Stand: 09.04.2019 10:59 Uhr

Mit Bela B. unterwegs im "Scharnow"-Universum

von Maren Ahring

Bela B. Felsenheimer hat gerade viel um die Ohren: Seine Band Die Ärzte hat einen neuen Song auf den Markt gebracht, im Sommer gehen die Punkrocker dann wieder auf Tour. Außerdem spielt der Schlagzeuger in der Serie "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" mit und mit seinem Buch "Scharnow" ist er auf Lesereise quer durch Deutschland.

NDR Kultur Redakteurin Maren Ahring und Bela B. © NDR/ Maren Ahring Foto: Maren Ahring
NDR Kultur Redakteurin Maren Ahring hat Bela B. auf der Leipziger Buchmesse getroffen.

Unter seinem Nadelstreifen-Sakko und dem aufgeknöpften Hemd blitzt ein T-Shirt hervor. Darauf steht in großen Buchstaben: "Spiegel-Bestseller!" "Ich bin sehr stolz drauf", sagt Bela B. ganz ohne Selbstironie, "es wäre ja auch Blödsinn, wenn ich nicht stolz wäre. Es ist keine Koketterie, wenn ich sage, dass ich es nicht für den Erfolg geschrieben habe. Ich hab es für mich geschrieben. Ich wollte ein Buch schreiben, dass mir gefällt."

"Erzähle gerne Geschichten"

Ende Februar ist sein erster Roman erschienen. Drei Jahre Arbeit stecken drin: "Als Musiker, als Song- und Textschreiber gehöre ich auch zu den Leuten, die in ihren Songs gerne Geschichten erzählen. Also dann auf drei Minuten runtergebrochen. Insofern sammle ich ständig Geschichten, Begebenheiten, Beobachtungen, die ich habe, und die hebe ich dann auf und notiere sie mir. Oft behalte ich sie aber auch im Kopf - und irgendwann müssen die mal raus."

Herausgekommen ist "Scharnow". Das Buch spielt in einem fiktiven Dorf, nördlich von Berlin. Angelehnt ist es an Berlin-Spandau, wo Bela B. in den 1960er- und 70er-Jahren aufwuchs und noch Dirk Felsenheimer hieß. Worum es im Roman geht, ist allerdings nicht ganz so leicht zu beschreiben.

„Es sind natürlich sehr viele Figuren. Aber diese Figuren treffen ja ständig auf jeder Seite Entscheidungen, die das Leben von anderen Figuren in dem Buch beeinflussen", erzählt der Musiker und fügt hinzu: "Aber eigentlich gibt es sechs Figuren, denen wir folgen in dem Buch. Der Faden, der sich da durchzieht, das sind die Orte und der Zeitpunkt. Also, es gibt einen Tag X, einen Tag danach, zwei Tage danach, ein dritter Tag danach und 14 Tage später. Und alle Dinge, die in dieser Zeit passieren, bedingt durch die Sachen, die am Tag X passiert sind."

Fliegende Menschen und telepathische Tiere

Es gibt fliegende Menschen, verschiedene Männerbünde und telepathische Tiere. Bela B. sieht seinen Roman als Rummelplatz, als Spielwiese. Und man erkennt die Handschrift eines Film-Nerds - wie er sich selber nennt. Viele Szenen erinnern an Tarantino-Filme, Mystery-Serien oder Comic-Superhelden.

Für Leser ist das sehr unterhaltsam: Man muss oft schmunzeln - oder einfach laut lachen. So wie Bela B., wenn er Kritiken über sein Buch liest. Aus einer, die bei einem Online-Buchhändler erschienen ist, zitiert er besonders gerne. Eine Leserin schrieb, "dass dieses Buch wie ein Wälzer herüberkommt, was es aber nicht ist. Denn es gibt ganz viele Leerseiten und Absätze in diesem Buch, die völlig unnötig sind. Es sind nämlich mindestens 85 Seiten Leerstand in dem Buch." Und natürlich hat er noch einmal selbst nachgezählt: "Und ich bin auf 75 gekommen - wirklich mit Absätzen und allem. Ich kann seitdem kein Buch mehr unbefangen in die Hand nehmen - das ist echt witzig."

Nächstes Mal gibt's Champagner, Kaviar und Hummer

Der Erfolg von "Scharnow" ist Bela B. aber auch ein bisschen unheimlich, das gibt er offen zu: "Dass dieses Buch wirklich so erfolgreich sein würde, wie es jetzt ist, das haut mich ehrlich gesagt um - macht mir ein bisschen Angst. Und ich bin froh, dass ich auf Lesereise und jeden Tag mit Menschen konfrontiert bin und nicht alleine zu Hause sitze und da irgendwas wächst und mir dann möglicherweise Allüren zulege, von denen man so viel hört."

Eine Fortsetzung hat er zwar noch nicht geplant, aber für ihn steht dennoch fest: "Ich weiß nur, dass wenn ich ein nächstes Buch schreibe, dann wird das in diesem Scharnow-Universum stattfinden. Das ist mir so lieb und so vertraut geworden, dass ich es sicher schaffe, unter zwei Jahren ein zweites Buch zu schreiben."

Und dann blitzt es in seinen Augen, die Selbstironie ist wieder da und Bela B. fügt grinsend hinzu: "Meinem Verleger habe ich schon angedroht, beim zweiten Buch gibt’s richtig Allüren: Champagner, Kaviar, Hummer - ohne gehe ich nicht mehr auf Lesereise."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 08.04.2019 | 18:20 Uhr

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