Walter Plathe als Dr. Teschner und Gerhard Olscheswki als Hinnerksen in der ZDF-Serie "Der Landarzt" © picture alliance / United Archives Foto: United Archives / kpa

Schauspieler und "Landarzt" Walter Plathe ist 70

Stand: 05.11.2020 16:02 Uhr

Walter Plathe war in der DDR ein anerkannter Schauspieler, bevor er in ganz Deutschland als "Der Landarzt" im ZDF bekannt wurde. Am 5. November hat er seinen 70. Geburtstag gefeiert.

von Axel Seitz

Nur zwei Dinge hätten ihn in seiner Schulzeit interessiert, erinnert sich Walter Plathe: Tiere und Gedichte. Zunächst wurde er in den 1960er-Jahren Fachverkäufer für Zoologie, dann entschied sich Plathe doch noch für die Schauspielerei. Mit zahlreichen Rollen machte sich der Berliner in der DDR einen Namen, bevor er in den Westen ging und vor allem im norddeutschen Raum erfolgreich war.

Auf dem Programm der Schlossfestspiele des Mecklenburgischen Staatstheaters stand im Sommer 2013 die Operette "Die Fledermaus" mit Walter Plathe als Gerichtsdiener Frosch: "Ob das Hans Moser oder Peter Alexander war - die haben alle den Frosch schon einmal gespielt. Für einen Komödianten ist es schon ein Spaß und ein Erlebnis, die Rolle spielen zu dürfen. Zumal wir Schauspieler uns nicht so oft in der Operette herumtreiben, denn so viele Schauspielrollen gibt es da nicht. Das ist eine sehr komödiantische Rolle und deshalb freue ich mich darauf", hatte Plathe damals erklärt.

Erstes Engagement am Staatstheater in Schwerin

Der Schauspieler Walter Plathe © picture alliance/Christoph Soeder/dpa Foto: Christoph Soeder
Auch nach fünf Jahrzehnten auf der Bühne und vor der Kamera ist Walter Plathe mit Leidenschaft Schauspieler.

Für Walter Plathe war es nach rund vier Jahrzehnten eine Rückkehr an die Schweriner Theaterbühne: "Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin war mein erstes Engagement nach der Ausbildung an der Berliner Schauspielschule. Ich bin hier 1971/72 angekommen. 450 Mark, 375 ausgezahlt, kein eigenes Zimmer. Schwerin sah damals noch furchtbar aus. Aber das war alles nicht so wichtig. Wichtig war das Theater, und das war hier immer sehr, sehr gut", erinnert sich der Schauspieler an seine Anfänge.

Holpriger Start an der niederdeutschen Fritz-Reuter-Bühne

Wobei der Start für den damals sehr jungen Mann gar nicht so erfolgreich war. Seine erste Rolle hatte er an der niederdeutschen Fritz-Reuter-Bühne des Schweriner Theaters: "Als ich etwa eine Woche dort war, sagte der Oberspielleiter, ich sollte mal hingehen, die hätten morgen oder übermorgen Premiere und da sei jemand krank geworden. Also ging ich hin und der Regisseur sagte zu mir: Stellen Sie sich vor, hier sitzt eine Kaffeegesellschaft und sie reißen die Tür auf und rufen rein "Wenn ...". Ich fragte: Was soll ich sagen? Was heißt denn das?" Obwohl Plathe den kurzen Auftritt im Niederdeutschen vermasselte, war dies der Beginn einer langen und erfolgreichen Schauspielkarriere.

Shakespeare, Molière und erste Filmrollen

Walter Plathe stand unter anderem in einer Hamlet-Inszenierung, in "Der nackte König" von Jewgeni Schwarz, in Frank Wedekinds "Der Kammersänger" sowie in Stücken von Nikolai Chaitow und Molière auf den Bühnen des Mecklenburgischen Staatstheaters, das er nach drei Spielzeiten wieder verließ. Zunächst musste er seinen Wehrdienst bei der NVA leisten, dann war Walter Plathe am Theater der Freundschaft in Berlin engagiert. Neben der Bühnenarbeit übernahm Walter Plathe erste Filmrollen und wurde in der DDR zum Publikumsliebling, unter anderem mit den Serien "Märkische Chronik" und "Treffpunkt Flughafen".

Publikumsliebling verlässt die DDR

Im Sommer 1989 kehrte Walter Plathe dann aber seiner Heimat den Rücken: "In erster Linie waren es politische Gründe. Man wollte das einfach nicht mehr mittragen. Es ist ja so: Jeder, der sich öffentlich artikuliert, macht - ob er das will oder nicht - Politik. Wenn man dann nicht bereit ist, diese Politik des Landes mitzutragen, dann muss man eben die Konsequenz ziehen", findet Plathe. "Das war nicht leicht. Vom Lager Marienfelde in Westberlin konnte ich immer den Fernsehturm sehen - das tat weh. Aus diesem Grund bin ich erst mal nach Hamburg gegangen, weil ich da Freunde hatte. Aber dann ging alles so schnell. Dank der Presse in der DDR, die groß aufgebauscht hatte, dass ich abgehauen bin, hat es auch der letzte Produzent in Westdeutschland mitbekommen, dass ich jetzt da bin."

Vom Großstadtrevier zum "Landarzt"

Walter Plathe und Karin Düwel als Dr. Teschner und Dr. Schwarzenberg-Teschner in der ZDF-Serie "Der Landarzt" © picture alliance / United Archives Foto: United Archives / kpa
An der Seite von Karin Düwel spielt Walter Plathe den "Landarzt". Nach 17 Jahren bemängelt er fehlende Ideen: "Immer wenn denen nichts mehr einfiel, bekam ich eine neue Frau."

Walter Plathe spielte dann im Großstadtrevier ebenso mit wie im NDR Tatort an der Seite von Manfred Krug. Es folgten 17 Jahre in "Der Landarzt" als Dr. Teschner im ZDF, angelegt im beschaulichen Schleswig-Holstein: "Es war eine hübsche Serie, sagen wir mal so. Die Besetzung war toll, deswegen habe ich das auch mit großer Freude gemacht. Wo findet man schon so einen guten Haufen wie Gerhard Olschewski, Gerd Haucke, Heinz Reincke, Eva-Maria Bauer und so weiter. Das waren alles tolle Schauspieler." Eine schöne Rolle, doch Plathe ist sich sicher: "Die widersprüchlichen und die anspruchsvollen Sachen habe ich eigentlich in der DDR gemacht."

Plathe: "Theater ist die Mutter des Ganzen"

Nach dem "Landarzt" konzentrierte sich Walter Plathe wieder mehr auf das Theater: "Am Film hatte ich gar kein großes Interesse mehr. Nach einigen Jahren wollte ich gern mal wieder einen Film machen, aber da war kein Interesse mehr für mich. Ich trauere dem nicht nach. Ich fühle mich nach wie vor sehr wohl auf der Bühne. Und ich sag mal, wenn wir ehrlich sind: Theater ist schon die Mutter des Ganzen."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 05.11.2020 | 19:00 Uhr