Mönchehaus Museum Goslar zeigt japanische Fotografie © NDR

Mönchehaus Museum Goslar zeigt japanische Fotografie

Stand: 22.03.2021 17:07 Uhr

Seit dem zurückliegenden Wochenende hat das Mönchehaus Museum für moderne Kunst in Goslar geöffnet. Zu sehen ist die Schau: "Past and Present - Vergangenheit und Gegenwart japanischer Fotografie".

von Janek Wiechers

Für ihre Fotografien wählt die japanische Künstlerin Asako Narahashi eine ungewöhnliche Perspektive. Sie fotografiert Küstenlinien ihres Heimatlandes vom Wasser aus - aufgenommen auf Höhe der Wasseroberfläche oder etwas darunter. Ihre Fotos zeigen so Landschaften und Häuserzeilen im Hintergrund - Wellen und Wassertropfen im Vordergrund. Horizont und Wasserlinie verwischen. Narahashi hat sich in ästhetisch eindringlichen Fotos mit der Tsunamikatastrophe von 2011 auseinandergesetzt.

Mönchehaus Museum Goslar zeigt japanische Fotografie © NDR
Die Schau "Past and Present - Vergangenheit und Gegenwart japanischer Fotografie" hat schon viele Besucher angelockt.

Soziale Kritik oder Kommentar am Zustand der Welt kämen in den Fotografien der zwölf japanischen Fotografinnen und Fotografen im Mönchehaus nie plump daher, sagt Bettina Ruhrberg. Ganz japanisch vermittelten sich Bedeutungen eher dezent und indirekt, so die Direktorin des Museums in Goslar: "Es ist alles von einer Art Gleichmut oder aus einer gewissen Distanz heraus aufgenommen. Es ist ein wertfreies Beobachten - das ist etwas, was man in dieser Ausstellung durchgängig fühlen oder wahrnehmen kann."

Von der japanischen Nachkriegsfotografie bis heute

Einflüsse des Zen-Buddhismus und das auffällige Zurücknehmen des künstlerischen Ichs - diese gleichsam japanische Zurückhaltung ist allen Fotos gemein. Da sind Fotografien älterer, und längst etablierter Fotokünstler. Etwa von Nobuyoshi Araki: Von ihm gibt es meditative Blumen- und Wolkenstilleben, sowie minimalistische Frauenakte. Es finden sich außerdem architektonisch streng komponierte Bilder Hioshi Sugimotos. Die Goslarer Ausstellung schlägt einen Bogen von der japanischen Nachkriegsfotografie bis heute und setzt dabei einen Akzent auf aktuelle zeitgenössische Fotografie. Für Ausstellungsmacherin Bettina Ruhrberg eine richtige Entdeckung: "Wie spannend diese Szene ist, und wie viele unglaublich interessante, vor allem junge Künstlerinnen, Fotografinnen es in Japan gibt, war mir bis zum Kuratieren dieser Ausstellung nicht bekannt."

Japanische Fotografie, zumal die neuere, gelte noch immer als Spezialgebiet und sei bisher in Deutschland eher wenig zu sehen, so die Kuratorin: "Die Fotografie ist immer auch von einem bestimmten Diskurs begleitet. Und diesen Diskurs machen die Japaner nicht. Sie zeigen mehr auf, aber sie werten nicht. Sie sind also in dem Sinne nicht gesellschaftskritisch - zumindest vordergründig. Sie machen auch keinen Unterschied zwischen Hochkunst, Alltagskunst, Popkultur und so weiter. Alles ist gleichwertig."

Sanft-grüne Landschaften und grell-bunte Porträts

Riesige Tableaus, anderthalb mal zwei Meter große Abzüge - das sind die Arbeiten der Fotografin Rinko Kawauchi. Sie hat sanft-grüne Landschaften am Fuße des Vulkans Aso auf der Insel Kyushu abgelichtet. Grell-orange Schneisen brennender Felder durchziehen gleichsam wie Lava die Szenerien. Es sind Bilder voller suggestiver Kraft, aufgeladen mit historischer Bedeutung: "Es gibt ein altes shintoistisches Ritual, bei dem man Getreidefelder abbrennt, um sie für die nächsten Generationen wieder fruchtbar zu machen. Das gibt es schon seit 1.300 Jahren dort, und das hat sie fotografisch festgehalten", erzählt Bettina Ruhrberg.

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In den Fotos von Mika Ninagawa klingen Popkultur und japanische Comictradition an.

Grell-bunt und zugleich entrückt wirken hingegen die porträtierten Frauen der Künstlerin Mika Ninagawa. In den schrillen Fotos klingen Popkultur und japanische Comictradition an. Zurückhaltender geben sich dagegen die verschwommenen Schwarz-Weiß-Porträts von Leiko Ikemura. Sie scheinen aus einer mystischen, leisen Traumwelt zu kommen. "Past and Present - Vergangenheit und Gegenwart japanischer Fotografie", das ist der Titel der Schau in Goslar, die gerade eröffnet schon viele Besucher angelockt hat.

Neben der Ausstellung mit japanischer Fotografie zeigt das Mönchehaus aktuell übrigens in einer zweiten Schau Werke des Bildhauers Lienhard von Monkiewitsch. Anlass ist der 80. Geburtstag des emeritierten Professors der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 23.03.2021 | 06:40 Uhr