Stand: 01.07.2019 17:45 Uhr

"Nijinsky Gala" mit emotionalem Abschied

von Annette Matz
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Bei der "Nijinsky Gala" am Sonntag wurde auch gesungen.

Über fünf Stunden Ballett - die Hamburgische Staatsoper ist wieder restlos ausverkauft bei der großen, feierlichen "Nijinsky Gala", dem traditionellen Abschluss der 45. Hamburger Ballett-Tage am Sonntag. Eine sehr emotionale Veranstaltung dieses Mal, denn mit herzlichem, langem Applaus verabschiedet sich das Hamburger Publikum von drei wichtigen Tänzern aus dem Ensemble.

Aber erst einmal geht es beschwingt los - mit Leonard Bernstein. Mit "Bernstein Dances" eröffnete John Neumeier auch diese Spielzeit und tut dies verheißungsvoll auch noch einmal an diesem Abend. Motto dieser Gala: "Song and Dance" - ein Oberbegriff aus dem amerikanischen Musical, wie John Neumeier erklärt - und seine Tänzer lösen tatsächlich wortwörtlich neben dem Tanzen im ersten Teil des Abends auch das Singen ein.

Solist Carsten Jung im Interview.

Nijinsky-Gala: Solist Carsten Jung sagt Tschüs

Hamburg Journal -

1994 kam Carsten Jung zum Hamburg Ballett. Bei der Nijinsky-Gala, dem Hamburger Fest des Tanzes, verabschiedete sich der 44-jährige Solist von der Bühne.

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Ein Fest für Ballett-Liebhaber

Neumeier führt wie immer charmant durch den XXL-Tanzabend, erzählt Anekdoten, vergisst dabei manchmal die Namen von Tänzern - spielt dabei aber so geschickt mit seiner Vergesslichkeit, dass er sich selbst und das Publikum immer wieder zum Lachen bringt. Mit der Frage "Fünf Stunden Ballett, ist das nicht zu lang?" darf man den Zuschauern an diesem Abend natürlich nicht kommen: Wer Ballett mag, für den ist es ein Fest!

14 Ausschnitte aus unterschiedlichen Stücken

14 Ausschnitte aus unterschiedlichen Stücken sind zu erleben. Die erste Gänsehaut gibt es bei der "Matthäus-Passion". Dario Franconi tanzt zu Bachs "Erbarme dich mein Gott" mit einer Hingabe, von der er sich selbst nach dem Stück etwas erholen muss, so bewegt scheint er noch beim Applaus. Mit einer wirklich hinreißend intensiven Interpretation von Prinzessin Nathalia in "Schwanensee" verabschiedet sich Solistin Carolina Aguero von der Bühne - schweren Herzens, das sieht man bis in die 20. Reihe.

Abschied von Carsten Jung und Karen Azatyan

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Carsten Jung (li.) beendet nach fast 25 Jahren seine Karriere als aktiver Tänzer.

Und dann ist den Abschieden Tür und Tor geöffnet: Nach fast 25 Jahren beim Hamburg Ballett tanzt Carsten Jung noch einmal seinen "Liliom". Neumeier hatte 2012 diese Hauptrolle für den heute 44-Jährigen kreiert. Ein Durchbruch, mit dem sich Carsten Jung genauso in die Herzen der Zuschauer tanzte wie mit dem sensationellen "Peer Gynt". Minutenlanger Beifall nach seinem letzten Auftritt. Auch der Ausnahmetänzer Karen Azatyan geht ab von der Bühne. "Verletzungsbedingt", so drückte es der Ballettchef aus. Traurig sei das, bei so einem beeindruckenden Tänzer.

Felix Paquet kommt aus Kanada

Natürlich wurde an diesem Abend auch nach vorne geschaut. Zum Beispiel mit Felix Paquet. Zum Vorführen tanzte er den Levin aus "Anna Karenina", für den John Neumeier "Moonshadow" von Cat Stevens damals so passend fand. Felix Paquet ist gerade noch beim Ballett in Kanada, wird in der nächsten Spielzeit als Solist in Hamburg starten.

Neue Saison startet mit "Ein Sommernachtstraum"

Und verraten wurde auch schon, womit das Hamburg Ballett in die nächste Saison am 8. September startet: mit der Wiederaufnahme von "Ein Sommernachtstraum". Sehr klassisch also, was ein bisschen schade ist. Nach der modernen, frischen Premiere der "Shakespeare-Sonette" von drei Hamburg-Ballett-Solisten hatte man doch ein bisschen frisches Ballettblut geleckt. Für die Hamburg-Ballett-Tänzer geht es diese Woche noch für zwei Tage ins italienische Ravenna - und dann beginnt auch für sie die Sommerpause.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 01.07.2019 | 19:00 Uhr

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