Stand: 14.06.2020 10:00 Uhr  - NDR Info

Gojko Mitić: Einmal Indianer, immer Indianer

von Axel Seitz
Gojko Mitić 2006 bei einem Pressetermin am Kalkberg in Bad Segeberg zu "Winnetou III". © Picture Alliance / Eventpress
Von 1992 bis 2006 war Gojko Mitić als "Winnetou" bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg zu sehen. Am 13. Juni wurde der Schauspieler 80 Jahre alt.

Wenn der Name Gojko Mitić fällt, dann wissen die meisten - jetzt geht es um Indianer. Denn der Schauspieler war seit den 1960er-Jahren zunächst in vier westdeutschen Karl-May-Verfilmungen und anschließend in zwölf DEFA-Indianerfilmen zu sehen. Und auch bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg wusste Gojko Mitić jahrelang das Publikum als Indianer zu überzeugen. Am 13. Juni ist der im heutigen Serbien geborene Schauspieler 80 Jahre alt geworden.

Erste große DEFA-Rolle als der Indianer "Tokei-ihto"

Mitte der 1960er-Jahre hatten die Filmproduzenten der damaligen Bundesrepublik gegenüber denen in der DDR das Nachsehen: "Ich sollte weiter mit den nächsten Karl-May-Filmen machen. Dann kam die DEFA, die ostdeutsche Produktionsfirma nach Jugoslawien, und die haben gesagt, diesen Mann wollen wir unbedingt sehen", erzählt er. Und dann gab es Gojko Mitić 1966 zu sehen - als "Tokei-ihto" in "Die Söhne der Großen Bärin".

Für den jungen Mann war diese Hauptrolle der Durchbruch: "Sicher hat der Film sehr viel Eindruck bei mir hinterlassen. Es war die erste Hauptrolle, die ich gemacht habe." Er habe alle Szenen selbst gedreht, manche Situation sei da ziemlich gefährlich gewesen. "Es ist aber alles gut gelaufen. Mich hat gereizt, dass die Rolle des Indianers 'Tokei-ihto' ganz anders war als Karl Mays 'Winnetou'."

Immer der Gute, nie der Böse

Nach vier sehr erfolgreichen Filmen bei der DEFA wollte der damals knapp 30-jährige Schauspieler eigentlich mit den Indianerrollen aufhören: "Die Fortsetzung von 'Spur des Falken' war 'Weiße Wölfe'. Ich hatte den Autor eigentlich überredet, dass er den Indianer sterben lässt." Als dann aber die Premiere war, seien die Zuschauer nicht damit einverstanden gewesen, dass er tot war. "Ich musste ganz schnell auferstehen. Und so haben wir weitergemacht."

Es folgten noch weitere acht DEFA-Indianerfilme, auch andere Rollen. Doch fast überall spielte Gojko Mitić den Guten, dabei wäre er gern auch mal der Böse gewesen: "Ich finde, ein Böser hat immer mehr Inhalt als ein Guter, ein Geradliniger. Die Bösen haben mehr davon als Schauspieler, weil sie sich ausprobieren können, vielseitiger sein können", erzählt er. "Wir Guten müssen die langweiligen Braven spielen. Aber wir haben dann mehr Erfolg bei den Zuschauern, weil die uns mehr mögen."

"Winnetou" in Bad Segeberg: "Diese Bühne ist dafür geschaffen"

"Winnetou" Gojko Mitić und "Scout" Reiner Schöne packen sich zum freundschaftlichen Gruß am Arm (6.6.1996). © Picture Alliance/dpa Foto: Markus Beck
1.024 Vorstellungen spielt er als "Winnetou" in Bad Segeberg.

Gemocht wurde Gojko Mitić - nicht zuletzt seit 1992 bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg als "Winnetou". Eigentlich habe er nie einen Indianer auf einer Freilichtbühne spielen wollen, sagt er. "Ich dachte, das, was man bei den Filmen darstellen kann, kann man hier nicht so bringen. Aber als ich hier stand, habe ich gesagt, diese Bühne ist dafür geschaffen." Mit "Old Surehand" ging es los - mit "Winnetou III" war nach 15 Jahren Schluss. "Das war eine sehr schöne Zeit. 1.024 Vorstellungen gespielt. Das muss man erst mal nachmachen. Das ist schon eine ganze Menge Holz."

Ausflug ans Mecklenburgische Staatstheater

Nach der bekannten Indianerrolle kam - eine Indianerrolle. Am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin spielte Gojko Mitić zwischen 2007 und 2009 in "Einer flog über das Kuckucksnest" den Häuptling "Chief Bromden". Im Sommer 2009 übernahm er dann bei den Schlossfestspielen in Schwerin im Musical "Alexis Sorbas" die Hauptrolle. "Ich mag diese Figur". sagt er. Eigentlich sei es eigenartig: "Wir bewundern diesen Menschen, aber viele wollen nicht so wie er sein. Er zeigt uns, dass es nicht nur aufs Geld ankommt, es gibt auch andere Werte außer Geld."

60 Kino- und Fernsehfilme in 55 Jahren

Gojko Mitić auf dem roten Teppich der Eröffnung des 22. Filmfestes Hamburg © NDR Foto: Patricia Batlle
Mitić lebt heute in Berlin.

In rund 55 Jahren stand Gojko Mitić, der heute in Berlin lebt, bei gut 60 Kino- und Fernsehfilmen vor der Kamera. Er war "Alexis Sorbas", "Winnetou", "Tecumseh", "Osceola" und "Tokei-ihto", dabei hat ihm ein echter Indianer in Seattle vor Jahren einmal gesagt, wer er - Gojko Mitić - wirklich sei: "Jeder Indianer hat sein Ebenbild in der Tierwelt. Er sagte mir, heute werde er mir meinen Namen geben. 'Denk' an irgendein Tier', sagte er. Und ich machte meine Augen zu und sah einen Buchenwald und einen Wolf, ganz deutlich. Danach sagte er zu mir, 'du bist ein Wolf'. Ich war total baff, er lächelte nur ein bisschen. Ich kann mir das nicht erklären, aber ich bin der Wolf."

Karl-May-Spiele Bad Segeberg
Ralf Bauer (spielt Old Firehand) und Barbara Wussow (spielt Senorita Miranda) bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg ©  picture alliance/Eventpress

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 13.06.2020 | 08:55 Uhr