Stand: 30.07.2018 15:15 Uhr

Was bietet Spotify für Klassikhörer?

von Mischa Kreiskott

Die Kenner der Musikbranche prophezeien schon lange, dass das Musikstreaming die Verbreitungsform der Zukunft ist. Im ersten Halbjahr 2018 haben nun auch die Deutschen zum ersten Mal mehr Geld für Streaming-Abonnements ausgegeben als für CDs. Die Anbieter melden Rekordzuwächse, die Investoren geben fleißig Geld und wittern einen großen Zukunftsmarkt. NDR Kultur schaut sich an, wie Streaming und klassische Musik zusammen passen. Wir testen die Klassiktauglichkeit der großen Marktführer und der kleinen Nischenangebote. Folge 1: Spotify.

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Der Katalog von Spotify umfasst 35 Millionen Musiktitel. Auch das Angebot an klassischer Musik ist groß.

35 Millionen Musiktitel umfasst der Katalog von Spotify, mehr als ein Mensch in einem Leben hören kann. Und auch wenn der Dienst Pop in den Mittelpunkt stellt und Klassikhörer nicht explizit umwirbt, ist das Angebot an klassischer Musik quasi komplett: historische Aufnahmen mit Hans Knappertsbusch oder Wilhelm Furtwängler? Musik von Harry Partch für seine selbst gebauten Rieseninstrumente? Frühklassiker Gottfried Heinrich Stölzel? Selbst entlegene Suchanfragen liefern zuverlässig Treffer, wenn man richtig sucht und weiß, was man finden möchte.

Spotify wurde für Popmusik entwickelt

Die Spotify-Datenbanken sind für Pop und nicht für klassische Musik entwickelt worden. Dass eine Sinfonie vier Sätze hat, weiß die Software nicht, sodass es immer noch ein paar Mausklicks mehr braucht, um ein zyklisches Werk in der richtigen Reihenfolge zu hören. Auch kann Spotify nicht zwischen Interpret und Komponist unterscheiden und eine Suche wie die nach "Symphony", "Sinfonie" oder "Symphonie" liefert jeweils andere Ergebnisse. Nutzer, die mit dem klassischen Repertoire und seinen Schreibweisen noch nicht so vertraut sind, werden sich da schnell verloren fühlen.

Zerpflückte Sonaten

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Nutzt man Spotify gratis, wird die Musik durch Werbung unterbrochen und die sogenannte Shuffle-Funktion verhindert, dass man die Abspielreihenfolge selbst bestimmen kann. Das mag bei einem Popalbum vielleicht noch vertretbar sein, aber Suiten, Sonaten oder Opernaufnahmen werden so völlig zerpflückt. Für Klassik sinnvoll nutzbar ist der Dienst also nur, wenn man bereit ist, die monatlichen 9,99 Euro zu zahlen. Dafür gibt es dann auch die höhere Bandbreite von 320 kbit/s, also bessere Klangqualität und die Möglichkeit, Titel abzuspeichern um sie auch offline hören zu können.

Die Stärken des Algorithmus

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Der Algorithmus mischt mit: Sobald man bei Spotify einen Künstler auswählt, schlägt das Programm die beliebtesten Werke vor - oder was sonst noch dazu passen könnte.

Wer in erster Linie Klassik hört, bekommt bei den Klassik-Spezial-Streamingdiensten besseren Service und eine geordnetere Oberfläche als bei Spotify. Allerdings spielt der Marktführer seine Stärken aus, wenn es um das Entdecken und Organisieren von Musik geht. Die 180 Millionen Nutzer von Spotify erzeugen Daten, sobald sie Musik hören. Aus diesen Daten webt Spotify über seine Algorithmen ein dichtes Netz. Das spannt Verbindungen zwischen Musikgenres, Alben und Interpreten und wirkt im Hintergrund, wenn Spotify seine Künstlerradios und Playlisten erstellt.

So bekommt man zum Beispiel einen interessanten Einblick in die amerikanische Moderne, wenn man sich von Steve Reich aus weiter durch das Repertoire hangelt, oder lernt die Welt der Lautenensembles kennen, wenn man bei Christina Pluhar startet. Unschlagbar auch eine Funktion wie der "Release Radar" - sofern man sein Spotify gründlich gepflegt und alle Lieblingskünstler gespeichert hat, findet man hier neue Alben pünktlich zum Veröffentlichungstag.

Ein Mensch mit Kopfhörern sitzt vor seinem Computer und hört Musik. © imago Fotograf: Thomas Trutschel

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 30.07.2018 | 14:40 Uhr

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