Stand: 25.08.2020 11:34 Uhr

Kultusminister Tonne: "Schulen sind kein Hotspot"

Niedersachsen startet am 27. August als letztes norddeutsches Bundesland ins neue Schuljahr. Wie kann Schule in Corona-Zeiten aussehen? Ein Gespräch mit dem niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne.

Wie ist Niedersachsen auf den Schulstart vorbereitet?

Grant Hendrik Tonne im Mai 2020 bei einer Sitzung des Niedersaechsischen Landtages © imago images Foto:  Joachim Sielski
Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne: "Wir gehen von weitestgehender Normalität in den Schulen aus."

Grant Hendrik Tonne: Wir haben den Schulen in Niedersachsen vor der Sommerpause die entsprechenden Szenarien zugeleitet. Wir haben sehr klar gesagt, wir möchten in unserem sogenannten Szenario A - also dem weitestgehenden Regelbetrieb - starten. Das haben wir vor dem Schulstart bekräftigt. Das bedeutet, dass wir von weitestgehender Normalität in den Schulen ausgehen, aber natürlich, dass wir nach wie vor Sicherheitsvorkehrungen haben, da das Coronavirus nicht verschwunden ist.

Andere Länder haben mit der Schule bereits begonnen, da gibt es schon Erfahrungen. Wie fließen diese in Ihre Überlegungen ein?

Tonne: Wir haben in der Zeit der Corona-Krise und auch jetzt, mit Blick auf den Schuljahresstart, einen sehr engen Austausch, auch innerhalb der Kultusministerkonferenz. Das sind wöchentliche Schalten, in denen wir genau das miteinander besprechen. Auch die Erfahrung mit einfließen lassen - was ist gut gelaufen, wo muss man einen Blick darauf haben, wo wurden gute Erfahrungen gemacht?

Für uns ist es ein wichtiges Signal, dass im neuen Schuljahr, auch dort wo der Schulstart bereits geglückt ist, Schulen kein Hotspot bei der Verbreitung des Virus sind. Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis.

Trotzdem wird in den Bundesländern verschieden mit der Situation umgegangen. Wäre es nicht schlauer, wenn die Bundesbildungsministerin oder die Kanzlerin eine Richtung vorgeben würde?

Tonne: Ich glaube in der Ausrichtung - "Wie soll Schule sein, wie soll Schule laufen?" - besteht viel Einigkeit. Wir haben in Detailfragen eine unterschiedliche Ausrichtung. Auf der anderen Seite, wenn Sie sich die anderen Bundesländer anschauen - auch dort gibt man zu Recht den Schulen große Freiheiten, wie sie sich aufstellen. Innerhalb der Bundesländer gibt es auch gewollte, akzeptierte Unterschiede, die wichtig sind, um den Bildungserfolg zu gewährleisten.

Es kommt auf ein gutes Zusammenspiel an, dass Bund und Länder sich abstimmen und, wenn ich mir das erlauben darf, gerade mit Blick auf das Lernen mit digitalen Medien finde ich, dass es gerade einen engen und einen sehr schnellen Austausch zwischen Bund und allen Bundesländern gibt.

Die Ansteckungszahlen steigen wieder, vermutlich muss man auf Sicht fahren und immer wieder die Entscheidungen anpassen?

Tonne: Absolut. Wir werden in sehr engen Abschnitten überprüfen, ob das, was wir möchten, geht und haltbar ist, oder ob das ergänzt werden muss. Das gehört dazu. Gleichzeitig war es uns auch immer wichtig, zu sagen: "Wir geben den Schulen auf der einen Seite Planungssicherheit - auf der anderen Seite die Gewissheit, dass der Gesundheitsschutz nicht zur Nebensache wird, sondern dass dieser eine hohe Bedeutung für die Arbeit in den Schulen hat." Und das immer wieder in Einklang zu bringen - dazu gehört auch, es regelmäßig zu aktualisieren.

Wir befinden uns mittlerweile fast im Tagesrhythmus, um immer wieder draufzuschauen, die eigenen Planungen zu überprüfen, ob sie standhalten. Aber auch jetzt gilt, das, was wir gesagt haben, das Szenario A, der Regelbetrieb, das ist jetzt verantwortbar umzusetzen.

Meine Töchter gehen beide in die Grundschule und da wurde letzte Woche im Unterricht eine CD gespielt. Und alle Kinder haben sofort angefangen mitzusingen, ganz begeistert. Und die Lehrerin hat gesagt: "Nein, Singen ist nicht erlaubt." Mir bricht da das Herz. Denken Sie manchmal auch, was muten wir unseren Kindern da eigentlich zu?

Tonne: Wir sind uns alle miteinander einig, dass wir ganz viele Auflagen, wenn es nur nach uns ginge, nicht machen möchten. Aber das ist halt der Punkt, dass wir erwarten, dass die Schule ein sicherer Ort ist, wo Sie Ihre Kinder guten Gewissens hinschicken, in den alle Lehrkräfte, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit demselben guten Gefühl hingehen. Und dazu gehört nun einmal, dass wir noch Einschränkungen haben. Das gemeinsame Singen ist innerhalb von geschlossenen Räumlichkeiten eben eine größere Gefahrenquelle, als wir es zulassen möchten. Es geht aber mit ensprechendem Abstand unter freiem Himmel. Bei schönem Wetter kann man das also noch draußen machen.

Das Gespräch führte NDR Kultur Moderator Philipp Schmid.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 25.08.2020 | 08:15 Uhr