Stand: 09.01.2017 23:59 Uhr  | Archiv

Rio Reiser: Ein Leben für die Musik

von Simone Glöckler

Für viele ist er immer noch der "König von Deutschland": Rio Reiser. Er hat die Musikszene der Republik geprägt und ist auch lange nach seinem Tod unvergessen. Am 20. August 1996 starb er mit 46 Jahren auf seinem Hof im schleswig-holsteinischen Fresenhagen an Herz-Kreislauf-Versagen. Er hat für die Musik gelebt - ein schnelles, wildes Leben.

Ralph Möbius, so der bürgerliche Name von Rio Reiser, wird am 9. Januar 1950 in Berlin als jüngstes von drei Kindern geboren. Mit seinen Eltern zieht er oft um, wächst unter anderem in Mannheim, Stuttgart und Nürnberg auf. Die Musik packt ihn früh: Klein-Möbius sieht 1961 den Film "Ben Hur" und ist von der Filmmusik begeistert. Er beginnt am Klavier die Melodien des Komponisten Miklós Rósza nach Gehör nachzuspielen. Als er die Beatles 1963 zum ersten Mal im Radio hört, ist er fasziniert. Mit 14 Jahren ist er "tödlicher Fan" der Jungs aus Liverpool und ihrer neuen Art der Musik. Für ihn steht fest: Er selbst will nichts anderes als Musik machen und Songs schreiben. Mehrere Instrumente bringt er sich selbst bei.

Schule und Lehre geschmissen

Während sich der Sohn lieber mit Musik als mit Schule beschäftigt, muss die Familie wieder umziehen: nach Nieder-Roden nahe Frankfurt. In der hessischen Kleinstadt wird Ralph von einem Freund in "Rio" umgetauft und nennt sich fortan auch selbst so. Die Schule schmeißt er schließlich, ebenso eine Fotografenlehre - um sich ganz der Musik zu widmen.

"Macht kaputt, was Euch kaputt macht"

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Die Band Ton Steine Scherben räumt mit kompromisslosem Rock ordentlich ab.

Im Januar 1966 lernt Rio den gleichaltrigen Gitarristen Ralph Peter Steitz kennen und wird von ihm als Sänger seiner Band engagiert. Aus dieser Begegnung wird eine lebenslange Freundschaft. Ein Jahr später folgt Rio seinen Brüdern nach Berlin und gründet mit ihnen später die Theatergruppe Hoffmanns Comic Theater. Rio ist Hauskomponist. Eines der Lieder aus dieser Zeit - "Macht kaputt, was euch kaputt macht" - wird später zur Hymne einer Generation. Obwohl er sich dem Theater verbunden fühlt, bleibt es sein Traum, eine Band auf die Beine zu stellen und deutsche Rockmusik zu machen.

Mit seinem Freund Steitz, dem Bassisten Kai Sichtermann und dem Schlagzeuger Wolfgang Seidel gründet Rio im Sommer 1970 die Band Ton Steine Scherben. Die Jungs treten im September beim Love-and-Peace-Festival auf der Ostseeinsel Fehmarn zum ersten Mal auf - und werden schlagartig bekannt. Bei der legendären Veranstaltung gibt Jimi Hendrix sein letztes Konzert. Für die neue anarchische Band um Rio beginnt der Aufstieg.

"Keine Macht für niemand"

Die erste Schallplatte "Warum geht es mir so dreckig" wird produziert und veröffentlicht. Es folgt 1972 die zweite LP mit dem Titel "Keine Macht für niemand" - und spätestens nach dieser Veröffentlichung kennt die Musiker, die sich ins Herz der linken Szene gespielt haben, fast jeder in Deutschland. Ihre Lieder sind in einer Zeit, in der die Terrororganisation Rote Armee Fraktion von sich reden macht, der gewaltfreie Gegenpol und sprechen vor allem den Jugendlichen aus der Seele.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub Classics | 20.08.2016 | 23:50 Uhr

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