Stand: 10.02.2020 15:32 Uhr  - NDR Kultur

Joaquin Phoenix erhält Oscar für den "Joker"

von Bettina Aust

In der Nacht von Sonntag auf Montag ist der 45-jährige Schauspieler Joaquin Phoenix bei den Oscars als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet worden. Wie schon bei den Golden Globes hielt er in seiner Rede einen flammenden Appell.

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Zweimal war Joaquin Phoenix bereits als Hauptdarsteller für den Oscar nominiert. Für die Rolle des Jokers wurde er nun erstmals ausgezeichnet.

Als Joaquin Phoenix den Oscar als bester Hauptdarsteller entgegennahm, nutzte er die Bühne erneut für eine politische Botschaft. Hatte er bei den Golden Globes sich noch hauptsächlich auf den Klimawandel konzentriert, so prangerte der Veganer diesmal zu Beginn seiner Rede den Nationalismus an: "Wir reden über den Kampf gegen den Glauben, dass eine Nation, ein Mensch, eine Rasse, ein Geschlecht oder eine Spezies das Recht hat, die andere zu dominieren". Im weiteren Verlauf kam Phoenix vom aufkeimenden Nationalismus zu den Problemen der Tierhaltung. Er wolle sich für Gleichberechtigung einsetzen, gegen Rassismus und Homophobie kämpfen, aber auch für die Rechte von Tieren einstehen. "Wir glauben, dass wir das Zentrum des Universums sind", klagte Phoenix an. "Wir haben uns sehr distanziert von der natürlichen Welt."

In seiner Dankesrede wurde der US-Schauspieler auch selbstkritisch: "Ich war egoistisch, es war nicht immer einfach, mit mir zu arbeiten, und ich bin dankbar, dass ich von vielen eine zweite Chance bekommen habe", sagte Phoenix. "Wenn wir uns gegenseitig helfen zu wachsen und uns unterstützen, dass ist der größte Moment der Menschlichkeit."

Abnehmen für den Joker

Mindestens genauso leidenschaftlich wie Phoenix für Gleichberechtigung und einen besseren Schutz des Klimas kämpft, taucht der Schauspieler auch in seine Rollen ein. Mehr als 20 Kilo hatte der 45-jährige Schauspieler für den "Joker" abgenommen. "Wie sich herausstellte, hatte das einen psychologischen Effekt", sagte Phoenix bei der "Joker"-Weltpremiere auf dem Filmfest in Venedig im Oktober 2019. "Man wird tatsächlich verrückt, wenn man in so kurzer Zeit so viel abnimmt."

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Joaquin Phoenix trainierte wochenlang das irritierende Lachen des Jokers.

Phoenix spielt seine Rollen nicht nur, er lebt sie. Wochenlang trainierte er zum Beispiel das beängstigend irritierende Lachen des Jokers. "Ganz ehrlich, ich dachte nicht, dass ich das hinkriege. Ich habe das Lachen dann allein geübt, aber irgendwann habe ich meinen Regisseur Todd Phillips gebeten, zu mir nach Hause zu kommen, um es zu beurteilen. Denn ich dachte, ich muss es auf Kommando vor anderen Leuten können. Ich musste ein echtes Lachen finden, es durfte nicht falsch klingen", erzählte Phoenix.

Sein Joker ist noch düsterer als in früheren Batman-Filmen. "Es ist seine verzweifelte Suche nach Glück, Gemeinschaft, Wärme und Liebe, die mich an seinem Charakter am meisten interessiert hat. Ich sehe meine Figuren nie als gemarterte Seelen. Die werden in der Regel von Journalisten so interpretiert, wenn ich Interviews gebe", so Phoenix.

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Trotz Joaquin Phoenix' virtuoser Darstellung des Jokers hat Todd Phillips' Film etwas Unbefriedigendes. Er nimmt keine Haltung zu seiner Figur und zur Welt ein.

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NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 10.02.2020 | 06:20 Uhr

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