Stand: 09.12.2018 14:12 Uhr

Vom Zirkus zur Bühne - Boy-Gobert-Preis für Paul Behren

von Emine Cekirge

Paul Behren ist am Sonntag im Hamburger Thalia Theater mit dem Boy-Gobert-Preis für Nachwuchs-Schauspieler ausgezeichnet worden. Der von der Körber-Stiftung verliehene Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Am Deutschen Schauspielhaus machte sich Behren zuletzt neben Charly Hübner zum "haarigen Affen".

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Paul Behren stand schon in Heidelberg, Bochum, München und Hamburg auf der Theaterbühne. In Zukunft möchte er seine eigenen Stücke kreieren.

Die blauen Augen fallen sofort auf, als Paul Behren zur Begrüßung den Kopf hebt. Seine blonden Haare hat der 27-Jährige mit einer dunklen Fischermütze bedeckt, ein Lächeln tritt hinter dem dichten blonden Vollbart hervor. Auf den ersten Blick sieht Behren aus wie ein Junge vom Meer. Tatsächlich aber stammt er aus Tübingen und lebt erst seit kurzer Zeit in Hamburg.

Schon als Kind zeigte sich sein schauspielerisches Talent darin, seine Eltern zu überlisten. "Ich war einfach zu faul zum Lesen. Ich hab dann einen Trick angewendet, dass ich immer bis zehn zähle pro Seite. Dann hat mein Papa in den Raum geguckt und hat mich gesehen, wie ich da sitze und lese, und war dann wahrscheinlich ganz glücklich. 'Der Goldschmied und der Dieb' habe ich nur durchs Zählen gelesen", sagt Behren lachend.

Eine Leseratte ist Behren also nicht. Was macht er dann in seiner Freizeit? "Ich bewege mich unheimlich gerne zur Musik oder gehe im Wald spazieren." Das Handy lasse er dabei am liebsten zu Hause. "Ich bin froh, wenn man mal nicht vollgeludelt wird."

Paul Behren im Porträt

Boy-Gobert-Preisträger Paul Behren im Porträt

Hamburg Journal -

Der Boy-Gobert-Preis für Nachwuchsschauspieler geht dieses Jahr an Paul Behren vom Ensemble des Deutschen Schauspielhauses. Der 27-Jährige liebt es, Grenzen auszuloten.

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Behren: "Oft habe ich Angst, Ablehnung zu erfahren"

Gelassen lehnt sich Behren während des Interviews auf seinem Stuhl zurück. Sein Blick wirkt nachdenklich. Er erzählt davon, dass er oft gegen seine eigenen Ängste kämpfen müsse, die ihn manchmal auf der Bühne einholten. "Was ich sehr gut kenne, ist der Druck, den ich mir selber gern mache", erläutert er. Oft habe er Angst, Ablehnung zu erfahren, negativ bewertet zu werden oder mit Kritik umgehen zu müssen.

Erste Bühnenerfahrung im Zirkus

Auf der Bühne steht er bereits seit er sechs Jahre alt ist. Zunächst fing er als Popcornverkäufer beim Zirkus an, danach ging es als Clown auf die Bühne. "Das war ein Kinder- und Jugendzirkus, da hab ich mit meinem Bruder ziemlich jung angefangen, auf der Bühne zu stehen", erinnert sich Behren. "Es war wie eine Droge, auf die Bühne zu gehen und die Leute zum Lachen zu bringen." Über zehn Jahre war er mit roter Plastikkugel auf der Nase unterwegs, während sein Bruder als Akrobat durch die Luft sprang. Immer wieder lacht Behren bei der Erinnerung an die Zeit mit seinem Bruder beim Zirkus. Mittlerweile lebt der Bruder als Choreograf in Köln. "Mit ihm mache ich jetzt ein Stück", erzählt Behren.

In Zukunft nicht mehr am Deutschen Schauspielhaus

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Am Deutschen Schauspielhaus spielte Paul Behren in der Inszenierung "Der haarige Affe" die Hauptrolle.

Am Deutschen Schauspielhaus hat Paul Behren im Oktober gekündigt. "Ich will mehr körperlich arbeiten und möchte schauen, was es so gibt im Tanztheaterbereich." Seine eigenen Stücke auf die Bühne bringen, das sei sein großer Traum. Drei Jahre nach Abschluss der Schauspielschule und diversen Engagements an unterschiedlichen Theatern möchte er frei sein: "Frei sein heißt für mich, auch künstlerisch frei zu sein, indem ich mitentscheiden kann, welche Produktion ich mache."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 08.12.2018 | 07:20 Uhr

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