Karl Huck (links) bedient mit seiner Tochter Hanni Marionetten auf einer Bühne am Theater Hiddensee im Stück "Der Froschkönig" © NDR Foto: Juliane Voigt

Seebühne Hiddensee mit "Froschkönig" im Geldsegen

Stand: 16.11.2020 15:49 Uhr

Karl Huck samt Familie kann aufatmen. Endlich ist Geld vom Land bei ihm angekommen. Nun probt der Macher der Seebühne Hiddensee am Marionetten-Stück "Frosch". Premierentermin ist ungewiss.

von Juliane Voigt

Der Froschkönig bringt zwar eine wertvolle goldene Kugel ans Tageslicht. Aber was will er dafür haben? Nicht etwa einen Finderlohn! Märchenkenner wissen es: Mit im Palast wohnen, am Tischlein der Prinzessin essen, mit im Bettchen schlafen. Denn: Was ist schon Geld? Eine ganze Menge, allerdings, findet der Theatermacher Karl Huck von der Seebühne Hiddensee.

Marionetten für das Stück "Frosch" an der Bühne Hiddensee

Die Prinzessin ist sehr süß - und stinksauer. In der Hand hält sie ihre goldene Kugel. Ab und zu wirft sie die in die Luft und fängt sie wieder auf. Ihrem Vater, dem König, hört sie gar nicht zu. Gelangweilt lümmelt sie in dessen Thron. Die beiden hängen, wie alle anderen Figuren auf diese Bühne auch, an Fäden: Es sind Marionetten. Natürlich gibt es einen kleinen Frosch mit langen Springbeinen. Und auch einen Prinzen und eine böse Königin. Sie werden beim Stück "Frosch - Es ist nicht alles Gold, was glänzt" gespielt von Theaterprinzipal Karl Huck und der zehnjährigen Hanni. Sie spielt den Küchenjungen. Sie erzählt: "Am Anfang wollte ich die Prinzessin sein, aber dann wurde gesagt, 'du bist der Küchenjunge'. Da war ich ein bisschen traurig". Als ihr erzählt wurde, dieser sei frech, fand die zehnjährige Hanni den "ganz toll."

Puppen aus der "Sandmännchen"-Sendung der 1980er-Jahre

Drei Marionetten auf einer Bühne am Theater Hiddensee im Stück "Der Froschkönig" © NDR Foto: Juliane Voigt
Die Puppen sind aus dem Hause Weinhold und wurden Anfang der 1980er-Jahre gebaut. Sie stammen aus der "Sandmännchen"-Sendung.

Regisseurin des Weihnachtsmärchens ist Antje König vom Hermannshoftheater in Niedersachsen. Sie erarbeitet das Stück gemeinsam. "Zum einen möchten wir gerne ein schönes Märchen für Familienpublikum machen, das in der Weihnachtszeit erfreut." Dies gelinge durch schöne, Bilder ein lustiges Spiel und wundervolle Puppen. Zum anderen spiele die Lebenssituation der Prinzessin eine Rolle: "Sie  ist sehr traurig und fühlt sich vom Vater nicht verstanden, der immer davon spricht - Regierung, Gesundheit, Verantwortung und so weiter", so König.

Ob diese Version des Froschkönigs überhaupt vor Weihnachten Premiere haben wird, ist ungewiss. Aber Vater und Tochter haben das Stück zumindest für die kommende Saison im Programm. Im vergangenen Sommer stand Karl Huck mit "Sindbad" alleine auf der Bühne - aufgrund der Corona-Regeln vor sehr wenigen Zuschauern.

Förderhilfen für zwei Inszenierungen

Um das Theater finanziell zu retten, hatte Karl Huck mehrere Anträge auf Landeshilfe gestellt. "Irgendwann gab es tatsächlich ein Ergebnis". Dies geschah nach mehreren Ablehnungen, nach Kopfschütteln, Verständnislosigkeit. Doch habe es immer wieder auf dem Weg Leute gegeben, die gesagt hätten, "ihr dürft jetzt nicht aufgeben, ihr müsst weitermachen." Auch unsere Ministerpräsidentin habe gesagt, es gebe bestimmt Möglichkeiten. "Wie durch einen Zauber - und so ist es ja im Märchen, das Leben ist nichts anderes als ein Märchen, gibt es die Möglichkeit, dass wir für zwei Inszenierungen Fördermittel bekommen.", erzählt Huck.

Knapp 23.000 Euro sind es. Das bedeutet Geld für Proben und Ausstattung. Die Puppen, die im Froschkönig spielen, sind Raritäten aus dem Hause Weinhold, die als renommierte Figurengestalter bekannt sind. Gebaut wurden sie bereits Anfang der 1980er-Jahre. Vielleicht erinnern sich die Kinder von damals. "Damals hat die Familie Weinhold diese Figuren für das Sandmännchen gemacht. Da gibt's immer diese Fünf-Minuten-Beiträge und da wurden Grimms Märchen mit diesen Marionetten vorgestellt. Dann haben sie jahrelang auf uns gewartet und wir haben gesagt, jetzt müssen sie einen richtigen großen Auftritt bekommen. Jetzt sind sie reif für eine abendfüllende Geschichte", so Huck.

In dieser abendfüllenden Geschichte wirft die pampige Prinzessin ihre goldene Kugel absichtlich in den Brunnen. Was nützt eine goldene Kugel, wenn sie nicht raus darf? Dass das grüne glitschige Ding da mal ihre große Liebe wird, ahnt in dieser Sekunde noch niemand. Das Plakat für den Froschkönig hat übrigens die Berliner Illustratorin Kat Menschik gestaltet. Ein dicker grüner Frosch - zum Verlieben.

VIDEO: Strandsand von der Seebühne Hiddensee (1 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 16.11.2020 | 19:00 Uhr