Der Thronsaal im Schweriner Schloss © NDR Foto: Axel Seitz

Schweriner Schloss: Herrschaftssitz, Museum, Landtag

Stand: 02.10.2020 17:36 Uhr

Als Sitz der Mecklenburgischen Herzöge hat das Schweriner Schloss eine lange Historie. Seit der Deutschen Einheit beherbergt es auch den Landtag.

von Axel Seitz

Mit rund 190.000 Gästen jährlich gehört das Schweriner Schloss zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Mecklenburg-Vorpommern. "Sie haben als Besucher das Erlebnis, dass sie vom Thronsaal in den Plenarsaal weitergehen", sagt Ralf Weingart, der Leiter des Schlossmuseums. Schwerin habe natürlich den großen Vorzug, dass es diese Tradition als Herrschaftsort mit dem Landtag bis in die Gegenwart fortsetze. Das sei eine sehr schöne Entwicklung, dass sich Demokratisierung über Jahrhunderte hat durchsetzen können.

Zur DDR-Zeit saniert: Die Ahnengalerie

Ahnengalerie im Schweriner Schloss © NDR Foto: Axel Seitz
Die Ahnengalerie im Schweriner Schloss umfasst 31 Fürstenporträts.

Auch der Landtagsdirektor Armin Tebben schwärmt von diesem Schloss: Zunächst mal sei es einfach schön und zudem einmalig in seiner Ästhetik, aber auch in seiner Funktion. Seit nunmehr drei Jahrzehnten ist das Schloss Sitz des Landtags, noch länger hingegen, bereits seit 1974, gibt es auch das Schlossmuseum. Beginnend mit dem Thronsaal und der Ahnengalerie wurden in der DDR nach und nach weitere Räume saniert, so dass das Museum 1990 gut 20 Räume umfasste. Seither kamen allerdings, so bestätigt Ralf Weingart, nicht mehr viele neue Räume hinzu: "drei mittlere und ein sehr großer." Und auch noch die Silbergalerie, das sei zwar kein großer, aber ein sehr eindrucksvoller Raum.

Allerdings sind diese Räume - das Sagen-, das Leander- und das Blücherzimmer sowie die sogenannte Hofdornitz, die frühere Waffenhalle, kaum oder gar nicht saniert. Abgeplatzter Putz, Verfärbungen an den Wänden und beschädigte Skulpturen sind deutlich sichtbar und zeigen, dass hier restauriert und modernisiert werden müsste. Ein unschöner Zustand, den auch die Direktorin der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen, Pirko Kristin Zinnow, nicht leugnet: "Auch wir sehen, dass der Renovierungsbedarf da ist." Aber konkrete Planungen gebe es noch nicht. Man führe erste Gespräche. Und da seien eine Menge von Nutzerinteressen in Einklang zu bringen.

Schloss-Sanierung: 150 Millionen Euro in 30 Jahren

Orangerie und Parkanlage des Schweriner Schlosses © Zentralbild Foto: Jens Büttner
Die Orangerie ist im französischen Stil gestaltet.

Für die Sanierung des Schweriner Schlosses wurden in den vergangenen drei Jahrzehnten umgerechnet rund 150 Millionen Euro ausgegeben - unter anderem für die Gründung, die Außenfassaden, die Schlosskirche und die Orangerie. Ohne Landtag würde es dieses Schloss in dieser Qualität nicht mehr geben. "Wer sollte denn solch ein Gebäude, irgendjemand hat mir mal 635 Räume gesagt, Flächen von mehreren Fußballfeldern, erhalten können, wenn nicht die öffentliche Hand", sagt Stefan Wenzl, der für die staatlichen Schlösser zuständige Abteilungsleiter im Landes-Finanzministerium. Und wenn man dann eine Nutzung wie den Landtag fände, dann sei das die Lebensversicherung für solch ein Haus.

Mutter-Schloss Chambord als Vorbild für Schwerin

Während das Gebäude seit 1990 größtenteils umfangreich saniert wurde, blieb das eigentliche Schlossmuseum dabei auf der Strecke. Ralf Weingart leitet das Museum seit 2005: "Wir haben jetzt schon ein sehr schönes Raumprogramm und haben damit auch großen Erfolg." Wir hätten kein Problem, diesen Rundgang noch zu erweitern. Aber konzeptionelle Fragen lägen in der Einschätzung des Landtags. Denn Hausherrin des Schlosses ist die Landtagspräsidentin und das Museum ist nur Mieter im Schloss. Landtagsdirektor Armin Tebben kann sich durchaus vorstellen, dem Museum neue Räume zur Verfügung zu stellen: "Wir haben uns seinerzeit, auch sehr intensiv, mit Chambord beschäftigt, das von der Architektur ein Stück weit auch als Mutterschloss gilt." Die hätten auch entsprechende touristische Angebote im Museum, im Museumsshop. Und da gebe es viel Luft nach oben.

Medaillon- und Weinlaubsaal werden zurzeit renoviert

Um die Attraktivität das Schlosses und des Schlossmuseums zu erhöhen, werden derzeit bereits zwei weitere Räume saniert: Medaillonsaal und Weinlaubsaal, beide im Burggarten und beide historisch wertvoll und attraktiv. Im Medaillonsaal soll die Gastronomie implementiert werden. Wann Medaillon- und Weinlaubsaal der Öffentlichkeit übergeben werden, steht allerdings noch nicht fest. Ebenso wenig, wann das Schlossmuseum umfassend saniert wird, hier bleibt Zinnow sehr vage: Ideen und Vorstellungen gebe es natürlich. Auch erste Überlegungen und Vorgespräche, aber noch keinen konkreten Termin und man müsse einen Schritt nach dem anderen machen.

Schloss und Museum Ende des Jahrzehnts auf Stand?

Garten im Schweriner Schloss © NDR Foto: Axel Seitz
Die heutige Form erhielt der Burggartens in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er wurde nach Entwürfen des Hofgärtnermeisters Theodor Klett (1808-1882) gestaltet.

Für die Direktorin der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen steht auf der Prioritätenliste vom kommenden Jahr an die Modernisierung des Staatlichen Museums am Alten Garten vis-à-vis vom Schloss. Das Museum bleibt von Mai 2021 bis voraussichtlich August 2023 geschlossen. Frühestens danach werden sich die Fachleute um das Schlossmuseum kümmern, vom dem auch Ralf Weingart sagt: Der Sanierungsbedarf sei unstrittig. Aber das seien längere Prozesse, die auch bauliche Sanierungen voraussetzen, auch restauratorische Untersuchungen.

Das Schlossmuseum ist in die Jahre gekommen, inhaltlich, wie gestalterisch, sagt Stefan Wenzl und zugleich betont er: Es werde Jahre dauern. Das sei nichts Ungewöhnliches. Wir werden sicherlich nicht vor 2024 anfangen können. Er denke, bis zum Ende des Jahrzehnts Schloss und Schlossmuseum in einem entsprechenden Stand zu haben. Das müsse unser Ziel sein.

Weitere Informationen
Das Schweriner Schloss © NDR Foto: Manfred Sander aus Einhusen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 02.10.2020 | 19:00 Uhr