Queen Elizabeth II. - Die Königin der Disziplin

Stand: 21.04.2021 05:00 Uhr

Queen Elizabeth II. sitzt seit dem 6. Februar 1952 auf dem britischen Thron. Immer an ihrer Seite: Ehemann Prinz Philip, bis zu dessen Tod im April 2021. Die Queen führt ein Leben im Dienste der Monarchie.

von Simone Nebelsieck

Kritik an der Monarchie, ein Fremder im königlichen Schlafgemach, Familien-Krisen - es scheint kaum etwas zu geben, das Queen Elizabeth II. so richtig aus der Fassung bringen könnte. Aussitzen und Haltung bewahren, lautet ihre Devise. Und darin ist die britische Königin geübt. In den vielen Jahren auf dem Thron hat Elizabeth schon so manche Krise durchgestanden - immer gut gekleidet im Kostüm mit farblich abgestimmtem Hut und beherrschtem Gesichtsausdruck. Dabei sind es meist nicht ihre eigenen, sondern die Skandale ihrer Familienmitglieder, mit denen sich die Königin herumschlagen muss. Dass sie - zumindest nach außen hin - stets Ruhe bewahrt, verdankt Elizabeth nicht zuletzt ihrer eisernen Disziplin.

Ihrer Disziplin und ihrem Durchhaltevermögen hat es die Königin auch zu verdanken, dass sie inzwischen sämtliche royale Rekorde hält. So ist Elizabeth seit dem Tod des thailändischen König Bhumibol, am 13. Oktober 2016, die dienstälteste Monarchin der Welt. Und auch den Rekord ihrer Ur-Ur-Großmutter Queen Victoria hat sie geknackt: Am 9. September 2015 um 18.30 Uhr war Elizabeth genau 23.226 Tage, 16 Stunden und 23 Minuten Königin - und ist damit die dienstälteste Monarchin in der Geschichte der britischen Monarchie. Seit fast 70 Jahren sitzt Elizabeth II. auf dem königlichen Thron.

Öffentliche Kindheit und Jugend

Als die Princess of York am 21. April 1926 zur Welt kommt, rechnet kaum einer damit, dass Elizabeth Alexandra Mary eines Tages Königin von Großbritannien werden würde. Während ihr Großvater Georg V. regiert, steht Elizabeth nur an dritter Stelle der Thronfolge. Nach seinem Tod besteigt 1936 ihr Onkel Edward of Wales wie geplant den Thron. Doch nach nicht einmal einem Jahr als König dankt er aus Liebe zu einer Amerikanerin ab. Elizabeths Vater Georg VI. löst ihn auf dem Thron ab - seine älteste Tochter wird damit automatisch Kronprinzessin. Ein Leben in der Öffentlichkeit beginnt.

Ausbildung als Automechanikerin

In ihrer neuen Rolle als "Heiress Presumptive" - voraussichtliche Thronfolgerin - findet sich Elizabeth schnell zurecht. Mit 14 Jahren hält sie ihre erste Rundfunkansprache im Kinderprogramm der BBC. Als sie 18 Jahre alt ist, schließt sich Elizabeth dem Heimatshilfsdienst ATS an und leistet als "Nummer 230873" ihren Dienst, um ihr Land im Zweiten Weltkrieg zu unterstützen. Die Prinzessin beweist, dass sie sich für nichts zu schade ist. Sie macht den Führerschein und wird zur Automechanikerin und Kraftfahrerin ausgebildet. Elizabeth begleitet ihre Eltern auf vielen offiziellen Reisen. Ihren ersten großen internationalen Auftritt absolviert die Prinzessin 1947 bei einem Staatsbesuch in Südafrika. Dort hält sie eine Rundfunkansprache, in der sie sich zum Dienst am Commonwealth verpflichtet, dem Bund ehemaliger britischer Kolonien.

Prunkvolle Krönung im Jahr 1953

Königin Elizabeth II. und Prinz Philip nach der Krönung am 2. Juni 1953. © dpa
Seit der Thronbesteigung lebt Elizabeth für die Krone. Ihr Mann Philip unterstützt sie dabei.

Als ihr Vater George im Jahr 1952 stirbt, ist Elizabeths Zeit gekommen: Sie besteigt den Thron und wird am 2. Juni 1953 in Londons Westminster Abbey zur Königin gekrönt. Elizabeth besteht darauf, dass die Krönungszeremonie im Fernsehen übertragen wird. Ein zwiespältiges Verhältnis zu den Medien beginnt. Von nun an gibt es die private Elizabeth so gut wie nicht mehr - auf Schritt und Tritt wird die Queen von Kameras begleitet. Die Schattenseiten bekommt Elizabeth schnell zu spüren: Das Privatleben der königlichen Familie gerät immer mehr ins Rampenlicht, Skandale werden breitgetreten. Doch die Queen wäre nicht die Queen, wenn sie jeden Skandal ihrer Familienmitglieder - ob Ehebruch, Scheidung oder Streitigkeiten - nicht stoisch ausgestanden hätte. Dabei immer an ihrer Seite: Ehemann Prinz Philip.

Verheiratet mit Jugendliebe Philip

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Elizabeth lernt ihre große Liebe bereits im zarten Alter von 13 Jahren kennen, als sie dem Royal Naval College in Dartmouth einen Besuch abstattet. Philip ist Kadett an der königlichen Marineschule und zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt. Einige Zeit später kommt es zu einem Wiedersehen, die beiden verlieben sich und werden ein Paar. Am 20. November 1947 geben sich die Prinzessin und der Marineoffizier das Jawort - es ist die erste Adelshochzeit überhaupt, die im Fernsehen übertragen wird.

Etwa ein Jahr später kommt ihr erstes Kind Charles zur Welt, seine Schwester Anne wird zwei Jahre später geboren. Die Söhne Andrew und Edward folgen 1960 und 1964. Die Königin gilt als strenge Mutter. In der Liebe ist sie wie in anderen Lebensbereichen auch: beständig. Die Queen und ihr Prinz waren bei den zahlreichen Klatschgeschichten um gescheiterte Beziehungen im britischen Königshaus fast die einzige Konstante.

Die Nachfolge ist gesichert

Prinz Charles und Prinzessin Anne lassen von ihrem Vater, Prinz Philip, beim Schaukeln auf Schloss Balmoral Schwung geben © Picture-Alliance / dpa / UPI
Für Mann und Kinder bleibt als Königin wenig Zeit. Die Familie steht häufig hinten an.

Um den Fortbestand des Stammbaums der Familie Windsor muss sich die Queen keine Sorgen machen. Die folgenden Generationen haben für weitere "starke Äste" gesorgt. Schon lange steht Prinz Charles in den Startlöchern, um die Nachfolge auf dem Thron anzutreten. Doch ans Abdanken scheint die Queen nicht zu denken. Allerdings überlässt sie ihrem im Wartestand befindlichen Sohn mit der Zeit immer mehr Aufgaben. Und auch ihr Enkel Prinz William und dessen Frau Kate vertreten Elizabeth häufig bei offiziellen Terminen. Die Spekulationen darüber, ob die ewige Königin doch noch freiwillig den Thron räumen könnte, werden dadurch weiter angeheizt. Doch ans Abdanken denkt die britische Königin offenbar nicht.

Thronjubiläen und 90. Geburtstag

Im Juni 2002 feiert die Monarchin ihr goldenes Thronjubiläum. Queen-Gitarrist Brian May spielt zu Ehren seiner Königin "God Save The Queen" auf dem Dach des Buckingham Palace. Die Feierlichkeiten zum 60-jährigen Thronjubiläum beginnen am 3. Juni 2012 mit einer großen Schiffsparade auf der Themse und enden zwei Tage später mit einem Kutschen-Korso durch die Londoner Innenstadt. Im gleichen Jahr übernimmt sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine kleine, aber spektakuläre Filmrolle. Anlässlich der Eröffnungsfeier der XXX. Olympischen Spiele posiert sie für eine Action-Szene an der Seite des britischen Geheimagenten James Bond (gespielt von Daniel Craig). "Vor 30 Jahren wäre so eine Geschichte undenkbar gewesen. Und es ist immer noch unvorstellbar, dass es passiert ist", erinnert sich Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert an diesen spektakulären Auftritt.

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Queen Elizabeth lächelt einen Gesprächspartner auf dem Coronation Festival im Garten des Buckingham Palace an. © dpa / picture alliance Foto: Geoff Pugh/Daily Telegraph
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"Auch ihre Enkel hätten ihr das nicht zugetraut. Aber man weiß eben nie, welche Freiheiten sich ältere Damen erlauben", so der Journalist. Auch, dass sie sich von ihren Enkelkindern ein Handy habe schenken lassen, um besser mit ihnen kommunizieren zu können, gehört zu der neuen Lockerheit der Queen. "Sie möchte ihren Enkeln nah sein", erklärt Seelmann-Eggebert, "so war sie als Mutter nie, aber als Großmutter ist sie es."  Zu ihrem 90. Geburtstag am 21. April 2016 jubeln Tausende Schaulustige Elizabeth in Windsor zu, Menschen im ganzen Land entzünden ihr zu Ehren Leuchtfeuer. Doch das ist nur ein Vorgeschmack auf das eigentliche Festprogramm: Mit einem Gedenkgottesdienst, der Militärparade Trooping the Colour und dem Patron's Lunch folgt vom 10. bis 12. Juni ein wahrer Feiermarathon für die royale Jubilarin.

Brexit, Corona und der Megxit

Queen Elizabeth II. bei der Hundertjahrfeier der britischen Royal Australian Air Force am 31. März 2021 © dpa
Am 31. März 2021 besucht Queen Elizabeth II. anlässlich der Hundertjahrfeier der Royal Australian Air Force das Air Force-Gedenkmal im britischen Runnymede.

Das Weltgeschehen macht vor dem hohen Alter der Monarchin nicht Halt. Die Corona-Pandemie trifft Großbritannien besonders hart. In einer Fernsehansprache ruft Elizabeth II. ihr Volk am 5. April 2020 zu britischer Selbstdisziplin und stiller Entschlossenheit auf. Einen Großteil des Jahres verlebt die Queen mit Ehemann Philip weitgehend isoliert auf Schloss Windsor. Ende 2020 ist Elizabeth Teil eines weiteren einschneidenden Ereignisses: Nach der Billigung durch das britische Parlament unterzeichnet sie den Vertrag, der Großbritanniens Austritt aus der EU besiegelt.

Für erneuten familiären Wirbel sorgen Prinz Harry und Ehefrau Meghan, Duke and Duchess von Sussex. Im Frühjahr 2020 zieht sich das Paar aus dem Königshaus zurück - und zieht nach dem "Megxit" mit Sohn Archie in die USA. In einem Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey erhebt Meghan Rassismusvorwürfe gegen das britische Königshaus. Die Königin nehme die Vorwürfe "sehr ernst", heißt es in einem Statement. Mehr dringt - typisch für Elizabeth - nicht an die Öffentlichkeit.

Tod von Prinz Philip und 95. Geburtstag

Immer an ihrer Seite: Ihr Mann Prinz Philip, der sich erst mit 95 Jahren im Jahr 2017 von seinen royalen Verpflichtungen zurückzieht. Mehr als 73 Jahre sind Elizabeth und Philip verheiratet - länger als alle britischen Königspaare vor ihnen. Am 9. April 2021 stirbt Prinz Philip und damit die wichtigste Stütze der Königin. "Er war ganz einfach mein Halt und meine Stärke in all diesen Jahren", so Queen Elizabeth II. über ihren Ehemann. Nun muss die Königin, die am 21. April 2021 ihren 95. Geburtstag feiert, ihren Weg allein weitergehen.

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Dieses Thema im Programm:

DAS! | 19.04.2021 | 18:45 Uhr