Stand: 25.08.2020 11:28 Uhr

Theater Lübeck: Mit Abstand in die neue Saison

von Linda Ebener

Das Theater Lübeck nimmt endlich wieder den Betrieb auf und darf wieder spielen. Am kommenden Freitag beginnt die neue Saison mit einem Doppelprogramm: "Die menschliche Stimme" und "Das Telefon". Beim Kartenvorverkauf am Theater gab es sogar eine lange Schlange. Sowohl das Publikum als auch die Künstlerinnen und Künstler sind froh, dass es wieder losgehen kann. Doch mit Corona gibt es einige Änderungen und auch Einschränkungen, sowohl bei den Zuschauerzahlen als auch bei den Stücken auf der Bühne.

Das Orchester sitzt für das Auftaktstück der neuen Spielzeit "Die menschliche Stimme/Das Telefon" in einem weiten Halbkreis auseinander - ein Abstand von mindestens 1,50 Meter ist Pflicht. Vor den Musikern steht der musikalische Leiter Stefan Vladar, leicht erhöht auf einem Podest, neben ihm die Sängerin. Die Abstände sind allerdings eine große Herausforderung: "Ich hab schon alle im Blick, aber gemeinsames Musizieren hat ja nicht nur was mit den Augen zu tun, sondern vor allem auch mit den Ohren und wenn die Abstände zu groß werden, dann wird das gemeinsame Hören und das gemeinsame Atmen immer schwieriger", sagt Vladar. Noch schwieriger wird es, wenn Sängerinnen und Sänger alleine auf der Bühne stehen.

Ein Mann in blau und eine Frau im gelben Kostüm stehen auf einer abgedunkelten Theaterbühne. Im hintergrund stehen Kisten. © Theater Lübeck Foto: Olaf Malzahn
Owen Metsileng als Bouba und Emma McNairy als Lena spielen im Musiktheaterstück "L'Européenne" am Theater Lübeck.

Bei dem Stück "Das Telefon" etwa agieren sie zu zweit und dabei muss ein noch größerer Abstand zueinander gehalten werden als die üblichen 1,50 Meter, nämlich 6 Meter. Das mach Interaktion auf der Bühne zwischen zwei Sängern fast unmöglich. Sechs Meter, das sei sehr viel, findet auch Virginia Ferentschik. Sie ist die einzige Sängerin der sogenannten Monooper "Die menschliche Stimme" und freut sich, endlich wieder auftreten zu dürfen, trotz der Einschränkungen: "Ich hoffe, dass wir mit diesem Stück auch zeigen, dass wir die Situation sehr ernst nehmen und alles runtergefahren haben, eben keine große Besetzung, sondern speziell diese Monooper. Und ja, ich hoffe, dass es den Leuten genauso gut gefällt, wieder ins Theater zu kommen, wie es für uns auch wichtig ist, wieder zu singen."

"Abstandserinnerer" bei den Theater-Proben

Im Theater stehen überall Desinfektionsspender. Masken sind auf den Wegen zu Proben, zur Bühne oder in andere Räume Pflicht. Auch beim Schauspiel muss der Abstand von 1,50 Meter eingehalten werden. Weil das nicht immer ganz einfach ist, hat sich das Theater Lübeck für die Proben etwas überlegt, was Sängerin Ferentschik für sehr sinnvoll hält: "Es waren immer Leute da, die wirklich nur dafür zuständig waren, auf Abstand aufmerksam zu machen. Denn, natürlich, im Eifer des Gefechtes - etwa, wenn der Regisseur uns was vermitteln möchte und dann zu nah kommt - dann heißt es: Abstand!"

Aufführungen Corona-gerecht anpassen

Weil wegen der Corona-Pandemie im Großen Haus nur noch 200 und in den Kammerspielen nur noch 80 Plätze für das Publikum zur Verfügung stehen, also ein Viertel der regulären Sitzplätze, gibt es zu jedem Stück jeweils zwei Premierentermine. Vorstellungen, die eigentlich in der vergangenen Saison gegeben werden sollten, sind verschoben worden oder müssen jetzt umgeplant werden. "Wir müssen natürlich alles, was wir aus der vorigen Spielzeit hinüberholen, umstellen, damit es Corona-gerecht auf die Bühne gebracht werden darf", sagt Stefan Vladar. Gerade würden die Konzepte für zwei Stücke erstellt.

Dazu gehört zum Beispiel das Musiktheater "L'Européenne". Dort kommen normalerweise mehr als 20 Leute gleichzeitig auf die Bühne, das geht jetzt nicht. Dennoch sind alle Beteiligten am Theater optimistisch und vor allem überglücklich, wieder vor Publikum auftreten zu dürfen, vor allem Stefan Vladar. "Ich freue mich schon sehr. Ich hoffe, dass die geringe Anzahl an Menschen, die da hineindarf, auch in der Anzahl kommen wird und die Begeisterung, die wir bei der Bearbeitung des Ganzen haben, dann auch teilen werden."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 25.08.2020 | 09:55 Uhr

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