Sendedatum: 11.01.2019 19:00 Uhr

Schauspielhaus: Ulrich Tukur liest Moby Dick

von Danny Marques Marcalo

Der größte Roman über die Seefahrt, das ist "Moby Dick", sagen einige. Und sicher einer der beliebtesten Schauspieler, das ist Ulrich Tukur, sagen andere. Gestern Abend sind beide im ausverkauften Schauspielhaus zusammengekommen, als Ulrich Tukur aus dem legendären Roman von Herman Melville gelesen hat.

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Schauspieler Ulrich Tukur wird bei der Lesung von Pianist Sebastian Knauer musikalisch begleitet.

Den Verstand hat Ulrich Tukur an diesem Abend nicht verloren. Er ist mit ganzem Körpereinsatz dabei, wenn er die Textpassagen von Käpt'n Ahab spricht, der an nichts anderes denken kann, als den Wal Moby Dick zu fangen. "Dieses Goldstück wird dem gehören, der mir als erster den weißen Wal meldet. Genau den weißen Wal, dem ich mit meiner Lanze drei Löcher in seinem Schwanz beigebracht habe und der mir das Bein abgerissen hat. Wenn ihr nur eine Blase davon seht, dann ruft es aus." (Auszug aus dem Roman). Das Blut schießt ihm in den Kopf. Angespannt zappelt er auf seinem Stuhl, wirft ihn dabei fast um.

"Melville benutzt eine archaische, unglaublich kraftvolle Sprache, die sehr tief geht. Das bekommt Sprache hin. Das ist große Dichtung. Melville ist eine Spur verrückt, grob und rau, benutzt biblische Metaphern und hat einfach eine fantastische Sprache", so Tukur. Als Teenager habe er "Moby Dick" das erste Mal gelesen und wieder vergessen, bis er vor einem Jahr kurzfristig für den erkrankten Klaus Maria Brandauer einsprang. Mit der Seefahrt kann er aber nicht viel anfangen: "Ich bin Süddeutscher. Natürlich ist das Meer faszinierend, es zieht uns aber alle in den Abgrund. Es ist schön und gleichzeitig bedrohlich. Ich bin aber nicht der Seefahrertyp", so Tukur.

Wilde und sanfte Töne von Pianist Sebastian Knauer

Begleitet wird Ulrich Tukur an diesem Abend von Pianist Sebastian Knauer. Mal ist die Musik wild wie ein Sturm, mal sanft wie eine angenehme Brise in der Sonne. Sebastian Knauer hat den Abend unter anderem zusammen mit seinem Vater entworfen, der am letzten Tag der Arbeiten an der neuen Fassung gestorben ist. Knauer wollte abbrechen, doch Tukur überredete ihn zum Weitermachen - für seinen Vater.

Knauers Musik ist eine ideale Ergänzung zu Tukurs überzeugendem Vortrag. Melvilles anspruchsvoller Text wird zu großem Kopfkino. Nach anderthalb Stunden ist die positive Tour de Force zu Ende. Minutenlang werden Tukur und Knauer vom Publikum gefeiert. Und wegen der großen Nachfrage gibt Ulrich Tukur am 8. Februar noch eine Zusatzvorstellung im Schauspielhaus.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 11.01.2019 | 19:00 Uhr

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