Stand: 25.04.2019 08:02 Uhr

Schloss Gottorf zeigt Bilder von Hans Olde

von Frank Hajasch

Wer an den deutschen Impressionismus denkt, denkt oft an Max Liebermann. Dabei hat auch ein norddeutscher Maler die damals neue Stilrichtung in Frankreich studiert und sie mit in die Heimat gebracht: Hans Olde, der Ältere. Ihm widmet Schloss Gottorf in Schleswig ab Donnerstag eine große Sonderschau.

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Das Bild von Friedrich Nitzsche gehört zu den bekanntesten Werken von Hans Olde.

Man kann nicht anders. Wer durch die Glastür der alten Reithalle auf Schloss Gottorf geht, sieht dieses Gemälde: ein goldgelbes Getreidefeld nach der Ernte. Eine norddeutsch-hügelige Knicklandschaft in Schleswig-Holstein, in der sich Heugarben zum Himmel recken - und wo eine alte Bäuerin mühsam gebückt ihre zerfurchten Hände über den Acker hält. "Die Ährenleserin" von 1887 sei ein zentrales Bild im Werk von Hans Olde, erklärt Kuratorin Uta Kuhl: "Er hat es gemalt, nachdem er 1886 das erste Mal in Paris war. An der Académie Julian hat er studiert und die französische Malerei kennengelernt. Und natürlich auch die Ährenleserinnen von Millet."

Trotz der Farbwucht, der Gegenlicht-Konturen, dem Ausleuchten der Fläche: Das Gemälde ist noch ganz im Stil des Realismus. Es zeige diese typische Sozialkritik, sagt Uta Kuhl: das Alter der Frau, ihre harte, einsame Arbeit. Es zeige aber auch, dass Hans Olde seine Themen gekannt habe: als Sohn eines Gutsbesitzers, mit einem Studium der Landwirtschaft, lange vor der Malerei.

Einfluss der Münchner Schule

Der entscheidende stilistische Umbruch, der auch durch die Arbeiten von Claude Monet vorangetrieben wurde, kam dann in den 1890er-Jahren. Hier ist es das Motiv, der neue Blick. Aber es ist nicht ausschließlich ein französischer Einfluss, sondern auch der der Münchner Schule. Olde studierte die Freilichtmalerei, die in Deutschland auch schon betrieben wurde.

Und dann kommt der Punkt, wo Uta Kuhl schmunzeln muss: Ihre Kollegin Ann Henningsen, Restauratorin des Hauses, habe bei den Recherchen zum Bild "Die Ährenleserin" eine Entdeckung gemacht, die sie den Besuchern an einer der Hörstationen in der Ausstellung erzählen würde: "Ich habe herausgefunden, dass sich auf der Leinwandrückseite eine große Landschaftszeichnung befindet, die offensichtlich eine Vorstudie ist und zu dem Gemälde "Hünengrab" gehört, das auch in der Ausstellung ist," erzählt sie. Da taucht also ein gedankliches Motiv auf, das sieben Jahre später, auf neuer Leinwand, auf einmal impressionistisch wird: als Malerei in der Natur, mit hohen Bäumen, die einen tiefgezogenen Horizont rahmen. Mit leuchtendem Himmelblau über der Ostsee und erdigem Rot für den Waldboden. In kurzem, schwungvollem Pinselstrich, "Impressionistischer Farbwirbel", sagt Uta Kuhl.

Bilder von Hans Olde

Hans Olde im Farbrausch

"Der Impressionismus, der ausgeht von dem Eindruck des Sehens, ist das, was Olde verstanden hat, als er Monets Studien von den Getreideschobern gesehen hat, wo eine ganze Serie von Gemälden zu immer wechselndem Licht, zu immer wechselnden Tageszeiten gemalt wurde. Das ist nicht das Sujet, was gemalt wurde, sondern wie der Maler es sieht und es umsetzt."

Mitte der 1890-er Jahre zeigt sich Olde dann wie im Farbrausch. Ein Rapsfeld an der Ostsee könnte nicht besser in die Zeit passen: Knallgelb leuchten die Blüten. Der pastose Farbauftrag verleitet, in die flirrende Masse zu greifen. Und dann die Ostsee selbst: Im Gemälde "Am hohen Uferrand" zeigt sie eine Textur, die den Pointilismus vorwegnimmt: kleine, getupfte Farbsprengsel, die Wasser schimmern und Wolken reflektieren lassen. "Olde hat schon einen großen Sensus für die Wirkung des Lichtes, für die Wirkung eines lockeren Pinselstrichs. Und ich glaube, er war auf der Suche. Und jetzt hatte er endlich die künstlerischen Mittel," sagt Kuhl.

Olde malte berühmtes Nietzsche-Portrait

Hans Olde war aber auch Zeichner. Auf der Empore in der Reithalle hängen Blätter, die allein mit ihrer Genauigkeit der damals aufkommenden Fotografie in nichts nachstanden. Und dann das Kabinett mit den Porträts: "Das Besondere ist, dass die Porträts von Schriftstellern wie Klaus Groth oder Detlev von Liliencron keine klassischen Auftragsarbeiten waren, sondern dass er mit ihnen befreundet war", so Kuhl.

Eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das Olde-Porträt überhaupt ist ein Bild von Friedrich Nietzsche. Wer immer ein Konterfei des Philosophen zur Hand nehme, sehe dieses Motiv von 1899, so die Kuratorin: den Kopf des Denkers, der tief versunken in die Ferne schaut. "Das Grandiose an der Radierung ist, dass Olde deutlich machen kann, dass Nietzsche trotz der Demenz-Krankheit noch der Philosoph ist. Dass der Philosoph noch seine Würde hat," sagt Kuhl. Für diese Radierung entstanden viele Vorstudien. Auch sie sind in der großen Sonderschau "Impressionist des Nordens. Hans Olde d. Ä." zu sehen.

Schloss Gottorf zeigt Bilder von Hans Olde

Nicht nur Max Liebermann, auch ein Norddeutscher widmete sich dem Impressionismus: Hans Olde, der Ältere. Nun sind seine Werke in einer Sonderausstellung in Schloss Gottorf zu sehen.

Datum:
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Ort:
Museum für Kunst dun Kulturgeschichte Schloss Gottorf
Schlossinsel 1
24837  Schleswig
Telefon:
+49 (0) 46 21 81 32 22 (Information, Reservierung, Buchung)
E-Mail:
service@landesmuseen.sh
Preis:
3 - 9 Euro
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten bis 31.10.2019
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 25.04.2019 | 19:00 Uhr

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