Stand: 25.04.2019 17:28 Uhr

Paten helfen bei Lesekompetenz-Verbesserung

von Katharina Mahrenholtz

Müssen wir unsere Kinder mehr zum Lesen zwingen? Mit dieser Frage beschäftigen sich in dieser Woche die NDR Kulturredaktionen. Fast 20 Prozent der Kinder in Deutschland können nach der Grundschule nicht gut genug lesen – so das Ergebnis der letzten Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) von 2016. Die Politik hat das Problem zwar erkannt, deutschlandweite Konzepte zur besseren Leseförderung fehlen aber. Oft springen daher Ehrenamtliche ein, um die Defizite der Kinder aufzufangen - etwa der Verein Mentor e.V., der Lesepaten ausbildet, die dann mit jeweils einem Kind üben. Ein Besuch bei einer Mentorenstunde.

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Lesepaten üben mit jeweils einem Kind, um die Defizite beim Lesen aufzufangen.

Stella geht in die vierte Klasse einer Grundschule im Norden von Hamburg. Das Lesen fällt ihr schwer. Im Unterricht hat sie deshalb oft Probleme, mitzukommen. Deshalb kommt Annette Weinzierl vom Verein Mentor e.V. einmal in der Woche, um mit Stella zu üben. Zusammen lesen sie Bücher, machen Buchstabenspiele und lösen Rätsel. "Das Tolle ist, das ein Mentor nur mit einem Lese-Kind zusammen ist", erklärt Weinzierl. "So kann man ein Vertrauensverhältnis aufbauen. In einer großen Klasse geht ein einzelnes Kind unter. Auf diese Weise kann man es viel spezieller fördern. Die Kinder werden selbstbewusster im Unterricht und trauen sich mehr zu. Das sind manchmal ganz winzige Schritte, die wir gar nicht bemerken, aber die Lehrer merken es."                                                                                            

Insgesamt 11.500 Mentoren üben regelmäßig mit Kindern

Der Verein Mentor ist in 300 Städten aktiv: Insgesamt 11.500 Mentoren üben regelmäßig mit einzelnen Kindern und fangen so viele Defizite auf. Denn eine spezielle Förderung durch die Schule - auch das ein Ergebnis der IGLU Studie - bekommt nur etwa ein Drittel der leseschwachen Kinder. "Oft sind das Kinder, denen wenig vorgelesen wurde", sagt Weinzierl. "Diese Zuwendung fehlt ihnen einfach. Aber es gibt auch andere Gründe, unter anderem, dass beide Elternteile berufstätig sind und zu wenig Zeit haben, sich zu kümmern."

Für viele Kinder ist die Zeit mit ihrer Lesepatin verbringen, die einzige Zeit, in denen sich jemand intensiv mit ihnen und einem Buch beschäftigt. Auch Stella freut sich jede Woche auf die Zeit mit ihrer Lesepatin. Annette Weinzierl weiß, was im Unterricht gerade los ist, hört sich Stellas Sorgen an und übt auch mal ein Gedicht mit ihr.

85 Prozent der Lesepaten sind Frauen

Je nach Sozialstruktur der Klasse ist der Bedarf für ehrenamtliche Helferinnen und Helfer groß. Der Verein Mentor sucht immer neue Lesepatinnen und Paten. "Ich kann das nur jedem empfehlen, es macht sehr viel Spaß", sagt Weinzierl. "Man geht auch selbst mit einem guten Gefühl nach Hause. Wer Spaß am Lesen hat und mit Kindern gern was machen möchte, dann ist das ein richtig tolles Ehrenamt." Bislang engagieren sich übrigens nur wenige Männer - 85 Prozent der Lesepaten sind Frauen.

Ein Kind hält das Buch Das kleine Gespenst in der Hand © NDR

Lesepaten: Kinder zum Lesen bringen

Kulturjournal -

Ein Fünftel aller Zehnjährigen hat massive Probleme beim Lesen. Das hat fatale Folgen nicht nur für die Phantasie der Kinder. Lesehelfer vermitteln Kindern Freude an Geschichten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 26.04.2019 | 10:55 Uhr