Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin © Mecklenburgisches Staatstheater Foto: Silke Winkler

Mecklenburgisches Staatstheater: Proben für die Wiedereröffnung

Stand: 15.03.2021 06:00 Uhr

Der Haupteingang des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin ist seit Wochen geschlossen - auch wegen dringender Bauarbeiten im Foyer. Hinter der Bauplane am Theatereingang wird aber bereits geprobt.

von Axel Seitz

Die Sängerinnen und Sänger des Chores stehen im zweiten und dritten Rang, die Solisten mit Abstand auf der Bühne des Großen Hauses und proben - mit Maske - Verdis Oper "Macbeth". "Wir machen hier keine Schrumpfversion, wir machen nicht 'Macbeth light'", sagt Regisseur Hendrik Müller. "Lustigerweise ist das Wort, das hier am häufigsten gesungen wird, Corona - Krone. Der letzte Satz, den Macbeth singt vor seinem Tod ist: 'Böse Krone, alles nur wegen dir.' Das bekommt unfreiwillig einen Beiklang."

Chor probt für Verdis "Macbeth"

Regisseur Hendrik Müller freut sich darauf, dass diese Schweriner Inszenierung auch musikalisch etwas völlig Neues sein wird. "Vom Orchester her hat uns der Berliner Komponist Arno Waschk ein, wie ich finde, ganz raffiniertes Arrangement für 20 Musiker der Staatskapelle geschrieben. Es ist nicht original Verdi, es ist aber auch nicht irgendetwas Heruntergekürztes. Wenn man das hört, glaubt man nicht, dass es nur 20 Musiker sind", sagt Müller. "Die machen einen solchen Dampf, es ist so farbig. Er hat manche Dinge uminstrumentiert, er wird Verdi an vielen Stellen untreu, um den eigentlichen Effekt wieder hinzukriegen."

Corona stellt auch Ballett-Ensemble vor Herausforderungen

Weniger Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne, die dazu noch auf Abstände und Hygienekonzepte achten müssen - vor dieser Herausforderung steht auch das Ballett-Ensemble um Jutta Ebnother, die noch einen Ballett-Abend für dieses Spielzeit inszeniert. "Der Abend heißt 'Love, Songs and Poems', ich habe ihn im November choreografiert. Es war ja Lockdown, ich durfte trainieren und wir durften proben. Und dann habe ich diesen Abend choreografiert und mich mit dem Thema Liebe beschäftigt, mit Liebensliedern und Gedichten", erzählt sie. "Das Tolle daran ist: Wir haben Livemusik mit Friedemann Braun am Klavier und mit der Sängerin Barbara Felsenstein, einer Jazzsängerin aus Berlin."

Doch auch für die Tänzerinnen und Tänzer gilt für die Proben Maskenpflicht, und auf der Bühne dürfen nur maximal fünf gleichzeitig tanzen. Das sei eine spannende Herausforderung gewesen, sagt Julia Ebnother: "Wenn man vor solche Bedingungen gestellt wird, weckt das ja auch die Kreativität."

Schauspiel-Ensemble inszeniert das Stück "Von Menschen und Mäusen"

Das Schweriner Schauspiel-Ensemble probt gerade das Stück "Von Menschen und Mäusen" nach dem Roman von John Steinbeck, in der Regie von Martin Nimz. "Die Sorgen im Schauspielensemble sind sehr groß", sagt er. "Es gibt auch den Wunsch Einzelner, noch nicht an den Proben teilzunehmen. Die Situation konnten wir auf alle Fälle schon mal beruhigen, indem wir uns selbst Schnelltests besorgen und machen, als zusätzliche Sicherheit." Geprobt werde mit Maske, "was wirklich richtig kompliziert ist, weil gerade für uns als Sprechtheater die Verständlichkeit von Texten, die ohnehin schon manchmal mangelhaft ist, noch erschwert wird."

Der Schauspieldirektor hat sich und die Theaterarbeit allgemein in den vergangenen Wochen durchaus infrage gestellt. "Ich war erschrocken darüber, wie wenig relevant Theater in der Gesellschaft gesehen wird", sagt er. "Wir als Beteiligte denken immer, wir sind der Nabel der Welt. Man erkennt auf einmal, dass wir es eben nicht sind. Sondern dass wir darüber nachdenken müssen, welche Relevanz wir für die Gesellschaft überhaupt haben." Es seien offenbar nur wenige, die das Theater vermissten. Und so möchte Martin Nimz nicht nur, wie er es sagt, die intellektuelle Bürgerschicht erreichen, sondern vor allem normale Zuschauer - mit einfachen, klaren Geschichten.

Staatstheater-Intendant Tietje: "Wir wollen spielen"

Lars Tietje © Mecklenburgisches Staatstheater Foto: Silke Winkler
Intendant Lars Tietje hofft, dass das Publikum bald wieder ins Staatstheater kommen kann.

Wann das Schweriner Theaterpublikum "Von Menschen und Mäusen", den Ballett-Abend sowie die Oper "Macbeth" live erleben kann, steht noch nicht fest. Doch eines ist klar: "Wir wollen spielen. Und es ist ganz wichtig jetzt, dass wir Angebote machen, dass das Publikum wieder kommen kann. Das ist für das Theater wichtig, aber ich glaube auch für die Gesellschaft", sagt Intendant Lars Tietje, der mittlerweile auf ein Jahr fast ohne Theater zurückblickt: "Mit Sicherheit sind mehrere Hundert Vorstellungen ausgefallen. Unter normalen Bedingungen spielen wir ja nicht nur im Großen Haus, sondern auch im E-Werk, in Parchim, auf Abstecher. Davon hat ja nur im Herbst für ein paar Wochen ein Spielbetrieb im Großen Haus stattgefunden, und einige wenige Schulvorstellungen, wo wir mit Ein-Personen-Stücken in den Schulen waren."

Weniger Einnahmen, weniger Kosten

Ausgefallene Vorstellungen auf der einen Seite, Verluste auf der andere: "Wir haben einen Großteil unserer Einnahmen verloren. Von vier bis fünf Millionen Euro Einnahmen, die wir im Jahr normalerweise generieren, haben wir im vergangenen Jahr nur eine Million einnehmen können", sagt der Intendant. Natürlich hätten sich die Kosten reduziert, auch habe es Kurzarbeitergeld gegeben. "Das Zynische daran ist: Wenn wir gar nicht spielen, gar nicht proben und Kurzarbeitergeld bekommen, dann geht es uns wirtschaftlich ganz gut. Sobald wir anfangen, ein bisschen für wenig Publikum zu spielen, mit wenigen Einnahmen und erhöhtem Aufwand, dann wird es richtig teuer."

Und so steht für das Mecklenburgische Staatstheater in der bisherigen Jahresbilanz: Die geschlossenen Monate Januar und Februar geben Rückendeckung für den Rest des Jahres, denn so konnte, wie Lars Tietje betont, Geld gespart werden. Geld, das aber dringend für künftige Inszenierungen wie beispielsweise die geplanten Schlossfestspiele im Sommer mit dem Musical "Titanic" und dem Schauspiel "Die Schildbürger" benötigt wird.

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Das Gebäude des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin bei Sonnenschein mit wehenden Fahnen, Bäumen und parkenden Autos © NDR Foto: Axel Seitz

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 16.03.2021 | 19:05 Uhr