Stand: 18.07.2019 19:18 Uhr

Movimentos Festwochen starten mit "Trick, Cell, Play"

von Frauke-Ragna Lipprandt

Vom 19. Juli bis 25. August finden in Wolfsburg die 17. Movimentos Festwochen statt. Eröffnet werden sie von der São Paulo Dance Company mit drei ganz unterschiedlichen Stücken. Die Company ist zuletzt vor sechs Jahren bei den Festwochen der Autostadt aufgetreten - damals im Kraftwerk. Nun wird sie mit einer Uraufführung des kanadischen Choreografen Édouard Lock die neue Spielstätte, den "Hafen 1", einweihen.

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Die São Paulo Dance Company beim ersten Stück der Eröffnung: "Trick, Cell, Play" von Édouard Lock.

Alles riecht noch ganz neu im "Hafen 1" - hier und da werden letzte Schrauben angezogen, die Bar bestückt und die Zuschauerplätze mit Armschonern bezogen. Die Tanzkompanie aus Brasilien ist bereits vor Ort: 20 junge Tänzerinnen und Tänzer mit einer Welt- und einer Europapremiere im Gepäck.

Bernd Kauffmann, künstlerischer Leiter von Movimentos, fasst die Uraufführung von "Trick, Cell, Play" so zusammen: "Den Zuschauer erwartet eine sehr 'engagierte', energetische Form von Musik, die die alte Form der Musik bricht, der großen Arien, der großen Opern, in Form eines Tanzes, der fast nur auf der Stelle tanzt, um sich in einer unglaublichen Folge von Bewegungen selbstständig zu überholen und gleichzeitig deutlich zu machen, dass man immer in Gemeinsamkeit ist, aber nie verbunden ist miteinander. Es ist das, was man heute eigentlich die Egomanisierung des eigenen Seins nennt."

"Wir müssen unser ganzes Herz in die Arbeit legen"

Das Stück wurde von Édouard Lock eigens für Movimentos choreografiert und kreist um das kulturelle Gedächtnis des Menschen, seine Herkunft und Zukunft. Die Musiker werden es live auf der Bühne begleiten. Dabei werden sie ein ganz eigenes Medium für sich darstellen - denn die Tänzer agieren meist aus voneinander abgegrenzten Lichtkegeln heraus, sozusagen ihrem Kosmos, der eigenen Zelle.

Édouard Lock sei einer der Choreografen, der ihn physisch und psychisch an seine tänzerischen Grenzen gebracht hätte, erzählt der Tänzer Yoshi Engrazia Suzuki. "Er ist wirklich extrem und er möchte, dass seine Tänzer auch so sind. Ihm wird langweilig, wenn wir uns einfach nur so bewegen - wir müssen präsent sein und unser ganzes Herz in die Arbeit reinlegen", beschreibt Suzuki die Zusammenarbeit. Das durchzumachen sei für ihn eine gute Erfahrung gewesen.

Lateinamerikanisches Zeitgefühl

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Europapremiere von Cassi Abranches' "Agora" - die São Paulo Dance Company.

Das zweite Stücke "Gnawa" vom spanischen Choreografen Nacho Duato beschäftigt sich mit den Riten der sogenannten Sufi-Brüderschaft in Marokko. Es geht um die Elemente und die Verbindung von Gott, Mensch und Natur.

Das dritte Werk "Agora" verspricht Leichtigkeit, indem es sich mit dem lateinamerikanischen Gefühl für Zeit auseinandersetzt: "Das Einzige, was existiert, ist Agora, ist jetzt", lautet ein Text in der Musik. "Das ist unsere Art zu leben - wie wir uns ausdrücken im Leben und im Tanz", erklärt Tänzerin Leticia Forattini Martins.

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Mit diesen Stücken wird die Kompanie drei Abende füllen. In der darauffolgenden Woche erwartet Wolfsburg Les Ballets Jazz de Montréal mit einer Hommage auf Leonhard Cohen. Für Bernd Kauffmann ist das Werk "Dog Without Feathers" von Deborah Colker ein besonderer Höhepunkt.

In dieser Welt unter dem Thema der Klimabelastung und der erschöpften Schöpfung habe ihn kaum etwas so sehr bewegt wie Colkers Stück. "Es schildert, wie Menschen im Schlamm und in der Trockenheit einer Flussmündung leben und trotzdem wie die Krebse oppositionell weiter dort leben wollen", erzählt Kauffmann.

Insgesamt werden fünf internationale Kompanien im "Hafen 1" auftreten - den Abschluss tanzen in diesem Jahr Kinder, Jugendliche und Erwachsene der Movimentos Akademie aus der Region.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 18.07.2019 | 15:40 Uhr

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