Stand: 07.12.2017 09:36 Uhr

Pro und Kontra: Lagerfelds Elphi-Modenschau

Karl Lagerfelds Schau in der Elbphilharmonie dürfte für Aufmerksamkeit sorgen: Zu Chanel-Schauen pflegen regelmäßig Stars wie Pharrell Williams, Kristen Stewart oder Vanessa Paradis zu kommen.

Modezar Karl Lagerfeld hat am Mittwochabend eine neue Chanel-Kollektion auf die Bühne gebracht. Und zwar nicht auf irgendeine, sondern auf die der Hamburger Elbphilharmonie. Ist das richtig, dass ein Konzerthaus für solche Veranstaltungen vermietet wird?

Pro

"Für die Elbphilharmonie gelten andere Maßstäbe", meint Verena Gonsch

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NDR Info Redakteurin Verena Gonsch spricht sich für die Modenschau von Lagerfeld aus: "Je erfolgreicher die Elphi geleitet wird, desto weniger Subventionen braucht sie."

Paris, Rom, Dubai und jetzt Hamburg! Wenn Tilda Swinton und Kristen Stewart über den roten Teppich laufen, weht ein Hauch Pariser Prêt-à-porter an der Elbe. Und Hamburg wird für einen Abend Mode-Hauptstadt! Ohne Elphi wäre Karl Lagerfeld nie auf die Idee gekommen, seine legendäre Chanel-Schau "Metiers d'Art" in seine Geburtsstadt zu holen. Geplant hat der Modezar das offenbar schon vor ein paar Jahren, als er die Baustelle an der Elbe sah.

Natürlich ist es wohlfeil zu sagen: Was für eine elitäre Veranstaltung! Ja, das ist richtig. Diese Show ist elitär, aber das gilt für viele der anderen Events in der Elphi auch. Wer kommt schon an die Karten für die wirklich exklusiven Konzerte und wer ist bei den Shootings zum Beispiel für Fatih Akins Film dabei? Das von Olaf Scholz proklamierte "Haus für alle" ist schon längst Makulatur, zumindest dann, wenn erwartet wird, dass jede Veranstaltung für jeden zugänglich und erschwinglich ist. Nein, das stimmt nicht.

Trotzdem ermöglicht erst der von jedem buchbare Veranstaltungsort Elbphilharmonie die preiswerten Konzerte für Familien. Die Mischfinanzierung macht es. Und davon hat dann auch der Steuerzahler etwas. Denn je erfolgreicher die Elbphilharmonie geleitet wird, desto weniger Subventionen braucht sie. Der Intendant der Elphi hat es vorgerechnet: Würde die Stadt für den Besuch der Plaza pro Besucher fünf Euro Eintritt nehmen, wäre das Konzerthaus in zwei Jahren subventionsfrei. Bei allem Gemecker über die hohen Baukosten muss man das wissen: Die Elbphilharmonie ist nicht die Laeiszhalle. Hier gelten andere Maßstäbe! Und dazu gehört dann eben auch Karl Lagerfeld.

Kontra

"Eine Modenschau für Chanel in der Elbphilharmonie? Das geht nicht!", meint Ocke Bandixen.

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Ocke Bandixen ist dagegen, eine Chanel-Modenschau in der Elphi stattfinden zu lassen. Durch Veranstaltungen dieser Art werde das Konzerthaus zur "Eventbude".

Bevor jemand die Wörter "engstirnig" und "Spaßbremse" benutzt: Ich habe gar nichts gegen Karl Lagerfeld. Ein Typ. Wunderbar. Größer als das Leben. Herrlich. Eine Sagengestalt unter den Lebenden. Und seine Mode? Vermutlich famos. Und eine Modenschau? Was sollte ich wohl dagegen haben? Nein, das ist alles nicht der Punkt, sondern: Chanel mietet die Elbphilharmonie. An diesem Abend gibt es dort kein Konzert. Allein: Dafür wurde die Elbphilharmonie ja gebaut.

Gut, gut, auch die eine oder andere Gala hat dort schon stattgefunden, auch die für den Deutschen Radiopreis. Aber immerhin war die für eine Öffentlichkeit bestimmt. Und vielleicht von öffentlichem Interesse. Das jetzt ist eine Modenschau für Chanel. Und sonst nichts. Und das geht - bei allem Spaß an Paradiesvögeln - nicht. Wie wäre es demnächst - wenn das so einfach alles möglich ist - mit einer Betriebsversammlung  von Airbus? Oder mit einer Weihnachtsfeier für eine Hamburger Brillenfirma? Oder mit einem Parteitag?

Die Stadt Hamburg und viele Spender haben viel, vielleicht zu viel Geld für ein spektakuläres Konzerthaus ausgegeben. Und nicht für eine - jetzt sage ich es, das hässliche Wort, das man Chris Dercon, dem vielbekrittelten Intendanten der Berliner Volksbühne vorausgeworfen hat, er wolle aus dem Theater eine "Eventbude" machen. Die Elbphilharmonie ist es jetzt.

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