Oscar, der Filmpreis mit Lichtspiegelung © IMAGO Foto: CHROMORANGE

Netflix und Co: starke Oscar-Konkurrenten dank Corona?

Stand: 21.04.2021 09:24 Uhr

Bei den Oscars sind einige Produktionen von Streamingdiensten nominiert, weil viele Filme nicht im Kino starten konnen. Die Regeln wurden für die Nominierungen 2021 zugunsten von Netflix, Amazon, Hulu und Co. aufgeweicht.

von Marcus Schuler, ARD-Korrespondent in Los Angeles

Im US-Fernsehen war es vor gut einem Jahr eine große Schlagzeile: Spielfilme müssen nicht erst sieben Tage im Kino sowie in Los Angeles laufen, bevor sie an den Oscars, den wohl wichtigsten Filmpreisen der Welt, teilnehmen können.

Netflix: Unfreiwillig bestens gerüstet für die Corona-Pandemie

Als die Oscar Academy die Regeln wegen Corona änderte, konnte man in der Firmenzentrale von Netflix im Silicon Valley förmlich die Champagner-Korken knallen hören. Denn das Streaming-Unternehmen war unfreiwillig bestens gerüstet für eine Pandemie. Besser als jeder seiner Streaming-Konkurrenten und besser als viele der großen Filmstudios - sagt Filmkritikerin Amanda K. Dobbins: "Ganz allgemein ist Netflix gut aufgestellt, weil sie einfach viele Filme produzieren. Ihr Distributions-System ist nicht unterbrochen worden. Und sie mussten ihr Marketing nicht umstellen. Sie konnten einfach so weitermachen."

Tuppence Middleton als Sara Mankiewicz und Gary Oldman als Herman Mankiewicz im Film "Mank". © picture alliance / Everett Collection / ©Netflix/Courtesy Everett Collection
Tuppence Middleton und Gary Oldman in der Netflix-Eigenproduktion "Mank".

Netflix plant Serien und Filme mit großem Vorlauf. Es will möglichst die gesamte Produktionskette kontrollieren, sprich, möglichst alle Rechte besitzen. In der Corona-Pandemie ist dem Unternehmen aber auch noch zugute gekommen, dass die großen Filmstudios von Hollywood angesichts geschlossener Kinos respektable Ausspielwege brauchten, um ihre Filme überhaupt bekannt und unters Publikum bringen zu können. Netflix mit seinen weltweit 206 Millionen Abonnenten ist hier schlicht die größte und wichtigste Plattform.

Netflix-Eigenproduktion "Mank": Nominiert für zehn Oscars

Das Paramount Filmstudio beispielsweise verkaufte den Thriller "The Trial of the Chicago 7" notgedrungen an Netflix, wo er jetzt für sechs Oscars nominiert ist. Die meisten Nominierungen hat in diesem Jahr aber die Netflix-Eigenproduktion "Mank" erhalten - eine Biografie über den Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz, der das Skript für den Filmklassiker "Citizen Kane" mit verfasst hat. Gleich zehn Oscar-Hoffnungen kann sich der Film von Regisseur David Fincher machen. Netflix-Produktionen kommen allein in diesem Jahr aufs insgesamt 35 Nominierungen - so viele wie noch nie.

Auch Produktionen von Amazon und Apple sind nominiert

Aber nicht nur Dickfische wie das kalifornische Streaming-Angebot oder Amazon Prime mit zwölf Nominierungen sind schon jetzt die Gewinner. Profitiert von der Regeländerung haben auch Unternehmen wie iPhone-Hersteller Apple, das erst vor zwei Jahren in die Filmproduktion eingestiegen ist. Apple darf sich gleich zweimal Hoffnungen machen - mit dem Animationsfilm "The Wolfwalkers" und für den Soundtrack des Kriegsdramas "Greyhound". Die erfolgreichen Oscar-Tage von Netflix könnten aber bald wieder gezählt sein, denn die großen Hollywood-Studios wie Warner oder Disney haben eigene Streaming-Plattformen in den vergangenen anderthalb Jahren gestartet. Und wenn die erst mal an die Größe von Netflix herankommen, dürfte das Nominierungsfeld wieder breiter werden.

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