Stand: 11.10.2019 11:43 Uhr

Premiere in Kiel: Korngolds "Die tote Stadt"

von Annafried Stürmer

Er war ein musikalisches Wunderkind und wurde schnell zur Berühmtheit: Erich Wolfgang Korngold. Die Oper "Die tote Stadt" vollendete er 1920, im Alter von nur 23 Jahren. In der Oper Kiel feiert dieses besondere und komplexe Werk am Sonntag Premiere.

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Paul (Norbert Ernst) trauert um seine Frau. Dann trifft er ihre Doppelgängerin Marietta (Agnieszka Hauzer).

In Korngolds erfolgreichster Oper geht es um den Witwer Paul. Paul, verkörpert von dem Tenor Norbert Ernst, kann den Tod seiner Frau Marie nicht verwinden. In seiner Wohnung ist er umgeben von Erinnerungsstücken: Möbel, Fotos und sogar ein Zopf von Marie - für ihn so wertvoll wie Reliquien.

Generalmusikdirektor Reiners: "Rhythmisch unfassbar komplex"

Korngold hat den Stoff in ein komplexes musikalisches Werk gepackt. Generalmusikdirektor Benjamin Reiners dirigiert das Stück: "Wenn man die Partitur aufschlägt, erschrickt man erst einmal. Das ist ein dicker Brocken und voller Noten. Es ist rhythmisch unfassbar komplex, auch für die Gesangsstimmen. Auf der anderen Seite klingt es oftmals gar nicht so schwer. Manchmal klingt es nur nach Operette oder auch nach Filmmusik."

Korngold gewann Oscars für seine Filmmusik

Tatsächlich wurde Korngold später Filmmusik-Komponist und gewann zwei Oscars, unter anderem für die Musik zu dem Film "The Adventures Of Robin Hood". Die Oper "Die tote Stadt" vollendete er jedoch schon viel früher. Die Uraufführung 1920 war ein riesiger Erfolg. Korngolds spätromantische Musik, in der auch die Einflüsse der impressionistischen Strömungen der damaligen Zeit zu spüren sind, begeisterte das Publikum.

Paul begegnet Doppelgängerin seiner Frau

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Der Witwer Paul (Norbert Ernst) ist zerrissen zwischen Trauer und neuer Liebe.

Die Handlung beschreibt ein klassisches Dilemma. Für den trauernden Witwer Paul ändert sich alles, als er Marietta begegnet, einer Doppelgängerin seiner verstorbenen Frau: Sie hat die gleichen Haare, das gleiche Gesicht und sogar die gleiche Stimme. Tenor Norbert Ernst fasziniert an seiner Rolle des Paul besonders, dass die emotionale Ausgestaltung sehr nah an der Realität liegt: "Gerade diese Aspekte, dass man wieder ins Leben zurückfinden muss, wenn man einen geliebten Menschen verloren hat und eventuell auch wieder eine neue Liebe findet. Der junge Korngold beschreibt in so unglaublicher Weise die Gewissensbisse und den Zwiespalt."

Einflüsse von Freuds Traumdeutung

Das Psychodrama wurde von Sigmund Freuds Traumdeutung beeinflusst. Die Grenzen von Traum und Realität verschwimmen - in der Handlung wie auch im Bühnenbild. Die Wohnung von Paul, im vorderen Bereich der Bühne, ist zu Beginn der Aufführung noch durch eine dünne Folie, wie eine Art Membran, von der eigentlichen Bühne getrennt. Im Verlauf des Stücks wird diese Folie heruntergerissen und die Realität geht in die Traumwelt dahinter über. Begleitet wird dieses Drama von Glockenklängen, grotesken Tänzen und dramatischen Duetten.

Premiere in Kiel: Korngolds "Die tote Stadt"

"Die tote Stadt" von Erich Wolfgang Korngold feiert am Sonntag in der Oper Kiel Premiere. Das Thema des Stücks von 1920 - der Umgang mit dem Tod - ist immer noch aktuell.

Datum:
Ende:
Ort:
Oper Kiel
Rathausplatz 4
24103   Kiel
Telefon:
(0431) 901 901
E-Mail:
kartenservice@theater-kiel.de
Preis:
10,80 EUR - 69,50 EUR
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