesen, dass die Hochschule frühzeitig einen Krisenstab eingerichtet habe. Dafür sei sogar ein ehemaliger Student als neuer Mitarbeiter eingestellt worden, der unter anderem die vielen E-Mails beantworte. Verwaltung und Rektorat könnten so aber auch dank einer Kooperation den Studierenden bei Bedarf Selbsttests zur Verfügung stellen. Überhaupt habe es in der gesamten Pandemie viele Hilfsangebote für die Studierenden gegeben, auch in Form von Hilfsfonds. Viele Studierende waren in eine Notlage geraten, da sie ihre Nebenjobs nicht mehr ausüben konnten. Auftrittsmöglichkeiten waren weggebrochen und auch nicht der gesamte Instrumentenunterricht konnte mal eben so ins Netz verschoben werden, führt Rieck aus. Das habe insbesondere ausländische Studierende vor große finanzielle Probleme gestellt.

Ein spezielles Angebot bleibt für die Studierenden auch im neuen Semester bestehen. So bietet die Musikmedizinerin Dr. Anke Grell regelmäßig Sprechstunden an. Die Studierenden können sich mit Sorgen jeglicher Art bei ihr melden. Unterm Strich spürt Rieck eine große Dankbarkeit und ein großes Bewusstsein für alles was zurückkehrt: "Alle nehmen das sehr genau wahr, dass das keine Selbstverständlichkeit ist."

Teilnehmende vor Ort fördern den Teamzusammenhalt

Die wiedergewonnene Leichtigkeit habe sich auch in der letzten Senatssitzung gezeigt, die hybrid durchgeführt wurde. Die ersten Teilnehmenden waren also wieder vor Ort dabei, was die gesamte Atmosphäre total geprägt habe: "Dieses lockere dazwischen mal kurz einen Kaffee holen, die Lacher - es ist nicht zu unterschätzen, was da entsteht: an Ideen, an Teamzusammenhalt, dieses resonant füreinander werden." Auch als die Senatsvorsitzende die Sitzung wie eine Talkshowmoderatorin mit den Worten 'Ich beende die Sendung' geschlossen habe, hätte es herzhafte Lacher gegeben, erinnert sich Rieck: "Ich bin ganz froh, es läuft gut bei uns."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 24.10.2021 | 10:40 Uhr