Stand: 04.04.2019 06:45 Uhr

Intendanten kritisieren Umsetzung des Theaterpakts

von Axel Seitz

Nach dem Spitzengespräch in der Schweriner Staatskanzlei am 12. Juni 2018 gab es fast durchgehend zufriedene Gesichter: Gemeinsam mit den kommunalen Trägern sowie den betreffenden Intendanten erklärte sich die Landesregierung bereit, einen Theaterpakt für die kommenden zehn Jahre zu unterzeichnen. Danach sollte es ab 2019 für die vier Mehrspartentheater in Mecklenburg-Vorpommern jährlich 2,5 Prozent mehr Geld geben. Und an Tarifsteigerungen auf dem Weg zum Flächentarif für die Theatermitarbeiter wollte sich das Land beteiligen. Rund neun Monate später kommt nun allerdings überwiegend Kritik von den Theaterintendanten, denn der Theaterpakt ist bis jetzt noch nicht umgesetzt.

Die im vergangenen Juni getroffene Absichtserklärung für einen Theaterpakt nennt  der Intendant des Theaters Vorpommern, Dirk Löschner, nach wie vor eine gute Sache, doch: "Meine Kritik richtet sich derzeit an die Landesregierung, weil sie in der Umsetzung dessen, was vereinbart wurde, zu langsam ist. Es geht nicht schnell genug voran."

Interview

Kümmritz kritisiert Theaterpakt

Der 2018 beschlossene Theaterpakt in Mecklenburg-Vorpommern ist immer noch nicht umgesetzt. Die Intendanten reagieren mit Kritik, so auch Joachim Kümmritz. mehr

Intendant Kümmritz: "Unmut der Mitarbeiter verständlich"

Joachim Kümmritz, Intendant der Theater- und Orchestergesellschaft Neubrandenburg/Neustrelitz sowie des Volkstheaters Rostock, sieht es ganz ähnlich: "Ja, da muss man ehrlich sein, da kann keiner zufrieden sein. Natürlich muss ich auch den Unmut der Mitarbeiter verstehen, wenn Ankündigungen gemacht und die immer wieder hinausgeschoben werden."

Intendant Tietje: "Langsame Umsetzung ist Gründlichkeit"

Und auch der Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin, Lars Tietje, gesteht ein: "Der Theaterpakt ist noch nicht umgesetzt." Während seine Kollegen deutlich das Verhalten der Landesregierung kritisieren, bleibt Lars Tietje ein Dreivierteljahr nach dem Treffen bei der Ministerpräsidentin recht ruhig: "Was Frau Schwesig dort politisch angestoßen hat, ist kompliziert umzusetzen. Denn es müssen verschiedenste Dinge im Haushalt und im kommunalen Finanzausgleich geändert werden, damit diese Struktur umgesetzt werden kann. Deswegen brauchen wir ein bisschen Geduld. Ich glaube, dass das keine Verzögerungstaktik, sondern Gründlichkeit ist."

Intendant Löschner: "Zahlungen für 2018 stehen noch aus"

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Fühlt sich von der Landesregierung fast schon verschaukelt: der Intendant des Theaters Vorpommern Dirk Löschner.

Diese Gründlichkeit allerdings bezweifelt der Intendant des Theaters Vorpommern. Dirk Löschner fühlt sich von der Landesregierung fast schon verschaukelt: "Es hapert im Moment schlicht daran, dass bei der Umsetzung ein Stein nach dem anderen umgedreht wurde, um irgendetwas zu finden, wo man vielleicht beim Theater noch mal 2.000 Euro sparen könnte. Das finde ich angesichts der Dimension dessen, was an Zerstörung in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat, nicht adäquat."

Allein für 2018 erwartet er vom Land noch 300.000 Euro: "Gegenstand des Theaterpakts war auch, dass sich Land und Kommunen mit bestimmten Prozentsätzen am Wiedereintritt in die Tariffläche beteiligen. Dazu ist ein stufenweiser Anstieg vereinbart worden. Dieser Weg begann im August 2018 mit dem Votum des Landes und der Theatergesellschafter. Daraus resultiert noch eine Zahlung für 2018, die das Land zu leisten hat."

Intendant Kümmritz: "Landesweite Tarifzahlungen nicht umgesetzt"

Auch der Intendant der Theater in Rostock und in Neubrandenburg/Neustrelitz, Joachim Kümmritz, kann nicht verstehen, warum es so lange mit der Umsetzung des Theaterpakts dauert: "Das muss einfach schneller gehen. Ich erinnere mal an den Bundespräsidenten Steinmeier, der vor Kurzem im Fernsehen gesagt hat, dass viele Bürger ihr Vertrauen in Verwaltung und Politik verloren haben. Ich habe langsam Verständnis dafür, denn mit großer Sicherheit hätte man Entscheidungen schneller treffen können. Und dass über die Situation nicht alle glücklich sind, ist mehr als verständlich." Während an der Mecklenburgischen Seenplatte bereits seit Jahresbeginn die Theatermitarbeiter nach Flächentarif bezahlt werden, müssen die Theaterleute an der Warnow noch warten: "Dadurch, dass wir das auf Basis der Zielvereinbarung machen, haben wir ein Defizit von knapp 300.000 Euro. Die Leute werden also nicht nach Tarif bezahlt, wie ihnen im Juni letzten Jahres angekündigt wurde."

Ministerpräsidentin Schwesig verspricht rasches Handeln

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Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verspricht, den Theaterpakt zeitnah umzusetzen.

Darauf angesprochen, warum der Theaterpakt immer noch nicht umgesetzt wurde, erklärte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig Mitte März: "Wir sind in der Umsetzung des Theaterpakts. Eines ist auch klar, wir dürfen nicht wieder in diese Spirale kommen, wir geben mehr Geld rein und dann haut das wieder in einem halben Jahr oder Jahr nicht hin. Diese Beratungen finden in allen Theatern statt." Es könnte durchaus gar Monate dauern, bis der Theaterpakt umgesetzt wird, Dirk Löschner jedenfalls ist nicht sehr zuversichtlich: "Da ist von Juni die Rede, wo man sich dann mal äußern will, zu den Prüfungen, die da derzeit laufen."

Juni 2019 - dann wäre bereits ein Jahr vergangen, nachdem sich Landes- und Kommunalpolitiker sowie Theaterintendanten auf einen Theaterpakt für zehn Jahre von 2018 bis 2028 verständigt hatten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 04.04.2019 | 19:00 Uhr

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