Die fast menschenleere Reeperbahn mit dem Spielbudenplatz vor dem Schmidt-Theater. © picture alliance Foto: Markus Scholz

Modellregionen und Tests: Wie kommt die Kultur aus dem Lockdown?

Stand: 31.03.2021 16:36 Uhr

Wie kommen Kulturbetriebe trotz steigender Infektionszahlen raus aus dem Lockdown und zurück in ein einigermaßen normales Leben? Neuigkeiten aus den norddeutschen Bundesländern.

von Anina Pommerenke

Seit November sind die meisten Kultureinrichtungen geschlossen. Nur für einige Museen und Galerien ist es seit der Einführung der Notbremse zum 8. März in den Regionen mit Inzidenzwerten unter 100 möglich, wieder zu öffnen. Viele andere Kultureinrichtungen hoffen auf Modellprojekte.

Was passiert in Niedersachsen?

Niedersachsen will mit einem Modellversuch in einigen Regionen testen, ob Lockerungen im Einzelhandel, der Außengastonomie und auch in Kultureinrichtungen möglich sind. Am Mittwoch endet die Bewerbungsfrist. Fast alle Städte und Kommunen wollen in Niedersachsen Modellregion werden. Allerdings gibt es bestimmte Voraussetzungen: Die Sieben-Tage-Inzidenz muss unter 200 liegen und darf nicht steigen. Außerdem braucht es ein schlüssiges Hygienekonzept und eine Teststrategie. In Verbindung mit Schnelltests sollen weitreichende Öffnungen möglich sein. Das betrifft neben Geschäften und der Außengastronomie auch Kulturzentren, Theater, Opernhäuser und Kinos. Insgesamt sollen die Testöffnungen in 25 Regionen unterschiedlicher Größe starten - trotz der Kritik an Lockerungen von Kanzlerin Angela Merkel. Wo genau, wird am Sonnabend entschieden. Nach Ostern könnte es dann in den ausgewählten Regionen direkt losgehen.

Was passiert in Hamburg?

In Hamburg gibt es noch keine Hoffnung auf eine baldige Öffnung. Das "Hamburger Abendblatt" hat recherchiert, dass einige Theater in Hamburg sich bereits vorsorglich mit Schnelltests eingedeckt haben: Zum Beispiel hat das Ohnsorg-Theater schon 10.000 Tests bestellt. So könnte das Haus einen Schnelltest unter Aufsicht für diejenigen anbieten, die es nicht geschafft haben, am Tag einer Vorstellung in ein Testzentrum zu gehen. Unklar ist allerdings noch, ob das von den Behörden so auch anerkannt werden würde. Auch das Schauspielhaus hat vorsorglich 2.500 Selbsttests bestellt. Das Schmidts Tivoli hat eine Absprache mit einem Corona-Testzentrum direkt vor der Haustür geschlossen: Mit dem Ticket wird dann direkt ein Slot für einen Test dort gebucht.

Was passiert in Mecklenburg-Vorpommern?

In Mecklenburg-Vorpommern haben die Störtebecker Festspiele wegen der Planungsunsicherheiten Konsequenzen gezogen. Geschäftsführerin Anna-Theresa Hick hat sich dazu entschlossen, die Festspiele abzusagen. "Nach dem letzten Treffen der Bundes- und nun auch der Landesregierung steht fest, dass an eine Umsetzung unserer Produktion unter den gegebenen Umständen nicht zu denken ist", hatte Hick am Dienstag mitgeteilt. Das Gesundheitsamt Vorpommern-Rügen gehe von maximal erlaubten 1.000 Zuschauern pro Veranstaltung aus. Die Beschränkungen machten die Produktion undurchführbar und unwirtschaftlich. In der Pilotstadt Rostock hat es am vergangenen Wochenende zwei Theaterpremieren gegeben.

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Mehrere Figuren in Schüleruniform mit künstlichen Köpfen zwischen Stühlen und Bett auf der Bühne. © Volkstheater Rostock Foto: Dorit Gätjen

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Was passiert in Bremen?

Interessante Impulse kommen auch aus Bremen: Wie die "taz" berichtet fordert die Freie Theaterszene dort im Angesicht der Corona-Pandemie eine 70-Prozent-Quote für bremische Produktionen in der Schwankhalle. Wenigstens für zwei Jahre. In der Vergangheit seien dort viele Gast-Produktionen zu sehen gewesen - doch gerade jetzt brauche die freie Szene aus der Stadt einen Ort, sich zu zeigen. So könnten auch die ganzen in der Pandemie auferelegten Förderprogramme in Veranstaltungen vor Ort überführt werden, heißt es zu Begründung von den Verfassern des offenen Briefes.

Was passiert in Schleswig-Holstein?

In Schleswig-Holstein soll es nach derzeitigem Stand ab dem 12. April ebenfalls Modellregionen mit weitgehenden Öffnungen geben - in ausgewählten Regionen und begleitet mit einem gründlichen Testvorgehen. Darauf bewirbt sich unter anderem die Stadt Kiel - dessen Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hält auch eine Theaterpremiere mit Zuschauern für möglich.

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Die Tische in der Bar im Kieler Luna Club sind besetzt. © NDR Foto: Maja Bahtijarević

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Der Eingang zum Ohnsorg Theater im Hamburger Bieberhaus © NDR Foto: Petra Volquardsen

Kulturpartner: Ohnsorg-Theater

Seit über 100 Jahren gehört das Ohnsorg-Theater als feste Institution zu Hamburg. Der Großteil aller Vorstellungen findet auf Plattdeutsch statt. extern

Außenaufnahme vom deutschen Schauspielhaus in Hamburg © dpa picture alliance Foto: Markus Scholz

Kulturpartner: Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg gehört zu den führenden Theatern in Deutschland. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 31.03.2021 | 08:15 Uhr