Stand: 29.01.2018 08:00 Uhr

Bravos und Buhs für Delnons "Fidelio" in Hamburg

von Dagmar Penzlin

Georges Delnon, Intendant der Staatsoper Hamburg, hat am Sonntag seinen Einstand als Regisseur am eigenen Haus gegeben. Mit Ludwig van Beethovens Oper "Fidelio" hatte er sich ein beliebtes, doch auch schwierig zu inszenierendes Werk ausgesucht. Generalmusikdirektor Kent Nagano stand am Pult.

Während der Schlusschor schmettert, drängen sich immer mehr Menschen auf die Bühne. Ihre weiße Kleidung leuchtet. Und sie sind viele. Im Hintergrund tragen die Bäume frisches Grün. Leonore hat gerade ihren Mann Florestan aus der Haft gerettet und vor der Ermordung bewahrt. Jetzt verschwinden beide in der Menschenmenge. Und auch die anderen Figuren werden eins mit dem Volk in Weiß, das ein bisschen wie eine Sekte anmutet.

Anspielungen auf Überwachungsstaat und #MeToo

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Georges Delnon will mit seiner Inszenierung eine Diskussion anregen: Was ist uns Freiheit heute wert?

Dass Regisseur Georges Delnon den Chor den Schlussjubel so ungebrochen singen lässt, überrascht. Zumal seine Inszenierung ansonsten versucht, Beethovens einzige Oper mit doppeltem Boden zu versehen. In das vermeintlich kleinbürgerliche Wohnzimmer-Idyll vom Kerkermeister Rocco schallt Hundegebell und aus der Wand fährt ein Akten-Regal voll mit Gefangenen. Es gibt Anspielungen auf einen Überwachungsstaat, auf Folter und #MeToo-Vorfälle. Außerdem steht vor der Fensterfront ein dichter Wald. Immer wieder geht es per Kamerafahrt durch das Dickicht: hier der böse Wolf, dort ein scheues Reh.

Energie der Befreiungsoper fehlt

Der optische Waldzauber ist nett anzusehen. Er doppelt aber nur das, was ohnehin auf der Bühne passiert. Wiederholt stehen Sänger wie bei einer konzertanten Aufführung vorm Eisernen Vorhang, während die Bühne umgebaut wird. Regisseur Georges Delnon hat sich viele Gedanken gemacht - das merkt man, doch der große Bogen fehlt, eine zentrale Idee, die zündet. Eher durchwachsen auch das Fazit mit Blick auf die Musik. Generalmusikdirektor Kent Nagano wählt immer wieder zügige Tempi für sein Philharmonisches Staatsorchester Hamburg. Trotzdem vermittelte sich bei der Premiere nicht die Energie, die eine Befreiungsoper wie "Fidelio" braucht.

Besetzung

Leonore alias Fidelio: Simone Schneider
Florestan: Christopher Ventris
Don Pizarro: Werner von Mechelen
Rocco: Falk Struckmann
Marzelline: Mélissa Petit
Jaquino: Thomas Ebenstein
Don Fernando: Kartal Karagedik
Erster Gefangener: Thomas Gottschalk
Zweiter Gefangener: Christian Bodenburg
Chor der Staatsoper Hamburg
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung: Kent Nagano

Falk Struckmann als Rocco herausragend

Simone Schneider als Leonore und Christopher Ventris als Florestan hatten beide leider an diesem Abend in ihren Solo-Szenen kein Glück mit den Spitzentönen. Stimmlich und darstellerisch herausragend: Falk Struckmann als Kerkermeister Rocco.

Dieser Rocco entwickelt sich vom geldfixierten Mitläufer hin zum mutigen Bürger, der sich dem Bösewicht Pizarro entgegenstellt. Am Premierenabend gab es kompakten Beifall und Jubel für die Musikerinnen und Musiker. Georges Delnon und das Ausstattungsteam ernteten einen Mix aus Bravo- und Buh-Rufen.

Szenen aus "Fidelio" an der Staatsoper Hamburg

Bravos und Buhs für Delnons "Fidelio" in Hamburg

Intendant Georges Delnon hat an der Staatsoper Hamburg Beethovens "Fidelio" aufgeführt - obwohl er das Stück für "uninszenierbar" hält. Es war sein Einstand als Regisseur am eigenen Haus.

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Staatsoper Hamburg, Großes Haus
Große Theaterstraße 25
20354  Hamburg
Preis:
Von 8 bis 195 Euro
Kartenverkauf:
Kartentelefon: +49 (0) 40 35 68 68
E-Mail: ticket@staatsoper-hamburg.de.

Öffnungszeiten Tageskasse und Abonnementsbüro:
Montag bis Sonnabend.: 10.00 bis 18.30 Uhr
Hinweis:
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper. Koproduktion mit dem Teatro Communale di Bologna.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 28.01.2018 | 07:20 Uhr

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