Stand: 13.12.2019 13:45 Uhr

"Nijinski": Emotionales Stück über das Tanz-Genie

von Andrea Schwyzer

Für sein Ballett "Nijinski" hat der Choreograf Marco Goecke überschwängliche Kritiken bekommen - es gilt als Meilenstein seiner Karriere. Nun, in seiner ersten Spielzeit als Ballettdirektor an der Staatsoper Hannover, bringt Goecke sein abendfüllendes Ballett von 2016 mit der hauseigenen Kompanie auf die Bühne. Premiere ist am Freitagabend. Ein Besuch bei den Proben vermittelt erste Eindrücke des Stückes.

Szene aus dem Ballett "Nijinski" am Staatstheater Hannover © Staatstheater Hannover / Ralf Mohr Foto: Ralf Mohr
Rosario Guerra tanzt in Hannover die Rolle des Vaslav Nijinsky.

Ganz oben im Opernhaus, im Ballettsaal, an einem Vormittag: Das fahle Licht scheint durch die hohen, halbrunden Fensterbögen. Eine Gruppe von Männern feilt an einer Tanzsequenz. Oberkörper vibrieren, Hände flirren, Arme fliegen - eckig und rasend schnell. Plötzlich steht Marco Goecke auf und mischt sich ein. Jede Bewegung nimmt er genau unter die Lupe.

"Nijinski" zeichnet Stationen des Jahrhunderttänzers nach

Marco Goecke hat "Nijinski" 2016 für die Kompanie von Eric Gauthier in Stuttgart kreiert. Ein Stück, in dem Goecke die Stationen des Jahrhunderttänzers Vaslav Nijinsky geschickt miteinander verwebt: Seinen Ruhm als Star der Ballets Russes, seine skandalösen Choreografien "Le sacre du printemps" und "L’après-midi d’un faune", aber auch sein persönliches Schicksal. Dazu gehören die Mutter-Sohn-Beziehung, die Ehe mit Romola de Pulszky, seine psychische Verwirrung, die Aufenthalte in der Nervenheilanstalt.

Selbstzweifel verbinden Goecke und die Ballett-Legende

Szene aus dem Ballett "Nijinski" am Staatstheater Hannover © Staatstheater Hannover / Ralf Mohr Foto: Ralf Mohr
"Nijinski" gilt als prägendes Stück des Hannoveraner Ballettdirektors Marco Goecke.

"Nijinski" ist zu einem prägenden Stück im Werk von Marco Goecke geworden. Goecke erklärt: "Ich habe ja nicht so viele abendfüllende Stücke gemacht. Das ist auch noch ein langer Weg, da an Abendfüller ranzukommen, die für mich wirklich auf den Punkt sind. Ob man das je erreicht, das ist die Frage. Ich bewundere Leute, die selbstbewusst glücklich sind mit dem, was sie tun. Das bin ich in ein paar Momenten. Das reicht vielleicht auch." Der ständige Selbstzweifel verbindet Marco Goecke und Vaslav Nijinsky.

Rosario Guerra verkörpert Nijinsky

Unterdessen hat der Tänzer Rosario Guerra die Sequenz von vorhin perfektioniert. Der Italiener hat Nijinsky schon bei der Uraufführung in Stuttgart verkörpert. Marco Goecke hat den Tänzer nun in sein Ensemble nach Hannover geholt. Goeckes Stücke zu tanzen, bedeute immer eine Verschmelzung von Bewegung, Artistik und Herz, so Guerra. Das zeige sich ganz deutlich auch im "Nijinski"-Ballett: "Ich fühle eine persönliche Verbindung mit der Person Nijinsky. Aber über allem steht Marcos Fähigkeit, die Emotionalität von Nijinskys Leben einzufangen: den Schmerz, die Verrücktheit, die Einsamkeit, die Beziehung zu seiner Mutter - all das."

Sich mit Nijinsky verbunden fühlen - so ähnlich sagt es auch sein Chef Marco Goecke. Einen Abend über diese Tanzlegende zu kreieren, sei einfach absolut naheliegend gewesen: "Weil es um Tanz geht. Alles, was im Stück ist, hat mit mir und auch mit den Tänzern zu tun. Die Biografie Nijinskys hat mit Tanz zu tun. Und deswegen ist das uns allen nah, denn das ist der Sog, den wir alle spüren: auf die Bühne zu gehen und zu tanzen und etwas zu geben."

"Nijinski": Emotionales Stück über das Tanz-Genie

Vaslav Nijinsky hat schon viele Ballettmeister zu Programmen inspiriert. In Hannover kommt nun Marco Goeckes Ballett über die russische Tanz-Legende auf die Bühne.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Staatstheater Hannover
Opernplatz 1
30159 Hannover
Telefon:
(0511) 99 99 22 98
E-Mail:
kartenservice@staatstheater-hannover.de
Preis:
20 bis 58 Euro
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 13.12.2019 | 07:20 Uhr