Ein Reiter nimmt am 25.06.2017 in Nieblum auf Föhr am traditionellen Ringreiten des Mitteldörfer-Ringreiterverein teil. © picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa | Maurizio Gambarini Foto: Maurizio Gambarini

Ringreiten: Traditionelles Volksfest aus SH wird Kulturerbe

Stand: 23.03.2021 16:40 Uhr

Die schleswig-holsteinische Tradition des Ringreitens ist nun Teil des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Was das beinhaltet und wie es funktioniert, erklärt Ringreiterkönigin Finja Kohn aus Föhr.

Ritterdarstellerin Dajana Pfeifer und Knappendarsteller Kamil Adamowicz (beide Showteam Excalibur) beim Ringstechen während eines mittelalterlichen Ritterturniers auf der Reitsportanlage Schlobachshof in Böhlitz-Ehrenberg bei Leipzig © IMAGO / STAR-MEDIA
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Westküstenkinder kennen es alle - alle anderen werden vermutlich nicht allzuviel darüber gehört haben. Nun hat es das Ringreiten bis in die Nachrichten geschafft, denn es gehört zum Immateriellen Kulturerbe. Das hat die Kulturministerkonferenz zum Kulturerbe am Montag erklärt. Sie sei damit der Empfehlung des Expertenkomitees der Deutschen UNESCO-Kommission gefolgt, wie Kulturministerin Karin Prien (CDU) am Montag in Kiel sagte.

Ringreiten: Westküstentradition aus Schleswig-Holstein

Bei der Westküstentradition stechen Reiterinnen und Reiter auf einem galoppierenden Pferd mit einer Lanze auf einen kleinen, an einem Galgen oder zwischen zwei Pfosten aufgehängten Ring. Wer die meisten Ringe sticht, wird zum König oder zur Königin gekürt.

Bereits viertes Kulturerbe aus Schleswig-Holstein

Das Ringreiten sei ein schönes Beispiel für die identitätsstiftende Bedeutung gemeinsamen Erlebens, sagte Prien: "Ich freue mich, dass mit dem Ringreiten nun die vierte kulturelle Tradition aus dem Norden Eingang gefunden hat in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes." Aus Schleswig-Holstein zählen bereits die "Helgoländer Dampferbörte", das "Biikebrennen" und das "Niederdeutsche Theater" dazu.

Ringreiter-Königin aus Föhr erklärt den Pferdesport

Ritterdarstellerin Dajana Pfeifer und Knappendarsteller Kamil Adamowicz (beide Showteam Excalibur) beim Ringstechen während eines mittelalterlichen Ritterturniers auf der Reitsportanlage Schlobachshof in Böhlitz-Ehrenberg bei Leipzig © IMAGO / STAR-MEDIA
Der Sport erinnert an die Ritterspiele, bei denen mit Lanzen Ringe aufgespießt wurden.

Eine echte Ringreiterkönigin der Insel Föhr ist die 23-jährige Finja Kohn. Seit 2019 ist sie Ringreiterin im Osterlandföhrer Ringreiterverein. Sie erklärt, worum es beim Ringreiten geht: "Das Ziel ist es, die meisten Ringe beim Durchreiten zu stechen - mit einer Lanze. Die ist ungefähr 1,50 bis 1,60 Meter lang. Dann reitet man durch den Galgen." An diesem hänge ein Magnet mit einem Ring dran, so die Reiterin. "Da muss man im Galopp durchreiten und die meisten Ringe bekommen. Dann hat man, wenn man nicht ins Stechen kommt, schon gewonnen", erklärt Kohn. Das sehe so ähnlich aus wie früher die Ritterspiele.

Die Ringreiterkönigin vermisse in der Corona-bedingten Auszeit nicht nur den Sport, sondern "alles drumherum", also das nette Zusammensitzen und die Kameradschaft.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Menschen in Schleswig-Holstein | 23.03.2021 | 16:40 Uhr