Die Silhouette von Personen auf einer Musikveranstaltung in strahlendem Licht. © Fotolia Foto: MelindaNagy

Mit "Green Events" zu mehr Nachhaltigkeit in der Kultur

Stand: 28.10.2020 11:11 Uhr

Wie können Veranstaltungen in Zukunft nachhaltiger und Ressourcen-schonender organisiert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Hamburger Netzwerk.

von Petra Volquardsen

Die Veranstaltungsbranche hat es schwer in der Corona-Zeit. Nicht wenige plagen Existenzsorgen. Umso bemerkenswerter, dass sich das Netzwerk gerade in dieser harten Zeit mit der Frage nachhaltiger Veranstaltungen beschäftigt. "Green Events Hamburg" heißt dieses Netzwerk, das von der Umweltbehörde unterstützt wird. Gerade haben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einem "digitalen Barcamp" per Videokonferenz verbunden. Filiz Gülsular vom Festival 48h Wilhelmsburg war für einen Impulsvortrag zu Gast. Diversität und wie es gelingt, bei Veranstaltungen verschiedene Zielgruppen einzubinden, war bei diesem Treffen das Thema.

Klimaschutz: Den CO2-Fußabdruck von Veranstaltungen verringern

Generell geht es dem Netzwerk um Nachhaltigkeit. Klimaschutz ist dabei ein wichtiger Komplex, wie Björn Hansen von "Green Events" sagt: "Grundsätzlich hat eine Veranstaltung immer einen CO2-Fußabdruck, und wenn man sich dieses Fußabdruckes erst einmal bewusst ist und dann anfängt, systematisch und wirkungsvoll diesen Fußabdruck zu minimieren, dann ist das irgendwann eine nachhaltige Veranstaltung. Aus einem Event ein grünes Event zu machen - dafür gibt es eine ganze Reihe von Stellschrauben: "Das Thema Energie, das Thema Anreise, wie kommen die Gäste zu uns und wieder nach Hause, das Thema Gastronomie, worauf wird das Essen gereicht, ist das Einweg-Plastik oder Mehrweg-Geschirr, wie viel Müll bleibt am Ende übrig", zählt er einige Beispiele auf.

Pilotphase auf 2021 verschoben

Anna Kliemann ist die Netzwerk-Koordinatorin und Leiterin des Projekts "Nachhaltige Veranstaltungen". "Der Kern des Projektes ist, dass wir an einer Art Leitfaden arbeiten für nachhaltige Veranstaltungen", sagt sie. "Eigentlich wäre das dieses Jahr die Hauptphase gewesen, wo wir auch in einer Pilotphase an Veranstaltungen testen wollten, wie dieser Leitfaden angewendet werden kann. Bis auf ganz wenige Begleitungen von Veranstaltungen konnte das leider nicht stattfinden, aber die Pilotphase wird jetzt auf 2021 und die kommenden Monate verschoben." Ganz unterschiedliche Veranstaltungen sind dabei, vom Dockville- oder Reeperbahnfestival über den Hamburger Triathlon und kleinere Sportveranstaltungen bis hin zum Hamburger Dom.

Besucher offen für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Natürlich, sagt Björn Hansen von Green Events, steht jetzt mitten in der Corona-Krise nicht jedem der Sinn nach noch mehr Zukunfts-Überlegungen: "Es gibt Unternehmen und Veranstalter, bei denen man merkt, dass es extrem prekär ist, dass überhaupt kein Kopf für irgendwas ist außer der Frage, wie man überhaupt da durch kommt. Und es gibt aber auch die, die sagen: 'Wir nutzen die Situation zur inneren Einkehr, zum Blick nach vorn: Was ist die neue Realität, in die wir zurück wollen?.'"

Dass auch die Besucher bei Veranstaltungen oder Festivals offen für neue Ideen und mehr Nachhaltigkeit sind, das merkt unter anderem Michael Kellenbenz, der auf Veranstaltungen eine "Fahrradgarderobe" betreibt. "Man spürt sehr gut, dass solche nachhaltigen Ideen bei den Gästen gut angekommen, insbesondere dann, wenn sie einfach zu handhaben sind, wenn sich die Gäste damit wohlfühlen", sagt er.

"Anpassung als die bessere Strategie"

Langfristig, so betonen Björn Hansen und Anna Kliemann, wird für Veranstalter kein Weg am Thema Nachhaltigkeit mehr vorbei führen. "Unser übergeordnetes Ziel ist es, dass diese Nachhaltigkeitsmaßnahmen ein Stück weit verbindlich werden für Veranstaltungen in Hamburg" sagt Kliemann. "Es gibt immer Dinosaurier, die irgendwann aussterben, und es gibt die, die sich anpassen. Und da wünsche ich mir, dass viele erkennen, dass die Anpassung an dieser Stelle die bessere Strategie ist", ergänzt Hansen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 27.10.2020 | 19:00 Uhr