Stand: 20.07.2019 07:56 Uhr

Hamburg: Open-Air-Kunst beim MS Artville Festival

von Peter Helling

Eine trockene Wiese, ein paar Büsche, ein bisschen Wald - ab heute wird das Gelände am Wilhelmsburger Reiherstieg mitten im Hamburger Hafen wieder zur brodelnden Open-Air-Galerie. Die 12. Ausgabe des MS Artville Festivals steht in diesem Jahr unter dem Motto "Morgen" - aus der Perspektive von 23 internationalen Künstlern und Künstlerinnen. Das Kunstfestival geht bis zum 10. August.

MS Artville Festival: Kunst unter freiem Himmel

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Im Zirkuszelt auf dem Kerngelände des Festivals wird ohrenbetäubend gesägt und geschraubt. Ein paar Schritte weiter: Stille und Grillenzirpen. Ein Birkenwäldchen, eine Wiese - und ins hohe Gras gemäht ein gewundener Kunst-Pfad. Kurator Rudolf Klöckner führt durch das Natur-Idyll, das in diesem Jahr zum ersten Mal bespielt werden darf. "Auf einmal gibt es keine befestigten Wege mehr“, sagt er. Am Wegrand tauchen Installationen von verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern auf. Etwa von Levalet aus Paris. Fünf menschliche Figuren sind gerade dabei, sich selbst einzumauern. Die Spanierin Aida Gómez hat eine riesige Malerrolle auf die zerzauste Wiese gelegt: Sie soll das graue Gras Postenkarten-tauglich grün anmalen. "Aber du kannst die Natur noch so grün anpinseln: Ein Wald entsteht so noch lange nicht", sagt sie. Die Arbeiten reiben sich ganz bewusst mit dem Naturidyll und zeigen, wie bedroht es ist.

Ein Riesenmaulwurf und eine Riesenhand

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Das Werk "Tomorrow is broken" vom Berliner Künstlerkollektiv Bosso Fataka besteht aus Altholz. Das Handy-Display ist ein zerbrochener Spiegel.

Jetzt verspricht der Kurator einen Blick ins "Morgen".  Aus einem Brombeergebüsch ragt eine riesige Hand aus alten Holzstücken, sie hält ein Handy. Das Berliner Künstlerkollektiv Bosso Fataka hat die Installation aus Altholz zusammengebaut. Sogar Teile von Toilettenhäuschen sind darunter. Der Daumen drückt das Display des Handys (ein zerbrochener Spiegel) ein. "Tomorrow is broken" heißt die Arbeit. Alle Werke sind hier vor Ort entstanden. Auch das größte Objekt der Ausstellung, ein riesiger bunter Maulwurf des portugiesischen Künstlers Bordalo II. "Es ist alles Müll aus der Umgebung. Er stammt zum größten Teil aus Mülltonnen, der Rest des Plastikmülls wurde im Hafen eingesammelt." Die Arbeit will auf das Mikroplastik in unseren Böden hinweisen.

Die Welt brennt

Eine poetisch-leise Arbeit ist die von Parse/Error aus Marseille. Er bringt angekohlte Geldnoten in einem Glaskubus zum Flattern. Wie eine brennende Wolke, eine brennende Welt. Das Besondere: In Bewegung gebracht werden die Geldscheine von Ventilatoren, die ans Internet angeschlossen sind. Sie reagieren auf den Verkauf von virtuellen Währungen, also Bitcoins zum Beispiel: Je intensiver sie online gehandelt werden, umso mehr geraten die Geldscheine ins Flattern - wie Schmetterlinge. Viele Arbeiten zeigen eine Rückkopplung mit der Natur. Und sei es mit den Mitteln modernster Technik. Paradox? Von wegen!

Kunstobjekt auf der MS Artville

MS Artville: Ausstellung unter freiem Himmel

Hamburg Journal -

Beim MS Artville entsteht jedes Jahr Kunst unter freiem Himmel. Das Festival steht immer unter einem anderen Motto. In diesem Jahr ist die Frage "Wie wollen wir morgen leben?".

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Die Atmosphäre einer Künstler-Kommune

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Für Kurator Rudolf Klöckner (hier neben dem Maulwurf aus Müll von Bordalo II) ist es das vierte MS Artville.

Etwa 40 bis 50 Menschen leben gerade auf dem Gelände, sagt Rudolf Klöckner. Neben den Künstlern und Künstlerinnen sind es Helfer, Handwerker, Ehrenamtliche. Ein Hauch Kunst-Kommune. Die Aufbauzeit hat drei, vier Wochen gedauert. Rudolf Klöckner grüßt Handwerker auf dem Weg über das Gelände mit einem freundlichen "Moin". Mitten auf dem Gelände stehen große bunte Köpfe der Künstlerin Bona Berlin. Leuchtend-bunte Statements für Vielfalt. Es gibt spannende Gegensätze: Das Gelände wirkt wie eine Spielwiese, ein großer Spielplatz für Erwachsene - "mit sehr vielen, sehr wertvollen Inhalten!“, meint Kurator Rudolf Klöckner, der in diesem Jahr sein viertes Festival eröffnet. Eintauchen, Spazierengehen, Chillen, Anfassen und Gucken. Das Motto "Morgen" passt. Und auch, wenn es am Wochenende gewittern soll: Die Objekte auf dem MS Artville, sie wollen sich Wind, Regen und Sonne aussetzen - die Zukunft ist schließlich auch nichts für Wohnzimmer-Surfer und Couch-Kartoffeln.

 

 

Hamburg: Open-Air-Kunst beim MS Artville Festival

Das Gelände am Wilhelmsburger Reiherstieg im Hamburger Hafen wird wieder zur Open-Air-Galerie: "Morgen" ist das diesjährige Motto des MS Artville Festivals, das beeindruckende Kunstwerke zeigt.

Datum:
Ende:
Ort:
MS Artiville-Gelände
Reiherstieg-Hauptdeich/Alte Schleuse 23
21107  Hamburg-Wilhelmsburg
Preis:
Die Prese variieren je nach Veranstaltung
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 19.07.2019 | 19:00 Uhr

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