Isabella Vértes-Schütter © picture alliance / dpa Foto: Axel Heimken

Proben ohne Premiere: Corona-Alltag im Ernst Deutsch Theater

Stand: 02.12.2020 10:48 Uhr

Im Hamburger Ernst Deutsch Theater hätte es an diesem Dienstag zwei Premieren gegeben: "Die Mitschuldigen" von Goethe und das Weihnachtsmärchen "Der Froschkönig". Theaterchefin Isabella Vértes-Schütter erzählt von der Situation ihrer Bühne.

Die Premieren finden nicht statt. Haben Sie dennoch bis zum letzten Tag geprobt?

Isabella Vértes-Schütter: Ja. Wir haben am Sonntagabend eine wunderbare Generalprobe mit dem ganzen Theater-Team erlebt. Das war wirklich ein berührendes Ereignis, denn das Ensemble hat sich da so reingeschmissen, als wäre es eine richtige Premiere. Hinterher waren wir alle sehr betroffen und berührt und haben uns beim Auseinandergehen versichert, dass wir diese Produktionen irgendwann einem größeren Publikum zeigen wollen. Wenn so eine Produktion ins Leere läuft und nicht zum Publikum kann, ist das traurig und schmerzlich.

Die Theater sind geschlossen. Wie sieht es bei Ihnen gerade hinter den Kulissen aus?

Vértes-Schütter: Wir proben jetzt schon das nächste Stück, nämlich Ibsens "Gespenster" für die geplante Premiere am 14. Januar. Das Weihnachtsmärchen ist eingepackt und wird im März als "Ostermärchen" aufgeführt. Den "Froschkönig" kann man ja zu Ostern, wie zu Weihnachten zeigen. Die "Mitschuldigen" werden erst in einer späteren Spielzeit zurückkehren. Wenn ein Stück - wie in diesem Fall - zur Aufführungsreife gebracht ist, kann man es mit einer relativ kurzen Vorbereitungszeit auf die Bühne bringen.

Was bereitet Ihnen gerade die größten Sorgen?

Vértes-Schütter: Die Pandemie. Ich bin da mit allen in unserem Haus sehr solidarisch mit den Menschen, die am meisten gefährdet sind. Auch wir wollen unseren Beitrag leisten, dass unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Wir sind mit den ergriffenen Maßnahmen im Einklang. Natürlich hatten wir, wie andere Kulturinstitutionen, auch hervorragende Hygiene- und Schutzkonzepte entwickelt, sodass sich die Menschen bei uns unbedingt sicher fühlen können. Aber die Bewegungen im öffentlichen Raum sollen eingeschränkt werden, und dafür haben wir Verständnis.

Was uns große Schwierigkeiten macht, ist, immer wieder umzuplanen, weil die Maßnahmen für maximal vier Wochen verordnet werden. Wir versuchen zusammenzuhalten und für einander und für unser Theater einzutreten. Ich bin zuversichtlich, dass es gelingen wird, dass wir bald wieder unsere Türen öffnen können, wenn die Zahlen es zulassen. Und ich bin zuversichtlich, dass die Menschen dann mit großer Lust zurückkommen werden.

Das Interview führte Annette Matz.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 01.12.2020 | 19:00 Uhr