Blick vom Wasser auf den Stadthafen Rostock © picture alliance / Zoonar / Rico Ködder Foto: Rico Ködder

Schleppende Planung für Archäologisches Landesmuseum MV

Stand: 04.01.2021 06:00 Uhr

Das Archäologische Landesmuseum für Mecklenburg-Vorpommern soll am Rostocker Stadthafen errichtet werden. 55 Millionen Euro sind für den Neubau zusagt. Doch wann es losgeht, ist völlig unklar.

von Axel Seitz

Bereits seit 1992 wartet Mecklenburg-Vorpommern auf dieses Museum. Die Finanzierung des Projekts steht: 40 Millionen kommen vom Land, 15 Millionen von der Hansestadt. Doch viele Fragen sind noch unbeantwortet: Wann kommt der Architektenwettbewerb? Wann ist Baubeginn? Wann wird das Museum eröffnet? Hans-Jörg Karlsen ist Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Uni Rostock und der designierte Museumschef. Von einem verlorenen Jahr 2020 möchte Karlsen nicht sprechen, räumt aber ein: "Was den Bau anbelangt, sind wir in der Tat nicht weitergekommen. Aber ich sehe dieses Museum letztlich als Showroom, wo wir erst einmal auch Inhalte kreieren müssen. Deswegen sehe ich das Jahr 2020 zumindest was die Basisarbeit anbelangt als kein verlorenes. Aber im baulichen Aspekt sind wir in diesem Jahr nicht weitergekommen."

Architektenwettbewerb soll bald ausgeschrieben werden

Vor einem Jahr hatte Hans-Jörg Karlsen schon darauf gesetzt, dass der Architektenwettbewerb gestartet werden kann, nun hofft der designierte Leiter des Archäologischen Landesmuseums für Mecklenburg-Vorpommern auf die kommenden Monate: "Es bleibt bei dem Wunsch des vergangenen Jahres, nämlich der Beginn der Ausschreibung des Architektenwettbewerbs. Ich glaube, wenn der stattfindet, dann hat man schon eine architektonische Vision vor Augen, die man beispielsweise bei der BUGA schon zeigen kann."

Baubeginn vor Bundesgartenschau 2025?

Eine Grafik zeigt einen Entwurf des Stadthafens in Rostock zur Bundesgartenschau BUGA 2025 mit einem neuen Landesmuseum (links), einer Fußgängerbrücke über die Warnow und einer Markthalle (rechts). © Hanse- und Universitätsstadt Rostock
Der Entwurf des Rostocker Stadthafens mit einem neuen Landesmuseum (links), einer Fußgängerbrücke über die Warnow und einer Markthalle (rechts).

Wann konkret mit dem Wettbewerb begonnen werden kann, ist noch offen. Aus dem zuständigen Finanzministerium verlautete, dass gerade die Vereinbarung mit der Hansestadt Rostock vorbereitet werde. Die Verantwortlichen seien zuversichtlich, den Architektenwettbewerb 2021 ausloben zu können. Wann genau, blieb offen. 2025 solle es aber auf jeden Fall eine Bundesgartenschau (BUGA)in der Hansestadt geben. Somit stellt sich die Frage, ob bereits vor BUGA-Beginn mit dem Museumsbau am Stadthafen begonnen werden kann.

Bürgerschaft beschließt 15 Millionen beizusteuern

Rostocks ehemaliger Oberbürgermeister Roland Methling, der inzwischen dem Freundeskreis Archäologisches Landesmuseum angehört, ist für einen frühzeitigen Baubeginn: "Das ist auch der Wunsch im Freundeskreis, dass wir bereits 2025 zur BUGA erste Elemente dieses Museums auf dem neuen Stadthafenplateau in Rostock erleben können." Für Methling war das vergangene Jahr ebenfalls kein verlorenes auf dem Weg zum Museum: "Ich glaube, wir haben einen erheblichen Schritt auf das Archäologische Landesmuseum nehmen können. Ich denke, dass wir mit dem Beschluss, den die Rostocker Bürgerschaft im Oktober getroffen hat, nämlich, 15 Millionen Euro verbindlich für den Neubau beizusteuern - das war schon mal ein Durchbruch."

Carsten Schmoldt © NDR Foto: Axel Seitz
Carsten Schmoldt von der "Initiative pro Archäologisches Landesmuseum" fordert mehr Tempo bei der Planung.

Diesen Durchbruch - den Bürgerschaftsbeschluss - hatten sich viele Beteiligte allerdings bereits zum Jahresanfang 2020 erhofft, darunter auch die rund 200 ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger in Mecklenburg-Vorpommern. Einer von ihnen ist Carsten Schmoldt. Der 46-Jährige engagiert sich seit Jahren in der "Initiative pro Archäologisches Landesmuseum". "Mehr Zug darf da gerne rein. Ich als Tierarzt habe jeden Tag Zug und den verspüre ich nicht unbedingt auf beiden Seiten, weder auf Landesseite noch auf Rostocker Seite. Aber verloren war 2020 nicht. Das ist aus meiner Sicht natürlich alles viel zu langsam. 2021 muss der Architekturwettbewerb losgehen, es müssen die Stellen dafür geschaffen werden", hofft Schmoldt.

Karlsen wartet auf Stellenausschreibung

Doch gerade diese Stellen für Wissenschaftler, die das Archäologisches Landesmuseum fachlich und inhaltlich gestalten, sind nach wie vor nicht besetzt. "Sie sind in den nächsten Haushaltsplan überführt worden. Aber die Stellen sind noch nicht ausgeschrieben worden. Da hoffen wir, dass wir damit 2021 an den Start gehen können", sagt Hans-Jörg Karlsen, der bislang keine Informationen aus dem Kultusministerium bekommen hat, wann diese Stellen besetzt werden.

Hans-Jörg Karlsen © NDR Foto: Axel Seitz
Der zukünftige Museumsdirektor Hans-Jörg Karlsen sieht dringenden handlungsbedarf bei der Besetzung von Stellen.

Der künftige Museumsleiter hofft zudem darauf, dass zumindest das Gelände für das Museum bis zur BUGA aufgeschüttet ist. Ebenso denkt Carsten Schmoldt: "Davon gehe ich aus, dass muss auch passieren. Diese Baulandgewinnung dauert mehrere Jahre. Bis sich der Untergrund verdichtet hat, braucht es drei, vier Jahre. Wie ich das verstanden habe, ist auch bei der BUGA diese Fläche mit eingeplant, sodass man dort zum Beispiel für das Archäologische Landesmuseum werben kann. Man will ja an der Stelle kein großes Bauloch haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man mit der Baulandgewinnung erst nach 2025 anfängt."

Drei bis vier Jahre für die Baulandgewinnung sind eine lange Zeit. Die Bauarbeiten können allerdings erst nach einem Architektenwettbewerb beginnen, von dem nicht bekannt ist, wann er startet und wann hier ein Ergebnis vorliegt. Vor Ende 2021 keinesfalls, schätzen Experten. Dann sind noch drei Jahre Zeit bis zur Bundesgartenschau 2025 in Rostock. Egal, ob mit dem Bau für das Museum vor oder möglicherweise auch erst nach der BUGA begonnen wird, es dauert noch eine ganze Weile, bis das Archäologische Landesmuseum Besucher empfängt. Denn zwei bis drei Jahre Bauzeit sind ebenso realistisch wie weitere anderthalb Jahre für die Einrichtung der Ausstellung. Da kann sich jeder ausrechnen, wann das Archäologische Landesmuseum für Mecklenburg-Vorpommern öffnet - am Ende dieses Jahrzehnts.

Weitere Informationen
"Thorshammer", Amulette, Fundstück aus dem "Rügener Silberhort" © Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum

Archäologisches Landesmuseum MV - ein weiter Weg

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 04.01.2021 | 19:00 Uhr