Stand: 16.04.2020 13:13 Uhr

Niedersachsen: Notfall-Sprechstunde für Musizierende

von Miriam Stolzenwald

Die Corona-Krise trifft Künstlerinnen und Künstler besonders hart. Deshalb wurden bundesweit und in den Ländern Mittel zur Unterstützung bereitgestellt - auch in Niedersachsen. Wer ist aber nun berechtigt, diese Hilfen zu beantragen? Welche Arten der Unterstützung gibt es? Und wo findet man Informationen dazu? Fragen, um die sich die Mitarbeiter der Service-Einrichtung Musikland Niedersachsen kümmern.

Friederike Ankele vom Musiknetzwerk Niedersachsen © Helge Krückeberg Foto: Helge Krückeberg
Friederike Ankele von Musikland Niedersachsen beantwortet Fragen von Künstlerinnen und Künstlern zu Corona-Hilfen.

Auf der Website von Musikland Niedersachsen haben Musizierende derzeit Zugriff auf einen Katalog mit den drängendsten Fragen und Antworten, die sich durch die Krisensituation für Künstlerinnen und Künstler aufgetan haben: "Wo bekomme ich Geld?" oder "Wie monetarisiere ich meine Musik?". Der Fragenkatalog wird laufend von Musikland Niedersachsen aktualisiert. Darüber hinaus wurde nun eine Corona-Telefonsprechstunde eingerichtet, in der Musizierende und Kultureinrichtungen von Montag bis Donnerstag zwischen 14 und 16 Uhr Beratung in Anspruch nehmen können.

In dieser Sprechstunde beantworten die Leiterin von Musikland Niedersachsen, Friederike Ankele, und ihr Team Fragen von Künstlern rund um die Corona-Krise. Viele Künstler haben sich seit Beginn der Krise gemeldet, vor allem, weil ihnen die Einnahmen wegbrechen. Zum Beispiel der Gitarrist Gil Beckers aus Osnabrück und die freischaffende Bratschistin Maria Pache aus Hannover, die versucht haben, finanzielle Mittel zu beantragen: "Mittlerweile ist es so, dass wir als freiberufliche Musiker durch das Raster der Fördermaßnahmen fallen", erzählt Pache.

Soforthilfe scheitert an der Bürokratie

Zunächst gab es von der NBank, der Investitions- und Förderbank Niedersachsen, Soforthilfen, von denen auch die freischaffenden Künstler profitiert haben - allerdings nur wenige Tage. Gil Beckers hatte seinen Antrag noch nicht gestellt, weil er dafür auf eine Bescheinigung vom Finanzamt warten musste. Außerdem wollte er den Antrag erst im April stellen, da er im März noch geregelte Einkünfte hatte. Erst ab 50 Prozent Einbußen hätte er Geld beantragen können. Nun wird er erstmal gar nichts bekommen, denn die NBank hat den Hahn zugedreht.

Freie Künstler können Zuschüsse oft nicht beantragen

Inzwischen gibt es bei der NBank Soforthilfen zwischen 9.000 bis 25.000 Euro für Klein- und Kleinstunternehmen sowie Soloselbstständige. Damit können diese ihre Betriebskosten decken. Freie Musiker haben jedoch meist keine Betriebskosten und können deshalb diese Zuschüsse nicht beantragen. Friederike Ankele betont, die aktuelle Lage zeige, dass Föderalismus im Krisenfall nicht von Vorteil sei, zu unterschiedlich seien die Förderbedingungen in den Bundesländern.

Das schüre Unmut - schließlich bekämen Menschen mit, dass beispielsweise in Nordrhein-Westfalen Gelder ausgezahlt würden, während ihnen selbst finanziell nicht geholfen werde. Das bedeutet für viele Künstler in Niedersachsen: Arbeitslosengeld II. Dabei gilt trotz Lockerungen: Wer dazuverdient, dem wird das meiste Geld angerechnet. Doch worauf? Einige bekommen nur das Wohngeld, weil sie zu viele Rücklagen haben. Die sind aber für Freiberufler ohne reguläres Einkommen besonders wichtig. Zumal es für niemanden ein schönes Gefühl sei, Arbeitslosengeld beantragen zu müssen, obwohl man eigentlich nicht arbeitslos sei, erklärt Friederike Ankele.

Bürokratische Hürden hindern auch Festival-Veranstalter

Ganz anders, aber ebenfalls schwierig, gestaltet sich die Situation für Tobias Wolff, Intendant der Internationalen Händel-Festspiele in Göttingen. Ein Großteil der Gelder für das Festival sind projektbezogene öffentliche Mittel. Sie dürfen also nur dafür verwendet werden, wofür sie beantragt wurden. Ob Wolff sie nutzen kann, um seinen Festival-Künstlern Ausfallgagen zu bezahlen, ist ungeklärt. Deshalb kann er auch keine Mittel vom Land beantragen, da sich diese an der Liquidität bemessen: "Das kann ich erst machen, wenn wir begonnen haben, die Ticketgelder zurückzuzahlen und dann ins Minus rutschen. Im Moment ist das jedoch nicht der Fall. Zum Thema Kurzarbeit: Wie sind nicht antragsberechtigt, weil viele meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Moment ein großes Maß an Überstunden haben."

Von der Stadt Göttingen und anderen Stellen habe es zwar viel Unterstützung gegeben, sagt Wolff, am Ende sei jedoch wichtig, endlich ein klares Signal von der Politik zu bekommen, in welcher Form die Gelder verwendet werden könnten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 16.04.2020 | 06:20 Uhr