Stand: 05.12.2018 12:11 Uhr

"Robin Hood": Auch Mädchen können Robin heißen

von Katja Weise

Zu keiner anderen Jahreszeit sind so viele Kinder und Jugendliche im Theater anzutreffen wie in der Vorweihnachtszeit. Große und kleine Bühnen locken mit Familienstücken wie "Das Sams", "Der Zauberer der Smaragdenstadt", oder "Der satanarchäolügenialkolhöllische Wunschpunsch". Markus Bothe inszeniert am Hamburger Schauspielhaus die Uraufführung von "Robin Hood". Am 6. Dezember hat das Stück Premiere.

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In "Robin Hood" verkleidet sich ein Mädchen als Junge und geht so in den Sherwood Forrest.

Markus Bothe denkt Geschichten gerne gegen den Strich: Auch Mädchen können Robin heißen. "Bei uns ist es ein Mädchen, was sich - aus der Not heraus, sich verstecken zu müssen - verkleidet und dann nicht mehr den richtigen Punkt findet, wo sie sich wieder als die diejenige zu erkennen geben kann, die sie wirklich ist", sagt Bothe. Als Junge taucht sie im Sherwood Forrest unter und findet hier Gefährten, mit denen sie Reiche überfällt. Die Verfolger sind Robin stets auf den Fersen, aber auch sie durchschauen die Verkleidung nicht.

Liebe zu Familienstücken

"Robin Hood" ist schon Bothes fünftes Familienstück am Schauspielhaus. Er kommt eigentlich von der Musik, hat Oboe und Klavier gespielt, später dann in Hamburg Musiktheaterregie studiert, doch auf Operninszenierungen allein wollte er sich nie festlegen. Er sei ein "Gemischtwarenladenregisseur": "Es gibt Liebe zur Oper und Liebe zum Schauspiel, und ich finde das mit den Familienstücken in der Tat ganz toll, und das ist noch mal was ganz anderes."

Kinder nicht für blöd verkaufen

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Doch eins bleibt immer gleich, unabhängig vom Genre: Bothe will Geschichten erzählen und dabei auf gar keinen Fall mit Zaunpfählen winken. Prägend war für ihn ein erster Opernbesuch in den 70er-Jahren - "Hänsel & Gretel" in seiner Geburtsstadt Mannheim: "Das war so, dass ich als damals Siebenjähriger dachte: Na, das machen die irgendwie nicht für die Kinder im Publikum, sondern höchstens für die Großmütter, die vielleicht denken, ihre Enkel seien ein bisschen schwer von Kapee. Da fühlte ich mich wirklich für blöd verkauft. Das versuche ich in den Familienstücken, die ich betreue, zu vermeiden."

Aktuelle Bezüge

Und deshalb gibt es dezente, aktuelle Bezüge. Die Idee, "Robin Hood" zu inszenieren, entstand während des G20-Gipfels in Hamburg. Plötzlich standen für Markus Bothe und seine Dramaturgin Nora Khuon Fragen im Raum wie: Was ist Gerechtigkeit, wann fängt Selbstjustiz an, Anarchie, zumal in einer Gesellschaft, in der Wahrheit und Lüge zu verschwimmen drohen? "Wir haben keinen Donald Trump auf der Bühne. Aber das sind natürlich Fragen, die man sich stellt, wenn man in einem Rechtssystem lebt, in dem der Präsident sagen kann: 'Das ist ja alles gar nicht wahr, das ist ja alles Lüge.' Da zu eigenen Überzeugungen zu kommen oder zu eigenen Überzeugungen zu stehen, ist, glaube ich, mitunter ein schwieriger Prozess, auch im Erwachsenwerden," sagt Bothe.

"Robin Hood": Auch Mädchen können Robin heißen

Aktuelle Bezüge und ein Mädchen in der Hauptrolle: Markus Bothe inszeniert am Schauspielhaus Hamburg "Robin Hood" für Erwachsene und Kinder ab acht Jahren. Am 6. Dezember ist Premiere.

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Deutsches Schauspielhaus
Kirchenallee 39
20099  Hamburg
Preis:
Von 10 bis 37 Euro
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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 05.12.2018 | 15:56 Uhr

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