Stand: 13.02.2019 16:31 Uhr

Neubrandenburg zeigt "Wer ist Jenny Jannowitz?"

von Thomas Köhler

Macht Arbeit krank? Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland haben diese Frage mit "Ja" beantwortet. Diese Zahlen gab das Statistische Bundesamt schon vor zehn Jahren heraus. Das sind immerhin mehr als sechs Prozent aller Beschäftigten. Und die Tendenz ist steigend, sagen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Für die Theaterleute in Neubrandenburg und Neustrelitz war das der Anlass, dieses Thema auf ihre Art und Weise auf die Bühne zu bringen. "Wer ist Janny Jannowitz?" heißt das Stück von Michel Decar, dass Sonnabend seine Premiere erleben wird.

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Das Ensemble des Theaterstücks "Wer ist Jenny Jannowitz?".

Karlo Kolmar kommt zu spät, zu spät zur Arbeit. So etwas gab es in seinem Leben bisher noch nicht. Immer will er es allen recht machen. Und das ist schon schwer genug. Aber versucht hat er es wenigstens. Rangeklotzt hat er, was das Zeug hält. Jahr für Jahr. Tag für Tag. Heute aber ist alles anders. Er kommt zu spät, zu spät zur Arbeit. Doch statt ihn zu feuern, schickt der Chef ihn in Urlaub. Karlo versteht die Welt nicht mehr. Sie steht für ihn auf dem Kopf: "Carlo ist ein sehr getriebener Mensch. Er versucht die ganze Zeit, Anschluss zu finden, herauszufinden, was ist hier los. Er kann es aber nicht greifen", sagt Benjamin Muth, der Karlo Kolmar spielt. Für den 31-jährigen Hessen ist es in seine erste Hauptrolle in Neubrandenburg.

Ein Leben wie im Hamsterrad

Rasant wechseln in der Komödie die Bühnenbilder. So glaubt man Kolmar mal auf einem Flughafen, mal in einer Großstadt und ein anderes Mal auf einer einsamen Insel. Ein Leben wie im Hamsterrad. "Karlo wird von den ganzen Figuren um ihn herum zum Spielball gemacht", sagt Hauptdarsteller Benjamin Muth. So bleibt es nicht aus, dass man sich fragt: Ist Karlo Kolmar krank? Hat er eine Depression? Einen Burn out? Liegt er im Koma? Ist er vielleicht gestorben? Ständig wird er von seiner Freundin umgarnt. Die heißt mal Sybille, mal Susanne, dann Sabine, Simone, Sonja, Saskia oder Svenja. Doch Carlo ist kein Schürzenjäger - er hat nur diese eine Freundin: "Diese sieben S-Figuren begleiten ihn. Es werden verschiedene Stufen einer Beziehung durchlebt", so Muth.

Und wer ist Jenny Jannowitz? Elvira Kleinke gibt ihr ein Gesicht: "Jeder hat eine Jenny. Jeder von uns hat mal Momente wo es nicht so läuft. Und dann kommt sie. Mal ist es ein Idee, mal ein Moment, mal eine dunkle Frau - jeder hat eine andere Definition."

Benjamin Muth in der Hauptrolle des Carlo und Elvira Kleinke in der Titelrolle der Jenny Jannowitz. Sie halten auf der Bühne die Stellung, während sich ihre Mitspieler hinter den Kulissen in zahlreiche andere Figuren verwandeln. Dabei müssen sie auch damit rechnen, dass mal jemand im falschen Kostüm erscheint, sagt Elvira Kleinke: "Das ist immer die Möglichkeit. Man kann nicht zurückspulen, man kann nicht löschen. Theater ist live. Es ist jetzt und hier. Und das ist ja auch das Spannende."

Schutzengel oder Fee?

Und wenn dann der Vorhang fällt, bleibt es dem Zuschauer überlassen, seine Entscheidung zu treffen, wer Jenny Jannowitz ist. Für die einen vielleicht ein Schutzengel, für andere eine Fee oder gar ein Wesen aus einer anderen Welt. Niemals da, und doch immer wieder in unseren Gedanken. Eine Traumrolle für Elvira Kleinke, die seit 26 Jahren auf der Bühne steht: "Das ist mein Traumberuf und ich bin sehr froh, sehr dankbar und sehr glücklich, dass ich ihn hier in Neustrelitz/Neubrandenburg ausüben darf." Zumindest sie gibt dem Zuschauer eine Antwort: Nein, Arbeit macht nicht krank, sie macht glücklich. Elvira Kleinke und Benjamin Muth ist genau das bei ihrem Spiel auch anzusehen.

Neubrandenburg zeigt "Wer ist Jenny Jannowitz?"

Macht uns Arbeit krank? Zwei Millionen Deutsche sagen "Ja". In Neubrandenburg ist das Anlass, das Stück "Wer ist Jenny Jannowitz?" auf die Bühne zu bringen. Am Sonnabend ist Premiere.

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Schauspielhaus Neubrandenburg
Pfaffenstraße 22
17033   Neubrandenburg
E-Mail:
serviceNB@landestheater-mecklenburg.de
Preis:
26 bis 17 Euro
Hinweis:
Service-Telefon: 0395/569 98 32
Di-Fr: 10-13 Uhr und 13:30-17 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 13.02.2019 | 19:00 Uhr

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